Wiener Stadtwerke hoffen weiter auf Förderung

Wiener Stadtwerke hoffen weiter auf Millionen-KWK-Förderung
Wiener Stadtwerke hoffen weiter auf Millionen-KWK-Förderung ©APA (Sujet)
Die Wiener Stadtwerke, zu denen u. a. Wiener Linien und Wien Energie gehören, hoffen weiter auf eine Förderung für die Produktion von Strom und Fernwärme in ihren bestehenden Kraftwerken (Kraft-Wärme-Kopplung/KWK). "Es geht um einen zweistelligen Millionenbetrag, der für uns wichtig wäre", sagt Stadtwerke-Chef Martin Krajcsir.

Aber auch ohne das Geld wären keine weiteren Abschreibungen nötig.  Das entsprechende KWK-Punkte-Gesetz, das auf die Förderung bestehender KWK-Anlagen abzielt, liegt gerade in Brüssel zur Genehmigung. Eigentlich ist die Notifizierung schon bis Jahresende 2014 erwartet worden. Die EU-Juristen dürften aber Bedenken haben, da es um Anlagen geht, die bereits in der Vergangenheit gefördert bzw. die teils schon abgeschrieben wurden. Zahlen sollen das ganze die Strom- und Gaskunden – jeder Haushalt würde mit 5 bis 10 Euro zusätzlich im Jahr belastet. Die Idee des Gesetzes: Jeder Haushalt muss pro Jahr 10 sogenannte KWK-Punkte im Wert von 50 Cent bis 1 Euro erstehen.

Förderung für Stadtwerke?

Von der Förderung stark profitieren würden Betreiber von KWK-Anlagen im städtischen Bereich, allen voran Wien Energie. Von den rund 34 Mio. Euro jährlich, mit denen der Energiekunde KWK-Anlagen unterstützen soll, könnten bis zu 50 Prozent auf Wien Energie entfallen. Krajcsir am Donnerstag bei einer Pressekonferenz: “Wir bemühen uns den Betrag zu kriegen, aber die Marktsituation ist nicht einfach.”

Sollte Brüssel “njet” sagen, könne der Konzern das mit Einsparungen in anderen Bereichen ausgleichen. Weitere Abschreibungen auf Kraftwerke dräuten nicht. “Die Gaskraftwerke sind alle abgeschrieben”, so Krajcsir. Jobs würde eine Ablehnung der Förderung auch nicht kosten, versichert der Stadtwerke-Generaldirektor. “Wir werden im Konzern mittel- bis längerfristig eine ähnliche Mitarbeiterzahl haben.”

Die Stromkunden zahlen jetzt schon mehr für die Kraft-Wärme-Kopplung: Seit 1. Februar wird eine neue Abgabe zur Investitionsförderung eingehoben, pro Haushalt und Jahr sind 1,25 Euro fällig. Basis ist das novellierte KWK-Gesetz, das im Gegensatz zum Punkte-Gesetz auf neue Anlagen abzielt.

Interessante Tarife

Zum Thema Energiepreise wollte sich der Stadtwerke-Chef am Donnerstag nicht äußern. Gefragt nach Schätzungen, wieviele Kunden Wien Energie durch die neue Anbieter-Wechselaktion des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) abhandenkommen könnten, wollte er keinen Kommentar abgeben. Nur so viel: Wien Energie biete jetzt schon interessante flexible, an den Börsenpreis gebundene Tarife.

Die Stadtwerke investieren in den kommenden Jahren (bis 2019) mehr als 2 Mrd. Euro im Energiebereich, weitere 1,8 Mrd. Euro in die Öffis. Mit dem Geld wird u. a. die U-Bahnlinie U1 erweitert, die U4 erneuert sowie U6-Stationen renoviert. Auch in Fahrzeuge fließt Geld, ebenso in Verlängerung der U2 und in die neue (türkise) U5, deren Bau ab 2018 beginnen soll. Im Energiebereich liegen die Investitionsschwerpunkte etwa auf Müllverbrennung, intelligente Stromzähler (Smart Meter), das neue Wiener-Netze-Gebäude in Simmering sowie dem Stromleitungs- bzw. Gasrohrausbau.

Studie wurde präsentiert

Die Wiener Stadtwerke zählen laut einer am Donnerstag präsentierten Studie, die die Ökonomen Agnes Streissler-Führer und Fjodor Gütermann für den Konzern erstellt haben, zu den größten Arbeitgebern Wiens (am meisten Jobs stellt die Stadt selbst). Die mehr als 16.000 Stadtwerke-Beschäftigten erwirtschafteten 2013 einen Umsatz von 3 Mrd. Euro und damit eine geschätzte Wertschöpfung von 1,6 Mrd. Euro. Davon profitierten Zulieferfirmen, die großteils in Wien angesiedelt sind, die zusätzliche Wertschöpfung beziffern die Studienautoren mit 3,2 Mrd. Euro. In Summe seien es also 4,8 Mrd. Euro an Wertschöpfung, die die Stadtwerke im laufenden Betrieb generierten. Dazu kämen 900 Mio. an Wertschöpfung, die durch die Investitionen des stadteigenen Betriebs ausgelöst würden.

Vizebürgermeisterin Renate Brauner (SPÖ) sprach von einem “Stadtwerke-Effekt” in Höhe von 5,7 Mrd. Euro und 64.300 Arbeitsplätzen in Österreich, wobei sieben von zehn Stadtwerke-Mitarbeitern in Wien wohnten, der allergrößte Rest in Niederösterreich. Für die Wiener Öffis arbeiteten zuletzt rund 9.000 Menschen, im Energiesektor 5.500. Die Wiener Stadtwerke Holding AG hat im Jahr 2013 bei einem Umsatz von mehr als 3 Mrd. Euro ein negatives Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) eingefahren. Das Minus betrug 331 Mio. Euro.

(APA)

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