Wiener Künstlerduo löst mit Fotos von "Frauenleiche" Mord-Alarm aus

Eines der Bilder einer Frauenleiche am Wasser, das zu dem Mord-Alarm führte
Eines der Bilder einer Frauenleiche am Wasser, das zu dem Mord-Alarm führte ©Künstler-Duo Sigrid Fleckseder und Christian Thomas
Erschreckende Bilder einer halbnackten Frauenleiche in verschiedenen Posen sorgten für Aufsehen - und einen Mord-Alarm, der Interpol auf den Plan rief. Die Spur führte nach Wien, wo ein Mordermittler darauf angesetzt wurde, und Überraschendes entdeckte: ein Künstlerduo, das dahinter steckt. VIENNA.AT hat mit dem "Mord-Opfer" gesprochen.
Die Bilder der "Frauenleiche"

Bei einer deutschen Fotoausarbeitungsfirma schrillten alle Alarmglocken, als sie von einem “Saturn”-Elektronikmarkt aus Wien Filmmaterial zur Ausarbeitung übermittelt bekamen. Denn auf den Bildern kam eine Frauenleiche zum Vorschein, die in schockierenden Posen zu sehen war: halbnackt, mit heruntergerissenen Kleidern im Schnee bzw. im Wasser liegend.

Vermeintlicher Mord rief Interpol auf den Plan

Das Unternehmen war überzeugt davon, dass hier ein bislang unentdeckt gebliebenes Gewaltverbrechen geschehen war – und kontaktierte umgehend Interpol. Von den internationalen Behörden wurde daraufhin Chefinspektor Ewald Schneider von der Wiener Polizei eingeschalten, der die Ermittlungen aufnahm – und auf das Künstlerduo Sigrid Fleckseder und Christian Thomas stieß, das eine gute Erklärung lieferte.

Die beiden Künstler waren Urheber der Bilder und hatten das Fotomaterial, das Künstlerin Fleckseder selbst in den schockierenden Posen zeigt, für eine Ausstellung namens “Die vier Todeszeiten – Bilder vom Ableben” produziert, die Anfang April im privaten Rahmen in Wien gezeigt wurde.

“Guten Tag, hier spricht die Wiener Mordkommission”

Künstlerin Fleckseder schmunzelt, als VIENNA.AT sie zu dem Vorfall befragt und wissen will, was einem durch den Kopf geht, wenn man so einen Anruf erhält und sich schlagartig mit solchen schwerwiegenden Vorwürfen konfrontiert sieht: “Wenn sich plötzlich die Mordkommission meldet, geht schon das Register im Kopf erst mal durch, was da jetzt gemeint sein kann. Die Bilder lagen zu diesem Zeitpunkt schon längere Zeit zurück.” Die Polizisten waren allerdings äußerst freundlich und hatten laut Fleckseder gleich den Verdacht, dass die Bilder nicht echt sein könnten. “Sie wollten halt wissen, wie es zu den Fotos kam und sind dann vorbeigekommen”, so Fleckseder.

“Eine richtige Leiche sieht anders aus, dennoch haben wir die Leiche besucht. Es ging ihr ausgezeichnet”, wird Schneider in der “Kronen Zeitung” zitiert. “Zu rosa” sei die Leiche auf dem Bild gewesen. “Ich bin keine Visagistin und habe glücklicherweise noch nie einen toten Menschen gesehen,” erklärt Fleckseder, “aber ich muss sagen, ich bin positiv überrascht von der Reaktion der Fotofirma und auch dem Verhalten der Polizei. Ich finde das gut, dass dem Verdacht eines Verbrechens dermaßen nachgegangen wird.”

Bilder von Künstlerduo sorgten für Aufregung

Bei den Bildern handelte es sich Fleckseder zufolge übrigens nicht um jene aus dem “Sommer”, wie von zahlreichen Medien kolportiert. “Eines war aus dem ‘Winter’, wo ich bleich im Schnee liege und eine Packung Pillen in der Hand habe. Ein anderes vom ‘Frühling’, wo ich mit heruntergerissenen Kleider halbnackt im Wasser liege und nach hinten gedreht zu sehen bin, mein Gesicht sieht man nicht.”

Der Verdacht war also schnell ausgeräumt – die Ausstellung, die nur im privaten Rahmen in einer Wohnung als Installation gezeigt wurde, ein voller Erfolg. “Freunde und Fotografen von Fotozeitschriften waren begeistert, auch von dem Kontrast mit den alten Möbeln in der Privatwohnung, in der die Bilder präsentiert wurden,” so Fleckseder.

Weitere Projekte sind derzeit allerdings nicht in Planung, wie Fleckseder meint. “Wir sind kein Künstler-Duo im kommerziellen Sinn, arbeiten eigentlich beide für Agenturen und betreiben das nur privat. Doch wir würden die Bilder sehr gerne auch einmal im nicht privaten Rahmen zeigen.” Wer sich selbst einen Eindruck des Echtheitsgehalts und der unbestritten hohen künstlerischen Qualität der provozierenden Bilder verschaffen möchte, die solche Wellen schlugen, kann das derzeit online tun – die Fotos der Serie “Die vier Todeszeiten – Bilder vom Ableben” sind nach wie vor auf der Homepage von Künstlerduo Sigrid Fleckseder und Christian Thomas zu bewundern.
(DHE)

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