Wiener Mordprozess: Keine Wende im Mordfall Stefanie P.

Angeklagter in Widersprüche verwickelt
Angeklagter in Widersprüche verwickelt ©APA (Hochmuth)
Im Mordprozess um die erstochene und zerstückelte Stefanie P. ist der am vergangenen Donnerstag von der Mutter des Angeklagten Philipp K. angekündigte Kronzeuge ausgeblieben.
Mord an Stefanie P.: Archivbilder vom Tatort
Angeklagter Philipp K. beschuldigt Freund
Angeklagter beteuert starke Liebe

Wiener Mord-Prozess: Angeblicher Kronzeuge blieb aus

Margit K. hatte versichert, ihr Sohn habe seine Ex-Freundin nicht getötet, sondern die Tat auf sich genommen, um sie, die Mutter, zu schützen. Ein von zwei Detektiven ausgeforschter Kronzeuge werde “die Tat klären”.

Diesen Kronzeugen und die von der Mutter avisierte Wende in der Verhandlung gibt es aber offenbar nicht, wie eine mittlerweile durchgeführte Befragung des Landeskriminalamts mit einem der Detektive ergeben hat. “Ich habe keinen Zeugen, der diesen Beweis beibringen kann”, verlas Richterin Sonja Weis am Montag im Straflandesgericht aus dem Protokoll. Weiters gab der Detektiv an, sein Verhalten gegenüber Margit K. sei davon geprägt, “ihr seelisches Gleichgewicht zu geben.”

Mordfall Stefanie P. vor Gericht: Polizisten befragt

Nach dieser Verlesung wurden jene beiden Polizisten befragt, die unmittelbar am Tatort eingeschritten waren, nachdem Steffis Tante am Nachmittag des 2. Juli in Sorge um die 21-Jährige, die sie nicht telefonisch erreichen konnte, Alarm geschlagen hatte. Die Wohnungstür öffnete nicht Philipp K., sondern dessen BekannterOliver D., der nach einem Anruf des Angeklagten unmittelbar vor den Beamten eingetroffen war und dem der 23-Jährige laut Anklage das Verbrechen gestanden haben soll.

Bereits an der Tür fiel den Polizisten eine blutdurchtränkte, gegen die Wand gelehnte Matratze auf. Auf Befragen, was es damit auf sich habe, machte sich Philipp K. verdächtig, indem er angab, es handle sich dabei um “Regelblut meiner Freundin” bzw. habe er sich beim Einräumen des Geschirrspülers an der Hand verletzt und die Matratze offenbar auch mit seinem Blut benetzt.

Den Beamten erschien das unglaubwürdig. “Für uns war klar, dass etwas Furchtbares in dieser Wohnung passiert sein muss”, erinnerte sich einer der zwei Streifenpolizisten im Zeugenstand. Philipp K. wurde festgenommen, während der ebenfalls am Tatort angetroffene Oliver D. die Wohnung verlassen konnte.

Ein Geschworener und Verteidiger Ernst Schillhammer verstanden dies nicht ganz. “Was hätten Sie gemacht, wenn der überhaupt gegangen wäre?”, wunderte sich der Anwalt. Das sei seine “Entscheidung aus der Situation heraus” gewesen, antwortete der Inspektor.

Mordfall Stefanie P.: Todeskampf dauerte zwei bis drei Minuten

Stefanie P. starb an einer tiefen Stich- bzw. Schnittwunde in den Hals, nachdem der Täter der zu diesem Zeitpunkt gefesselten jungen Frau Verletzungen im Brust- und Bauchbereich zugefügt hatte. Das führte der Gerichtsmediziner Daniele Risser in seinem Gutachten aus. “Der Tod ist nach einer Läsion an der Halsschlagader zu Lebzeiten infolge Verblutens nach außen eingetreten”, sagte der Sachverständige. Das Blut sei “herausgespritzt”, der Tod zwei bis drei Minuten nach Eröffnung der Halsschlagader erfolgt.

“Man muss davon ausgehen, dass das ein Todeskampf war”, stellte Risser fest. Möglicherweise habe Stefanie P. auch noch gelebt, als ihr in die Nase geschnitten wurde. Demgegenüber ging Risser davon aus, dass ihr ein Ohr “eher in der agonalen Phase, wo das Leben ausgehaucht wird” abgeschnitten wurde. Jedenfalls postmortal wurde dem Opfer eine Tätowierung mit dem Schriftzug “Philipp” aus dem Bauch geschnitten. Dasselbe stellte Risser in Bezug auf Verunstaltungen der primären Geschlechtsmerkmale fest.

Das Zerteilen der Leiche – der Kopf wurde zwischen dem fünften und sechsten Halswirbel abgetrennt, die beiden Arme jeweils an den Schultergelenken – dürfte laut Risser 30 bis 60 Minuten in Anspruch genommen haben. Die Leiche habe insgesamt 200 Läsionen aufgewiesen.

Der Prozess rund um den Mord an Stefanie P. wird am Dienstag, um 13.30 Uhr mit dem Gutachten des Psychiaters Karl Dantendorfer fortgesetzt. Sollte es – wie geplant – zu einem Urteil kommen, wird dies mit Sicherheit erst am Abend fallen. (APA)

  • VIENNA.AT
  • Chronik
  • Wiener Mordprozess: Keine Wende im Mordfall Stefanie P.
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen