Wiener Telefonseelsorge: Jährlich 25.000 Gespräche

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Beziehungsprobleme, psychische Erkrankungen und Einsamkeit sind die häufigsten Gründe für einen Anruf bei der Wiener Telefonseelsorge. Das zeigt die aktuelle Statistik für das Jahr 2007.

Insgesamt haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wiener Telefonseelsorge im vergangenen Jahr 24.288 Gespräche geführt. Die meisten Anrufe bei der Telefonseelsorge, die rund die Uhr kostenlos unter der Nummer 142 erreichbar ist, gehen abends in der Zeit von 16 bis 22 Uhr ein. Mehr als zwei Drittel der Anrufenden im Jahr 2007 waren Frauen.

“Jeder fünfte Anrufer ist aus der Gruppe der 40- bis 50-jährigen”, erzählt die Leiterin der Wiener Telefonseelsorge, Marlies Matejka. Weitere 16 Prozent der Anrufer sind zwischen 50 und 60 Jahre alt, 12 Prozent gehören der Gruppe der 30- bis 40-jährigen an. Immer öfter suchen Menschen auch den Kontakt über die Website “www.telefonseelsorge.at”. 351 E-Mails wurden hier im vergangenen Jahr beantwortet. In Wien ist die Telefonseelsorge ein ökumenisches Projekt, in dem katholische und evangelische Kirche zusammenarbeiten.

Einsamkeit ist ein Tabu

Am öftesten wollten die Hilfesuchenden über Beziehungsprobleme sprechen (21 Prozent der Anrufer), dicht gefolgt von psychischen Erkrankungen und dem Thema “Einsamkeit”. “Einsamsein ist ein Tabu und hat auch viel mit Scham zu tun”, sagt Marlies Matejka. Allein zu leben, sei heute eine übliche Lebensform geworden, die auch viel Freiheit biete, seinen Alltag so zu gestalten wie man das möchte. Wer damit nicht zurechtkommt, schämt sich aber oft davor, über die eigene Einsamkeit mit Verwandten oder Freunden zu sprechen und zieht sich so noch mehr zurück. Eine Situation, die viele Anrufer mit dem Satz “Niemand weiß eigentlich wirklich, wie es mir geht” zusammenfassen.

Die Leiterin der Wiener Telefonseelsorge betont, dass Einsamkeit nichts mit dem Alter zu tun habe: “Es gibt Kinder ‘ohne Anschluss’ und ältere Menschen, deren Angehörige verstorben sind. Es gibt Frauen und Männer, deren Beziehungen zerbrochen sind und die sich verletzt in ein Schneckenhaus zurückziehen”, so Matejka. Auch Menschen, die unter Depressionen und Ängsten leiden und die es schwer haben, Kontakte zu knüpfen oder Beziehungen zu pflegen, hätten mit Einsamkeit zu kämpfen.

Mehr als die Hälfte aller Anrufer bei der Wiener Telefonseelsorge 142 lebt alleine, in den allermeisten Fällen aber nicht freiwillig. “In der Anonymität eines Telefonanrufs oder auch über ein E-Mail Kontakt zu suchen, verstanden und ermutigt zu werden, kann ein erster Schritt aus der Einsamkeit bedeuten”, ermutigt Marlies Matejka Hilfesuchende, die Nummer der Telefonseelsorge 142 zu wählen.

Erstes “Symposion gegen Einsamkeit”

Marlies Matejka ist eine der Referentinnen beim 1. “Symposion gegen die Einsamkeit”, das am 1. März von 10 bis 16 Uhr im Wiener Ärztehaus (Frankgasse 8, 1090 Wien) stattfindet. “Das Problem Einsamkeit ist nicht immer gleichzusetzen mit Alleinsein”, so Majda Moser, die Initiatorin des Symposions, in einer Aussendung. Fachleute unterschiedlichster Disziplinen sehen Einsamkeit zunehmend als gemeinsame Ursache vieler Übel, insbesondere zahlreicher gesundheitlicher und gesellschaftlicher Probleme. Das Symposion stellt den Kampf gegen die Einsamkeit als Anliegen der Gesellschaft in den Mittelpunkt und will damit das Thema verstärkt ins öffentliche Bewusstsein rufen. Nach Impulsvorträgen von Experten bietet das Symposion Gelegenheit zur Problemdarstellung und Diskussion. Der Eintritt ist frei.

Telefonseelsorge: http://www.telefonseelsorge.at
Erzdiözese Wien: http://stephanscom.at
(PEW)

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