Wiener Grüne befürchten "Straßenkinder"

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Wegen Finanzausgleich und den Einsparungen der vergangenen Jahre befürchten die Wiener Grünen eine Zunahme der "Straßenkinder" in Wien. Alternative laut Grüne: Pflichtschulen den ganzen Tag geöffnet lassen.

Die Politik der Bundes- wie der Stadtregierung im Schul- bzw. Sozialbereich treffe primär Kinder und Jugendliche aus sozioökonomisch schwachen Familien, betonte die Grüne Schulsprecherin Susanne Jerusalem bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Stattdessen schlägt sie vor, massiv Geld in die Hand zu nehmen und alle Pflichtschulen kostenlos zwischen 07.30 und 17.30 Uhr zu öffnen.

Als Fehler der Wiener Stadtregierung, „die nix mit Schwarz-Blau zu tun haben“, bezeichnete Jerusalem die Einstellung der interkulturellen Lernbetreuung bereits vor einem Jahrzehnt sowie Kürzungen beim Jugendamt in den vergangenen beiden Jahren. Das treffe gerade jene Familien, die die größte Bildungsferne aufweisen.

Die Kürzungen durch den „alten“ Finanzausgleich (2001-2004) bei den Pflichtschullehrern hätten zu einer Erhöhung der Klassenschülerzahlen und zu Einschränkungen bei den unverbildlichen Übungen sowie bei der Integration und der Förderung sowohl lernschwacher als auch überdurchschnittlich begabter Kinder geführt, meinte Jerusalem. Der „neue“ Finanzausgleich schreibe nun wieder den „ganz schlechten“ Betreuungsschlüssel fort und sei mit einem österreichweiten Plus von zwölf Mio. Euro jährlich bestenfalls ein „Tropfen auf den heißen Stein“.

In Wien würden derzeit nur knapp ein Viertel aller Pflichtschulen ganztägig geführt, die zusätzlich angebotenen Horte seien auf Grund der Raumnot und der großen Gruppen kein Ersatz. Folge: „Wenn ich weniger anbiete am Nachmittag, dann kugeln die Kinder im Park herum“, so Jerusalem. Und die derzeitige Regelung, dass Nachmittagsbetreuung etwas koste, halte Jugendliche aus sozial schwachen Schichten genau davon fern – „das ist zwar sozial gestaffelt, aber wir sehen, dass gerade die sozial Schwachen am Nachmittag nicht da sind“.

Bei der kostenlosen Öffnung der Pflichtschulen von 07.30 bis 17.30 Uhr gehe es ihr nicht um eine „Zwangsganztagsschule“, meinte Jerusalem. Wichtig sei aber, dass in den Gebäuden Betrieb herrsche, dass Turnanlagen und Computer nicht brach liegen und zumindest Pädagogen zur Verfügung stehen, die bei den Hausaufgaben helfen. Das Interesse von Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (S) an diesen Themen schätzt Jerusalem als eher gering ein: „Ich weiß nicht, ob sie sich mit etwas anderem als den AHS beschäftigt.“

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