Wiener Psychiatrie: Einsatz von Netzbetten notwendig

In der Wiener Untersuchungskommission zu möglichen Psychiatrie-Mängeln hat sich eine Fachärztin am Wiener Otto-Wagner-Spital (OWS) vehement für den Einsatz von Netzbetten ausgesprochen. Dieser sei oft notwendig.

“Ich habe kein Problem damit, jemanden zu beschränken”, so Jutta Leth, die auch Mittelbauvertreterin am OWS ist, im Zeugenstand. Womit sie ein Problem habe, sei der Umstand, sich ständig für die Verwendung solcher Betten rechtfertigen zu müssen.

Sie wandte sich entschieden gegen die Darstellung der Mitarbeiter des OWS als, wie sie sagte, “Nazi-Schergen”, denen es eine Freude mache, Menschen wegzusperren. “Ich verordne Netzbetten, weil es ein Instrumentarium ist, Patienten davon abzuhalten, etwas zu tun, was für sie und was für andere schlecht ist”, so Leth bei ihrem Auftritt im Rathaus. Sie sei eine Befürworterin des Netzbettes: “Ich wäre lieber in einem Netzbett als gegurtet (mit Gurten fixiert, Anm.).”

Während bisher in der U-Kommission meist Theorie gewälzt wurde, ging es am Donnerstag um die praktische Arbeit im Otto-Wagner-Spital. Die Zeugin berichtete ausführlich von ihrem Alltag in der Arbeit mit den Patienten. Bei diesen handle es sich um ein “schwieriges Klientel”, das in anderen Einrichtungen gar keine Aufnahme mehr finden, betonte sie. Darum sei bei diesen Institutionen auch das Problem der Beschränkungen und Fixierungen nicht so groß.

Die jüngste Psychiatrie-Debatte dürfte sich im OWS nicht nur positiv ausgewirkt haben: Laut Leth darf inzwischen außer den belegten Betten nur mehr höchstens ein zusätzliches leeres Netzbett in einer Station stehen. Die anderen verschwinden einstweilen in einem “Betten-Bahnhof”. Gibt es plötzlich Bedarf an mehr Betten, müssten diese erst geholt werden – was oft Wartezeiten für Polizei, Rettung und auch die tobenden Patienten bedeute, berichtete die Ärztin.

Verbessert hat sich laut Leth aber die Personalsituation, auch wenn es schwierig sei, neue Fachärzte zu finden. Trotzdem, so betonte sie, fehlen noch Ressourcen: Das beginne bei Sozialarbeitern und reiche von Psychologen über das Pflegepersonal bis zu den Dolmetschern. Denn oft sei es gar nicht möglich, mit den Patienten zu kommunizieren, da diese schlecht oder gar nicht Deutsch sprechen. So könne es passieren, dass sie herumtelefonieren müsse, um nach jemanden mit Sprachkenntnissen zu suchen – und das sei dann vielleicht eine Putzfrau, erzählte Leth.

Als “wesentliche Verbesserung” bezeichnete sie den Einsatz jenes Security-Dienstes, den es seit einigen Monaten im OWS gibt. Allein das Auftreten von Männern in Uniform beruhige die Situation oft, so Zeugin, die selbst einmal von einer Patientin attackiert und schwer verletzt wurde. Bisher hätten Ärzte oder Pfleger sich um solche Fälle kümmern müssen, was auch aus therapeutischer Sicht problematisch gewesen sei: “Wir hauen uns auf den drauf und am nächsten Tag beginnen wir ein Betreuungsgespräch, das kann nicht funktionieren.”

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