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Wiener Polizei trauert um ehemaligen Präsidenten Günther Bögl

Die Wiener Polizei trauert um ihren ehemaligen Präsidenten Günther Bögl.
Die Wiener Polizei trauert um ihren ehemaligen Präsidenten Günther Bögl. ©pixabay.com/LPD Wien
Der ehemalige Wiener Polizeipräsident Günther Bögl ist tot. Er starb am Donnerstag im Alter von 88 Jahren, wie die Polizei-Pressestelle in einer Aussendung bekanntgab.

In seine Amtszeit fielen eine Reihe von herausfordernden Großereignissen und Kriminalfälle: etwa die Opernballdemonstrationen, die Mädchenmorde von Favoriten, die Briefbombenattentate sowie die Mordfälle Jack Unterweger und Elfriede Blauensteiner.

Ehemaliger Wiener Polizeipräsident Günther Bögl gestorben

Bögl, der am 29. August 1932 in Wien geboren wurde, hatte zunächst eine ganz andere Karriere im Sinn, als zur Polizei zu gehen. 1950 legte er die Matura ab, von 1951 bis 1953 besuchte er die Höhere Bundeslehranstalt für Chemische Industrie in Wien, erlernte das Gerberhandwerk und absolvierte ein einjähriges Volontariat in einer Lederfabrik.

Doch als es 1953 zum großen "Lederkrach" und in weiterer Folge zur Schließung des Unternehmens kam, stand Bögl plötzlich ohne Arbeit da. Weil es mütterlicherseits eine ganze Reihe von k.u.k. Offizieren als Vorfahren gegeben hatte, lag die nun von der Familie getroffene Entscheidung auf der Hand. Im August 1953 trat Bögl in den Dienst der Exekutive ein.

Nach dem Besuch der zweijährigen Polizeischule stand der ehemalige Gerber mit Matura drei Jahre lang (1955-1958) im Polizeidienst. Von 1958 bis 1968 war Bögl im Innenministerium tätig. Der Ärger über eine verpatzte Chance - der Nichtakademiker wurde nicht auf eine verlockende Dienstreise nach Rom geschickt - ließ den in der fremdenpolizeilichen Abteilung eingesetzten Bögl abermals auf die "Schulbank" zurückkehren. 1964 inskribierte er an der Universität Wien, bereits vier Jahre später promovierte er zum Doktor juris - und dies neben der vollen Berufstätigkeit.

Von 1968 bis 1970 war Bögl Mitglied eines ständigen Unterausschusses für die Erleichterung von Grenzformalitäten beim Europarat in Straßburg, ehe er Sekretär des damaligen Innenministers Otto Rösch wurde. 1971 bekleidete er den Posten eines Leiters des Ministerbüros. 1972 wurde Bögl im Alter von 40 Jahren jüngster Generalinspektor der Sicherheitswache. Er war in dieser Funktion auch der am längsten amtierende Beamte. Am 1. Jänner 1988 folgte Bögl als Wiener Polizeipräsident auf Karl Reidinger.

Polizeipräsident Pürstl und Minister Nehammer zutiefst betroffen

1993, anlässlich seines 40-jährigen Dienstjubiläums, hatte Bögl noch erklärt, erst mit 65 in den Ruhestand treten zu wollen. "Am 31. Dezember 1997 ist Schluss." Der vorzeitige Abgang des Präsidenten am 1. Juli 1995 dürfte durch die Verwicklung seiner Frau und seiner Tochter in einen Maturaskandal wohl beschleunigt worden sein.

Der amtierende Wiener Polizeipräsident Gerhard Pürstl zeigte sich am Donnerstag vom Ableben Bögls zutiefst betroffen. Die Anteilnahme der gesamten Wiener Polizei gelte der Familie. "Günther Bögl war eine beeindruckende Persönlichkeit, die die Wiener Polizei über viele Jahre geprägt und gestaltet hat. Ein Mensch, der den Begriff 'Führung' im besten Sinne des Wortes mit Leben erfüllt hat. Mein tiefes Mitgefühl gilt seiner gesamten Familie", sagte Innenminister Karl Nehammer (ÖVP).

(APA/Red)

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