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Wiener TAG: Mehr Budget, aber auch mehr Sorgen für die neue Saison

Auch Fahrenheit 451 steht auf dem Programm des TAG.
Auch Fahrenheit 451 steht auf dem Programm des TAG. ©Anna Stoecher Quer
Am Theater an der Gumpendorfer Straße wurden die Subventionen erhöht und die Leitungsverträge verlängert. Das alles wäre ein Grund zur Freude, wäre da nicht eine Sache: der Coronavirus.

Eigentlich könnte das Leben im Wiener Theater in der Gumpendorfer Straße (TAG) so schön sein: Die Subventionen wurden erhöht, eine Investitionsförderung hat die Sanierung und Aufrüstung der Lichtanlage ermöglicht, die Verträge mit dem künstlerischen Leiter Gernot Plass und seinem kaufmännischen Pendant Ferdinand Urbach wurden bis 2025 verlängert. Doch statt ungetrübter Freude herrscht nun Corona.

"Eigentlich hat sich sehr viel Erfreuliches getan", umreißt Plass im Gespräch mit der APA die Entwicklung des vergangenen Jahres. Eine Erhöhung der städtischen Förderung um (durchgerechnet) 200.000 Euro pro Jahr auf künftig 945.000 Euro hebt das TAG endlich "auf eine Größenordnung, die uns durchatmen lässt", sagt Urbach. "Ohne Corona wäre das ein historisch guter Moment für uns." Erstmals kann auch das Ensemble durchgehend angestellt werden, erstmals konnte der Fair Pay Gedanke umgesetzt werden. Und schließlich konnte damit auch das Problem der in den Vorjahren aufgelaufenen Kommunalsteuer bereinigt werden. Auch das Engagement von ein paar Gästen zur stärkeren Durchmischung war vorgesehen. Nun hat das angehobene Budget zumindest dafür gesorgt, dass für die TAG-Mitarbeiter keine Kurzarbeit beantragt werden musste, dafür konnten auch keine zusätzlichen Corona-Hilfen beantragt werden.

Dreiteiliges Hörspiel veröffentlicht

Im Shutdown konzentrierte man sich auf dringend notwendige Renovierungsarbeiten und produzierte in den Home Offices in Konferenzschaltung ein dreiteiliges Hörspiel. Als Inspiration für "Das Wachzimmer" diente Gernot Plass Akira Kurosawas Film "Rashomon": eine Geschichte - vier Perspektiven. Eine echte Perspektive für Herbst hat man dagegen mangels klarer Vorgaben für die ab September geltenden Corona-Regeln noch nicht. "Wir müssen auf alles vorbereitet sein. Die Desinfektionsmittel und Plexiglasmasken stapeln sich bei uns", so Urbach.

Würden die derzeit geltenden Maßnahmen verlängert, dann könnten man rund 65 Zuschauer im Theater begrüßen, diese müssten allerdings Maske tragen, da der Ein-Meter-Abstand nicht eingehalten werden kann. Schon alleine das bedeutet, dass sich die finanzielle Situation des sonst über mehr als 20 Prozent Eigendeckung verfügenden Hauses bald wieder verschärfen könnte. Außerdem: "Keine Ahnung, wie das im November wird, wenn der erste Schnupfen grassiert. Wenn von unseren Schauspielern nur einer Fieber bekommt, steht die ganze Hütte", sieht Plass in die Zukunft, die jedenfalls an die Vergangenheit anschließen wird. Eröffnet wird die Saison 2020/21 am 3. Oktober nämlich mit jener Produktion, die eigentlich für vergangenen April geplant war: "Fahrenheit 451" von Ray Bradbury.

Klassiker von E.T.A. Hoffmann

Der durch Francois Truffauts Verfilmung mit Oskar Werner bekannte Roman, der am TAG von Susanne Draxler inszeniert wird, zeigt einen Staat, der sich intensiv um seine Bevölkerung kümmert (inklusive Sanitätsbeamte und Feuerwehr) und darauf schaut, dass eigenständiges Denken, Fühlen und Handeln möglichst unterbunden wird - ein Repressionsstaat mit freundlichem Antlitz. Dass das im Betrachter viele Parallelen zu den Szenarien der vergangenen Wochen evozieren könnte, "ist ein Zufall, eine Koinzidenz, passt aber sehr gut, weil es geradezu prophetisch wirkt", sagt Plass.

Mit "Cyborg Sandmann" (Premiere: 5. Dezember) setzt das TAG seine mit "Die Ratten" begonnene Zusammenarbeit mit Bernd Liepold-Mosser fort. Das 1816 erschienene Märchen von E.T.A. Hoffmann über die Liebe zu einer Puppe, wird als "visionäre, postmoderne Aufarbeitung des Status Quo" (Plass) rund um Fragen von Künstlicher Intelligenz, Sex-Robotern und technologischer Zukunft interpretiert - "ein Schauermärchen 4.0". Erstmals am TAG inszeniert Susanne Lietzow. Sie inszeniert die Mutter aller Zimmerschlachten, Albees "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" (Premiere: 20. Februar 2021). "Sie findet, das passt auf unser Ensemble wie die Faust aufs Auge", schmunzelt Plass, der mit dem fünften Ensemblemitglied, Georg Schubert, in der Zeit eine Solo-Produktion erarbeiten wird, die sich nach derzeitigem Planungsstand unter dem Arbeitstitel "Galileo-Projekt" mit Fragen der Wissenschaft und des Kampfes um die Interpretation der Wirklichkeit beschäftigen wird. "Galileo hatte recht - gegen das herrschende Narrativ!"

"Theater ist gefährlich geworden"

Neben einigen Wiederaufnahmen macht eine neue Tschechow-Produktion des bereits mit "Die Möwe" und "Kirschgarten" am TAG erfolgreichen litauischen Regisseurs Arturas Valudskis am 8. Mai 2021 den Abschluss der Eigenproduktionen - mit einer "poetischen, humorvollen, sehr reduzierten" Inszenierung von "Onkel Wanja". Und natürlich wird die Pflege von professionellem Improvisationstheater fortgeführt - u.a. mit "Moment!", dem neunten internationalen Improv-Festival. Wie viele der angekündigten hochkarätigen Stars der europäischen Szene dann wirklich im Oktober nach Wien kommen können, wird aber wohl weniger im Direktionsbüro in der Gumpendorfer Straße, sondern in diversen Gesundheits- und Außenministerien entschieden. Ganz zu schweigen von der Frage, wie viel Spaß Improvisationstheater, das von Spontaneität und der Nähe zum Publikum lebt, unter erschwerten Bedingungen machen wird. "Theater ist gefährlich geworden", sagt Gernot Plass. "Diese Entwicklung bereitet mir eine gewisse Sorge."

(APA/red)

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