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Wiener Schmankerln erobern die bolivianischen Anden

Symbolfoto &copy Bilderbox
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50-jähriger Steirer Paul Stach eröffnete „Restaurant Vienna“ in Hauptstadt La Paz vor zwölf Jahren - Beliebter Treffpunkt von Politikern, Diplomaten und Künstlern.

Wenn William Shakespeare im 17. Jahrhundert Böhmen am Meer anzusiedeln „wusste“, so darf man fünf Jahrhunderte später Wien mit gutem Gewissen auf 4.000 Meter über dem Meeresspiegel in die südamerikanischen Anden verorten. Jedenfalls dann, wenn man vom „Restaurant Vienna“ spricht, das der 50-jährige Steirer Paul Stach seit dem Jahr 1992 in der bolivianischen Hauptstadt La Paz führt.

Kulinarischer Botschafter im Andenstaat
Macht man also bei einem Restaurantbesuch in der Hauptstadt eines der ärmsten Länder Lateinamerikas plötzlich ein „Jägerstüberl“, einen „Salon Klimt“ oder einen „Salon Danubio“ (Spanisch für Donau, Anm.) aus, so muss dies nicht an der Höhenluft liegen, die Mitteleuropäern, selbst wenn sie aus dem „Land der Berge“ kommen, für gewöhnlich zu schaffen macht. Das „Restaurant Vienna“, Österreichs kulinarischer Botschafter im Andenstaat, hat sich im Laufe der Jahre zum beliebten Treffpunkt der gehobenen Mittel- und Oberschichten von La Paz gemausert.

Schuld an allem war wie so oft die Liebe, ist schließlich die Familie von Stachs Frau, die der weltgewandte Weizer in der Hotelfachschule Klessheim in Salzburg kennen gelernt hat, in der höchstgelegenen Hauptstadt der Welt ansässig. 1988 sollte Paul Stach der gastronomische Lebensweg, der ihn nach abgebrochenem Betriebswirtschaftsstudium zuvor schon nach Jamaika und Toronto (u.a. als General Manager von Frank Stronachs Restaurant- und Discothek-Komplex „Rooney’s at Le Connaiseur“) geführt hatte, in der bolivianischen Hauptstadt seine Zelte aufschlagen lassen.

“Kulinarisches Notstandsgebiet “
Der Entschluss, kulinarisch etwas auf die Beine zu stellen, war, wie Stach erzählt, rasch gefallen: „La Paz war in den achtziger Jahren ein kulinarisches Notstandsgebiet und im Gegensatz zu heute keine chaotische Stadt. Nach der Übersiedlung haben wir sehr bald das italienische Restaurant ’Pronto’ eröffnet, das heute noch existiert und von meiner Frau als Abendrestaurant geführt wird.“

Die Geschichte des „Restaurant Vienna“ auf dem bolivianischen Altiplano begann drei Jahre später, zunächst mit einer abbruchreifen Bruchbude: „Im Jahre 1991 wurde mir ein altes vierstöckiges Gebäude am jetzigen Standort angeboten, welches ich gekauft, abgerissen und in einer für hier unüblichen Zeit von nur elf Monaten neu gebaut habe“, lässt der Steirer die Anfänge seines kleinen austriakischen Imperiums in La Paz Revue passieren.

“Guter Ruf für Qualität”
Dass das edle Etablissement, an dem laut Stach „kein noch lebender bolivianischer Präsident oder Minister“ vorbeigekommen ist, den Namen Vienna trägt, ist für den Vater zweier Kinder mehr als Heimweh-Nostalgie: “Österreich hat schon immer einen guten Ruf für Qualität im Gastgewerbe in der ganzen Welt dargestellt, und als hundertprozentiger Österreicher wollte ich das auch in La Paz bestätigen“, gibt sich Stach als rot-weiß-roter Patriot.

Auch sonst sieht der erfolgreiche Unternehmer durchaus Ähnlichkeiten zwischen seiner gastronomischen Wien-Enklave und diversen österreichischen Gepflogenheiten, etwa was das Prinzip der immer währenden Neutralität betrifft: „Es wurde hier schon viel Politik beim Essen – vor allem im ’Jägerstüberl’ – gemacht. Auch die Vertreter der Weltbank und Vereinten Nationen treffen sich ebenso diskret mit den Führern der Opposition zum Essen wie die Angehörigen der verschiedenen Botschaften – das Vienna ist bekannt für die ’Neutralität’ und Diskretion, und das nicht nur unter den Politikern“, ist Stach stolz auf seine erlesene Klientel.

Hoher Besuch im “Vienna”
Zu den illustren Gästen, die auf des Steirers Köstlichkeiten auch im südamerikanischen Hochland nicht verzichten wollen, zählte neben der designierten EU-Kommissarin und Außenministerin Benita Ferrero-Waldner (V) auch schon Deutschlands TV-Star Verona Feldbusch. Mitunter suchen freilich auch ganz andere, durchaus weniger erbetene Gäste die Nähe des „Restaurant Vienna“ und rufen auf ihre Weise in Erinnerung, dass im politisch und wirtschaftlich krisengebeutelten Bolivien nicht nur Wiener Schmankerln serviert werden: „Vor ein paar Jahren haben Demonstranten bei Unruhen eine Tränengasbombe in die Garage vom Vienna geworfen, das Tränengas ist langsam in die Küche und Restaurant hochgegangen, die Gäste sind dann ruck zuck davongelaufen, aber alle sind in den folgenden Tagen wiedergekommen, um ihre Rechnung zu bezahlen“, hat sich für Stach die brenzlige Situation schließlich doch noch in Wohlgefallen aufgelöst.

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