AA

Wiener Missbrauchsfall: Opfer auch in Feriencamp am Wolfgangsee

Der Missbrauchsfall um einen Wiener Lehrer zieht weite Kreise. Auch in einem Feriencamp am Wolfgangsee soll es Betroffene geben.
Der Missbrauchsfall um einen Wiener Lehrer zieht weite Kreise. Auch in einem Feriencamp am Wolfgangsee soll es Betroffene geben. ©APA/BARBARA GINDL (Sujet)
Rund um den Missbrauchsfall um einen Wiener Sportlehrer wurden nun neue Details bekannt. Der Lehrer soll in einer Mittelschule Buben missbraucht haben. Nun gibt es Betroffene in einem Feriencamp geben.
Missbrauch durch Lehrer: Wiener KJA in schiefem Licht

Im Missbrauchsfall um einen Sportlehrer, der bis zu seinem Suizid im Mai 2019 an einer Wiener Mittelschule etliche Buben im Alter von neun bis 14 Jahren missbraucht haben dürfte und womöglich zwei Mittäter hatte, gibt es weitere Betroffene in einem Feriencamp am Wolfgangsee. Das gab der Verein Ferienhort - eine große Einrichtung, die seit 1888 besteht und Sommer-Camps für Kinder und Jugendliche veranstaltet - am Dienstag auf APA-Anfrage bekannt.

Wiener Missbrauchsfall: Opfer auch in Feriencamp am Wolfgangsee

Wie Philipp Schrangl, Vorstandsmitglied und Rechtsberater des Vereins, im Gespräch mit der APA mitteilte, hat sich nach dem bisher schon bekannten Fall - ein ehemaliger Teilnehmer des Camps hatte 2013 wegen eines bei einer Massage erfolgten Missbrauchs gegen den Wiener Sportlehrer Anzeige erstattet, die aus nach wie vor nicht geklärten Umständen "versandete" - nun ein weiterer Betroffener gemeldet. Dieser - laut Schrangl ein ehemaliger Teilnehmer, der später selbst als Betreuer im Ferienhort beschäftigt war, sei "um 2008" vom Wiener Pädagogen missbraucht worden, der seit 1990 bis 2010 mit Unterbrechungen während der Sommermonate außerschulisch als Ferien-Betreuer im Salzkammergut im Einsatz war.

Es handle sich bei den Übergriffen im Feriencamp nicht um Vergewaltigung

Bei dem nun bei der Ombudsstelle des Vereins gemeldeten Vorfall habe es sich um "keine Vergewaltigung" gehandelt, "aber das Opfer hat es als sexuellen Übergriff empfunden", sagte Schrangl. "Wir finden jetzt heraus, was passiert ist", sicherte Schrangl zu. Man werde den Betroffenen - dessen Wünschen entsprechend - entweder zur Polizei begleiten, um den Sachverhalt aufnehmen zu lassen, oder den Weißen Ring bitten, den Mann dabei zu unterstützen.

Einer der beiden Mittäter des Wiener Pädagogen bei Feriencamp

Darüber hinaus wurden die zwei möglichen Mittäter des Wiener Pädagogen von diesem auch im Ferienhort "eingeschleust". Ein langjähriger Bekannter des Pädagogen - ein ehemaliger Lehrer und Basketballtrainer - war dort von 1998 bis 2002 jeweils im August als Betreuer tätig. Verdachtslage in Richtung eines strafbaren, übergriffigen Verhaltens gebe es in Bezug auf diesen Mann derzeit nicht, erklärte Schrangl. 2008 sei bei einem so genannten Schnupper-Camp auch ein früherer Schüler des Sportlehrers zum Einsatz gekommen,"der zwar nie eine Funktion bei uns gehabt hat. Aber der Pädagoge hat ihn zu uns mitgenommen, damit er ihm beim Aufstellen der Trainingsgeräte hilft", schilderte Schrangl. Der "Helfer" habe sich insgesamt drei Tage im Camp befunden und sei dem Sportlehrer beim Geräteturnen assistierend zur Seite gestanden. Zu bedenklichen Übergriffen sei es in diesem Zeitpunkt "unseres Wissens nicht gekommen, er war auch nie alleine mit Kindern", berichtete Schrangl.

Junger Mann schickte Mädchen über Skype anstößige Videos

Allerdings habe der junge Mann, der damals selbst noch fast ein Jugendlicher gewesen sei, nachher über Skype ein Mädchen angeschrieben, das er im Ferienhort kennengelernt hatte. "Das Mädchen behauptet, dass es von ihm nach dem Sommer Videos mit unangemessenen, anstößigen Inhalten bekommen hat", erklärte Schrangl. Dieser Fall werde "selbstverständlich eingehend untersucht". Dasselbe gelte zur Frage, ob der zweite mögliche Mittäter des Sportpädagogen - ein Basketball-Trainer - je im Ferienhort beschäftigt war. Derzeit gebe es darauf keine Hinweise.

Schrangl versprach umfassende Aufklärung des Komplexes

"Es wird eine umfassenden Aufklärung des ganzen Komplexes geben", garantierte Schrangl, der auch freiheitlicher Nationalratsabgeordneter ist. Vor fünf Jahren habe eine Verjüngung des Vereinsvorstands stattgefunden: "Wir haben uns einer absoluten Zero-Tolerance-Politik verschrieben, was das Thema Kinderschutz betrifft." Im Ferienhort gebe es inzwischen spezielle Betreuerinnen und Betreuer, "an die sich Kinder und Jugendliche direkt wenden können, wenn sie Auffälligkeiten wahrnehmen oder selbst erfahren".

(APA/Red)

  • VIENNA.AT
  • Österreich
  • Wiener Missbrauchsfall: Opfer auch in Feriencamp am Wolfgangsee
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen