Wiener Stadtzeitung Falter mit Buch über "Fake News"

Falter-Chefredakteur Florian Klenk ist einer der Co-Autoren des Buches.
Falter-Chefredakteur Florian Klenk ist einer der Co-Autoren des Buches. ©APA/HANS PUNZ
Das Wiener Stadtmagazin Falter veröffentlicht ihr Buch "Zahlen, bitte!", das einigen "Fake News" der letzten Jahre den Kampf ansagt.

War der Euro wirklich ein “Teuro”? Wo ist der Urlaub am günstigsten und wo am teuersten? Wann heiraten wir am liebsten, und wie lange dauert es bis zur Scheidung? Antworten auf diese Fragen liefert ein neues Buch im Wiener Falter-Verlag. “Zahlen, bitte! Was Sie schon immer über Österreich wissen wollten”, bietet harte Fakten, die oft neben einem aufklärerischen durchaus auch unterhaltenden Wert haben.

Kampfansage gegen “Fake News”

Geboren wurde das Werk aus rund 50 Interviews, die das Wiener Stadtmagazin “Falter” in den vergangenen Jahren in einer Serie veröffentlichte. Sie wurden unter anderem von Chefredakteur Florian Klenk geführt, und zwar mit dem Generaldirektor der “Statistik Austria”, Konrad Pesendorfer. Weil dieser eben äußerst faktenorientiert ist, versteht sich der 120 Seiten dicke Band auch als “Kampfansage” gegen eine “Politik der Unwahrheiten.” Denn, wie es auf dem Coverrücken heißt: “‘Fake News’ und ‘alternative Fakten’ regieren die Welt.”

Schilling gegen Euro

Entsprechend kämpferisch beginnt auch das bereits zitierte Kapitel “War der Euro wirklich ein ‘Teuro’?”. “Wir wollen unser altes Österreich zurück, fordern Populisten”, heißt es dort. “Also auch den Schilling. Mit ihm sei alles billiger gewesen. Stimmt das auch? Und wen ja für wen?” Die Antwort ist erwartungsgemäß ambivalent. Denn einerseits ist es wahr: Preissteigerungen gab es vor allem im Gastgewerbe, aber auch Mieten sind in Österreich über dem europäischen Durchschnitt angestiegen. Billiger geworden sind hingegen Telekom-Dienstleistungen und Waren im IT-Bereich.

Pesendorfer erklärt dazu: “Auch Preise für Pkw sind unterdurchschnittlich angestiegen. Aber Sie kaufen eben nicht jeden Tag einen Pkw, daher sind dem Konsumenten diese inflationssenkenden Effekte nicht so präsent. Vor allem aber sind die Löhne nicht entsprechend gestiegen.” Dazu spielen auch andere Faktoren eine Rolle: “Die Teilzeitbeschäftigung hat stark zugenommen. Nur etwa ein Drittel der arbeitenden Bevölkerung ist über einen längeren Zeitraum durchgehend vollzeitbeschäftigt. Das schlägt sich bei geringerer Kaufkraft – vor allem bei den unteren Einkommen nieder – nieder. Diese Gruppe spürt steigende Kosten für Wohnen und Nahrung besonders.”

Brandaktuelles Thema Migration

Ähnlich relativierend liest sich das Kapitel zum Thema “Migration”. “Mittelmeerroute, Mindestsicherung, Integration. Das Thema Flüchtlinge und Migration war im Nationalratswahlkampf 2017 omnipräsent – und das obwohl die Zuwanderung im vorangegangenen Jahr stark abgenommen hat”, lautet die Einleitung. Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2016. Der Trend hat sich mittlerweile fortgesetzt. Interessant ist freilich, aus welchen Ländern die meisten Migranten kommen (Stand 2016): Die stärkste Zuwanderungsgruppe mit 85.700 Personen kommt aus dem Raum der EU bzw. der EFTA, und hier vor allem aus Rumänien mit 16.700 Zuzügen, gefolgt von Deutschland und Ungarn.” Der Europäischen Freihandelsassoziation EFTA gehören die Schweiz, Island, Liechtenstein und Norwegen an.

Erst dann kommt die ” Zuwanderung aus Drittstaaten, die 42 Prozent ausmacht.” Sie ist vor allem durch die Flüchtlingsmigration “aus Afghanistan mit 11.700 Personen, Syrien mit 900 Personen und dem Iran” bestimmt. Die größte Gruppe der Nicht-Österreicher in Österreich sind demnach übrigens die etwa 182.000 Deutschen, gefolgt von 118.500 Serben und 117.000 Türken. Danach kommen die Herkunftsländer Bosnien-Herzegowina, Rumänien und Kroatien.

Themen mit Servicecharakter

Während diese Zahlen schon den Eindruck vermitteln, dass die auch von der Politik beeinflusste öffentliche Meinung nicht immer durch Zahlen und Fakten belegbar sind, haben andere Kapitel fast schon Servicecharakter. “Wohin verreisen wir im Sommer am liebsten und wo ist der Urlaub am günstigsten?”, wird etwa auf Seite 78 gefragt. Das Ergebnis fällt eher erwartungsgemäß aus, kann aber durchaus als Orientierungshilfe dienen. Konrad Pesendorfer meint nämlich: “Wenn man die Preisniveaus verschiedener Länder vergleicht, dann bekommt man etwa in Bulgarien und Rumänien das meiste für sein Geld. Für 100 Euro, die man in Österreich verdient, kann man dort Waren und Dienstleistungen im Gegenwert von 220 bzw. 201 Euro bekommen. Auch Mexiko und die Türkei sind mit 174 und 171 Euro Gegenwert relativ günstig.”

Wenn man auf die beliebtesten Urlaubsdestinationen der Österreicher – Nummer eins ist Italien, gefolgt von Kroatien und Deutschland – schaut, so ist das Preisniveau in Italien mit 106 Euro und Deutschland mit 98 Euro vergleichbar mit dem österreichischen. Kroatien ist mit 153 Euro (Kaufwert für 100 Euro in Österreich) relativ günstig. Teuer ist es in der Schweiz, wo 100 Euro nach österreichischem Niveau gerade einmal 66 Euro wert sind. Auch in Dänemark (76 Euro) und Schweden (79 Euro) liegt das Preisniveau deutlich über Österreich.

Zahlen und Fakten zu Sozialem Wandel

Anhand der erhobenen Daten lässt sich auch der soziale Wandel nachvollziehen. Nehmen wir etwa die Heiratsstatistik: “Im Jahr 2016 haben einander 44.475 Paare das Jawort gegeben. Für knapp zwei Drittel der Paare war das die beiderseitige Erstehe”, erläutert Pesendorfer. “Die mittlere Ehedauer liegt bei knapp elf Jahren. Die Scheidungsrate liegt derzeit bei 41,6 Prozent.” Zum Vergleich: “Mitte der 1950er-Jahre lag sie noch bei rund 14 Prozent. Dann gab es einen kontinuierlichen Anstieg, der 2006 mit 50 Prozent einen Höhepunkt erreichte. Das mittlere Alter des Bräutigams bei der ersten Ehe liegt heute bei 32,6 Jahren, jenes der Braut bei 30,3. In den 1970er-Jahren war die Braut durchschnittlich 21,7 Jahre alt, der Bräutigam 24,4.”

Ähnliche Zahlen und Entwicklungen liefert das mit Tabellen und Diagrammen illustrierte Buch auch über das Bildungs- und Gesundheitssystem, über Wohnkosten, Gehälter samt Unterschieden zwischen Frauen und Männern, Kriminalität oder Lebensqualität. Ganz allgemein dürfte es den Österreichern nicht so schlecht gehen. Immerhin haben sie offenbar die Mittel, die (Weihnachts)feste zu feiern, wie sie fallen. 2015 wurden, so erfährt der Leser, “für Adventkränze und Christbäume in Österreich mehr als 43 Millionen Euro ausgegeben.”

(APA/red)

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