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Wiener Theater in der Josefstadt erstrahlte vor 100 Jahren in neuem Glanz

Vor 100 Jahren eröffnete Max Reinhardt "sein" Theater in der Josefstadt.
Vor 100 Jahren eröffnete Max Reinhardt "sein" Theater in der Josefstadt. ©Imagno/Theater in der Josefstadt
Am 1. April 1924 eröffnete Max Reinhardt seine komplett renovierte "Josefstadt" und gab dem Theater das prachtvoll-feierliche Aussehen, für das das Haus bis heute von den Wienern geliebt wird.

Am 1. April feiert das Wiener Theater in der Josefstadt ein besonderes Jubiläum: Genau vor 100 Jahren eröffnete Max Reinhardt, der das Theater als Intendant im Jahr 1923 übernommen hatte, nach einem umfassenden Umbau das Haus mit Goldonis Lustspiel "Der Diener zweier Herren" in eigener Regie.

Die von Camillo Castiglioni finanzierte Neugestaltung durch Architekt Carl Witzmann wurde ein "Meisterwerk aus Geist und Seele" und gab dem Theater sein bis heute gültiges Aussehen.

Vom "Vergnügungsetablissement" zum "Kunstinstitut": Die Anfänge des Theaters in der Josefstadt

Zuvor hatte der Impresario Josef Jarno, der ab 1899 in den 24 Jahren seiner Direktion die Wandlung des Hauses vom "Vergnügungsetablissement" zum "Kunstinstitut" energisch vorantrieb, kaum in die Instandhaltung der Räume investiert. Fotos von damals zeigen ein nur wenig einladendes Foyer. Und auch Reinhardts Urteil war hart: "Das Foyer riecht wie ein Stall und die schmutzigen Wände mit den armseligen Holzverkleidungen haben den Charakter eines Stalles; dazu noch die dünnen Gusseisensäulen, die ein schmutziges Lichthofdach tragen und das schäbige Zementpflaster", zitiert Robert Stalla, der sich in seinem Prachtband "Theater in der Josefstadt 1788-2030" umfassend mit dem Umbau befasst, den Impresario.

An der Umsetzung des Zieles, "einen wohnlichen Patriziersalon, in dem Theater gespielt wird", entstehen zu lassen, waren Max Reinhardt und seine Frau Helene Thimig mit ihren persönlichen Vorstellungen maßgeblich beteiligt. Dank des umstrittenen, doch schwerreichen Finanziers Castiglioni konnte großzügig, ja geradezu imperial umgestaltet werden. Das Deckenfresko von Barocci im Parterrefoyer ist eine Kopie des Deckengemäldes in Schloss Leopoldskron - bloß, weil man sich einen echten Tiepolo-Plafond, über den in Venedig verhandelt wurde, letztlich doch nicht leisten wollte.

Großzügige Umgestaltung: Die Vision von Max Reinhardt und Helene Thimig

Apropos Venedig: Das Teatro La Fenice wurde zum Vorbild für die von leuchtendem Kardinalsrot und Neurokoko-Optik dominierte Ausstattung. Der von J. & L. Lobmeyr ausgeführte große Luster aus Murano-Glas ist heute noch eines der Markenzeichen des Theaters in der Josefstadt, schwebt er doch wie einst vor Vorstellungsbeginn langsam verlöschend sechs Meter hoch zur Decke. Auch die ehemals viel genutzten "Sträußel-Säle", in denen 1848 auch Karl Marx als Redner auftrat, und die nur noch als Kostüm- und Requisitenfundus samt eingebautem Zwischenstock genutzt wurden, wurden revitalisiert und zu glanzvollen Pausenräumen umgebaut.

"Die Wiedereröffnung des Theaters am 1. April 1924, das unter der neuen Bezeichnung 'Die Schauspieler im Theater in der Josefstadt unter Führung von Max Reinhardt' firmierte, geriet zum gesellschaftlichen und medialen Großereignis", schreibt Stalla und zitiert das "Neue Wiener Tagblatt": "Im Hause jene Schar Auserwählter, die eingeladen waren, ein Publikum, das man unter 'ganz Wien' zusammenfasst, fast jede Person eine Persönlichkeit, die Automobilauffahrt vor dem Haus eine Sehenswürdigkeit, Hunderte von Schaulustigen, die sich angestellt hatten, um die Auserwählten zu sehen." Unter den Gästen waren unter anderem Bundespräsident Michael Hainisch, Außenminister Alfred Grünberger, Bürgermeister Karl Seitz, Eugen und Louis Rothschild, aber auch Hugo von Hofmannsthal, Robert Musil, Arthur Schnitzler und Egon Friedell.

Gesellschaftliches Großereignis: Die Wiedereröffnung des Theaters in der Josefstadt

Die Kritiken für "Der Diener zweier Herren", auf den acht Tage später "Kabale und Liebe" und kurz danach die Österreichische Erstaufführung von Hofmannsthals "Der Schwierige" folgten, waren uneinheitlich. Und mancher warf Reinhardt ein Zuviel des Guten vor, das man verschiedentlich auch gegen den Prunk der umgestalteten Räume einwandte: Überregie, Überfluss und Übertreibung.

Der amtierende Direktor Herbert Föttinger bezieht sich jedenfalls in einem Statement zum Jubiläum mehr auf die künstlerische Vision Reinhardts, an den seit 1950 auch ein Bronzemedaillon über dem Theatereingang erinnert, denn auf dessen gestalterische Hinterlassenschaft: "Die Josefstadt ist das Paradebeispiel dafür, dass ein Theater, das durch und über seine Schauspieler:innen funktioniert, höchst erfolgreich ist. Ich versuche seit meinem Amtsantritt den Ensemblegeist an diesem Theater im Sinne Reinhardts zu pflegen und das Publikum an das Ensemble zu binden. Unsere Auslastung gibt diesem Zugang recht."

(APA/Red)

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