Buch "Wiener Hofburg seit 1918" über die Geschichte des Gebäudes

Die Hofburg in Wien hat bereits eine lange Geschichte.
Die Hofburg in Wien hat bereits eine lange Geschichte. ©APA/HERBERT NEUBAUER
Mit die "Wiener Hofburg seit 1918" von Kunsthistorikerin Maria Welzig ist nun der fünfte und letzte Band zur ersten wissenschaftlichen Gesamtdarstellung des Areals erschienen.

Die Nationalsozialisten vereinnahmten die Wiener Hofburg stärker als landläufig bekannt, die Besatzungsmächte machten sich das frühere Machtzentrum der Habsburger zu eigen – und doch blieb die ehemalige Residenz bis heute auch ein Ort der Wiener. Mit die “Wiener Hofburg seit 1918” ist der fünfte und letzte Band zur ersten wissenschaftlichen Gesamtdarstellung des Areals erschienen.

Kunsthistoriker beleuchteten im Buch Architektur und Kulturhistorie

Nach dem Ende der Monarchie wusste man zuerst nicht, was man mit der Hofburg anstellen sollte. Es gab Überlegungen, daraus eine Volkshalle zu machen, die Zäune rund um die Parks wegzureißen und bereits 1919 die Idee, in den Hofstallungen, dem heutigen Museumsquartier, ein Kultur- und Kunstzentrum der Gegenwart zu installieren. “Viele Pläne und Nutzungen sind wenig bekannt” sagte die Kunsthistorikerin und Herausgeberin des letzten Bandes des Großprojekts der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), Maria Welzig, im Gespräch mit der APA. “Die Architektin Margarete Schütte-Lihotzky hatte ihr Büro in der Hofburg”, nannte Welzig ein Beispiel für die diversen Kleinnutzungen während der Ersten Republik.

Der Ständestaat und die Nationalsozialisten entdeckten das imperiale Erbe wieder für propagandistische Zwecke und als Legitimierung ihrer Macht, die Nazis mehr als vielen bekannt. Sie errichteten etwa auf dem Heldenplatz für eine Propaganda-Ausstellung – wenn auch nur provisorisch – “so eine Art zweiten Flügel”. Ein solcher war bereits zur Zeit Kaiser Franz Josephs für das nur zum Teil realisierte Kaiserforum geplant. “Die Nazis wussten genau, was sie taten. Bemerkenswert ist die raffinierte Strategie”, verwies die Kunsthistorikerin auf die Erkenntnis, “wie wichtig es offenbar für diktatorische Regimes ist, sich sozusagen die Geschichte zu kapern”.

Die Hofburg ist seit Jahrhunderten auch ein Ort der Wiener

Abseits des höfischen Machtsitzes ist die Hofburg aber seit Jahrhunderten auch ein Ort der Wiener. “Es ist ein Charakteristikum der Hofburg, dass sie nicht isoliert war, sondern in die Stadt integriert”, sagte Welzig. Ein wichtiger Verkehrsweg nach Westen führte mitten durch das Areal, es gab und gibt Plätze zum Ausgehen wie den Volksgartenpavillon, die erste nennenswerte Jugendbewegung formierte sich im Burggarten, und nicht zuletzt etablierte sich der Heldenplatz als wichtigster Kundgebungs- und Protestort des Landes.

Mit Abschluss des seit 2005 durchgeführten Forschungsprojekts zur Bau- und Stadtkulturgeschichte gilt die Hofburg als eine der am besten erforschten ehemaligen Residenzen weltweit. Die in fünf Bänden veröffentlichten Forschungsergebnisse umfassen rund 3.000 Seiten und veranschaulichen die Entwicklung der Bauanlage vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. “Weiteren Forschungsbedarf gibt es aber immer. Es gibt nie etwas zu Ende Beforschtes. Es kommt nur auf die Fragestellung an”, räumte Welzig ein.

(APA/Red)

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