Wiener Straßenzeitung "Augustin" kämpft mit schwindenden Verkaufszahlen

Nicht verkaufte Exemplare des Augustins können die Verkäufer wieder kostenlos zurückgeben.
Nicht verkaufte Exemplare des Augustins können die Verkäufer wieder kostenlos zurückgeben. ©APA-FOTO: HELMUT FOHRINGER
Die Wiener Straßenzeitung "Augustin" kämpft in letzter Zeit mit sinkenden Verkaufszahlen. Um die Verkaufszahlen anzukurbeln, stellte das Projekt nun alle Vertriebsplätze inklusive eine Liste der Verkäufer online.

Der “Augustin” wurden 1995 gegründet. Er erscheint alle zwei Wochen und wird von Obdachlosen oder Menschen in prekären Lebenssituationen um derzeit 2,50 Euro angeboten, wobei die Hälfte beim Verkäufer bleibt. Die andere Hälfte fließt an die Zeitung, um die Redaktion zu finanzieren, aber auch Sozialarbeiter, Deutschkurse, die eigene Radio- und TV-Schiene oder Fußball- und Theaterprojekte zu bezahlen.

22.000 Exemplare verkauft

Zuletzt wurden rund 22.000 Exemplare pro Ausgabe verkauft, einst waren es 30.000, hieß es am Montag in einer Aussendung. “Die Zahlen sind eigentlich seit 2010 runtergegangen”, sagte Claudia Poppe, beim “Augustin” für Öffentlichkeitsarbeit zuständig, auf APA-Nachfrage. Die Wiener sind aber nicht unbedingt asozialer geworden. Vielmehr gehe der Trend dazu, den Verkäufern Geld zu geben, aber ohne die Zeitung zu kaufen. Das bedeute aber, dass die gesamte Summe beim Verkäufer bleibt und an das Medien- und Sozialprojekt selbst kein Geld zurückfließt.

“Es wird schwierig”

Nicht verkaufte Zeitungen können Kolporteure ohne Kosten beim Verlag wieder abgeben. “Der Verlust ist bei uns”, erklärte Poppe. Wenn der Verkauf weiter zurückgehen sollte, “dann wird es schwierig”. Sprich: Dann müsste man anfangen, einzelne Projekte zu streichen. Zehn Angestellte, vier freie Mitarbeiter und noch rund 50 Textlieferanten, die pro Artikel bezahlt werden, werken für den “Augustin” und seine Sozialprojekte.

Digitale Karte mit Verkaufsplätzen

Um den Absatz wieder anzukurbeln, hat die Zeitung nun auf ihrer Website eine Wien-Karte mit den Verkaufsplätzen und eine Liste von vorerst 100 der rund 450 “Augustin”-Verkäufer mit Namen und Foto gestellt. Letztere soll sukzessive erweitert werden. Das ist auch ein Schritt gegen nicht registrierter Kolporteure. “Wir haben ja generell kein Problem mit ihnen – also nur dann, wenn sie sich mit unseren Verkäufern anlegen oder sich nicht ordentlich verhalten. Denn das schadet unserem Image”, so Poppe. Zu diesem Zweck sollen demnächst auch neue Ausweise produziert werden. Die derzeitigen schwarz-weißen Exemplare könnten sehr leicht gefälscht werden.

(APA/red)

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