Wiener Linien mit dem Vorwurf vertuschter Unfälle konfrontiert

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Medienberichte über angebliche geheim gehaltene Unfälle bei den Wiener Linien haben am Donnerstag die Rathaus-Opposition auf den Plan gerufen.

ÖVP und Grüne forderten objektive und unabhängige Untersuchungen der Vorwürfe. Die SPÖ und die Wiener Linien wiesen die Kritik zurück. “Wir verschweigen überhaupt nichts”, betonte Sprecher Johann Ehrengruber gegenüber der APA.

In den Berichten ist von einem vertuschten U-Bahn-Auffahrunfall auf einem Versuchsgleis im Jahr 2004, Defekten auch bei Autobussen und Straßenbahnen sowie wiederholten Zwischenfällen mit in Straßenbahntüren eingeklemmten Fahrgästen die Rede. Bei den Wiener Linien stellt man vehement in Abrede, dass es ein Sicherheitsproblem gebe oder etwas vertuscht würde. Auch von einer Häufung von Unfällen können nicht die Rede sein.

Komme es zu Unfällen im Linienbetrieb, werde dies aktiv kommuniziert, so Ehrengruber. Ein Verschleiern sei gar nicht möglich, schließlich würde die Fahrgäste Unfälle ja selbst bemerken. Er bitte aber um Verständnis dafür, dass man nicht jeden Werkstatt-Unfall öffentlich mache.

“Es ist offensichtlich, dass da jemand mit einem Bündel an Horrormeldungen an die Öffentlichkeit gegangen ist”, so Ehrengruber. Es würden “mit bestimmter böser Absicht Äpfel mit Birnen verglichen”. So sei der Auffahrunfall zweier U-Bahnen im Jänner 2008 tatsächlich der erste entsprechende Zwischenfall gewesen. Schließlich habe sich der Auffahrunfall 2004 auf einem Probe- und Versuchsgleis ereignet. Bei den genannten Autobus-Bremsproblemen sei zwar die elektronisch Bremssteuerung ausgefallen, die normale Druckluftbremse habe aber immer funktioniert.

Von ÖVP und Grünen kam heftige Kritik. Der Wiener ÖVP-Verkehrssprecher Wolfgang Gerstl forderte die lückenlose Aufklärung der “Unfallserie bei den Wiener Linien”. Es könne nicht sein, dass sich die Wiener Linien selbst überprüfen und dabei die Öffi-Fahrer mit der Begründung “menschliches Versagen” auf der Strecke blieben. Ähnlich wie beim Fall Haidinger sollte es eine vom Unternehmen unabhängige Kommission geben.

“Wie so oft wurde bei den Öffi-Unfällen kein technisches Gebrechen festgestellt, sondern menschliches Versagen, und somit haben die Führungskräfte der Wiener Linien keine Konsequenzen zu befürchten”, kritisierte Ingrid Puller von den Wiener Grünen. Sie forderte eine unabhängige Landesbehörde, um objektive Unfall-Untersuchungen im Bereich des Öffentlichen Verkehrs zu gewährleisten.

Seitens der SPÖ zeigte sich Gemeinderat Franz Ekkamp über die Kritik “sehr verwundert”. Erst am Mittwoch hätten Mitglieder aller Fraktionen auf Einladung der Wiener Linien die Hauptwerkstätte in Simmering besucht. “Alle Anwesenden waren vom hohen Sicherheitsstandard und den damit zusammenhängenden Maßnahmen der Wiener Linien beeindruckt”, so der SPÖ-Mandatar. Gerstl könne sich darauf verlassen, dass sämtliche Vorfälle im Netz der Wiener Linien umgehend von Experten bis ins kleinste Detail untersucht würden.

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