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Wiener Forscher: Migration wirkt sich nicht auf sinkende IQ-Werte aus

Der Flynn-Effekt ist eher auf Umwelteinflüsse zurückzuführen, so die Forscher.
Der Flynn-Effekt ist eher auf Umwelteinflüsse zurückzuführen, so die Forscher. ©pixabay.com
Der durchschnittlich sinkende Intelligenzquotient (IQ) seit Anfang des 20. Jahrhunderts lässt sich nicht auf die Migration zurückführen. Wiener Forscher haben ermittelt, dass in manchen europäischen Ländern der IQ sogar wieder steigt.

Der Intelligenzquotient (IQ) stieg seit Anfang des 20. Jahrhunderts weltweit stetig. Doch dieses "Flynn-Effekt" genannte Wachstum bremst sich seit einigen Jahren merklich ein. Das wurde vor allem mit verstärkten Migrationsbewegungen in Zusammenhang gebracht. Doch Wissenschafter der Uni Wien berichten nun im Fachjournal "Politische Psychologie", dass Migration dafür nicht verantwortlich ist.

Als Gründe für die globale Zunahme der IQ-Testleistung in der Allgemeinbevölkerung im vergangenen Jahrhundert werden Faktoren vermutet, die vor allem die frühkindliche Entwicklung beeinflussen, etwa eine bessere Ernährung, Hygiene und medizinische Versorgung. Auch Verbesserungen in der schulischen Ausbildung dürften dafür mitverantwortlich sein.

IQ in Europa steigt teils wieder an

Allerdings wurde in den vergangenen Jahren eine Umkehr des "Flynn-Effekts" zumindest im europäischen Raum beobachtet: In vielen Ländern mit einem vorhergehenden IQ-Wachstum (Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Niederlanden, Norwegen, Österreich, Großbritannien) kam es zu einer Abnahme der durchschnittlichen Testleistung der Bevölkerung, also einem "Anti-Flynn-Effekt". Als Ursache wurden Migrationseffekte vermutet, also die Wanderung von Menschen aus Ländern mit niedrigerem in Länder mit höherem durchschnittlichen IQ.

Die Psychologen Jakob Pietschnig, Martin Voracek und Georg Gittler von der Universität Wien haben diese Theorie nun in zwei unabhängigen Studien empirisch getestet. Im Mittelpunkt der einen Analyse standen die Ergebnisse mehrerer tausend Testpersonen auf Raumvorstellungstests. Dabei zeigte sich keinerlei Beziehung der Testergebnisse zu Netto-Migration, absoluter Migration oder Asylwerberzahl.

Umwelt wirkt sich eher auf den IQ aus

In einer zweiten Studie wurden Veränderungen von IQ-Testleistungen in 21 Ländern an mehreren hunderttausend Testpersonen über einen Zeitraum von über 50 Jahren untersucht. Auch hier habe sich gezeigt, dass "Migrationszahlen keinen Einfluss auf Testleistungsänderungen hatten".

Die Ursachen des "Anti-Flynn-Effekts" sind nach Ansicht der Forscher eher Ausdruck der geänderten Anforderungen der Umwelt an die kognitiven Fähigkeiten der Menschen: In einer immer spezialisierteren Welt werden offenbar immer besser spezifische Fähigkeiten entwickelt. Dies dürfte zum Ansteigen der Bevölkerungsintelligenz geführt haben, während allgemeine kognitive Fähigkeiten in den vergangenen Jahrzehnten weitgehend unverändert blieben. Wenn also die Leistung in spezifischen Fähigkeiten in der Bevölkerung ein Maximum erreicht, sollten sich in Folge Abnahmen der Bevölkerungstestleistung zeigen, meinen die Forscher.

(APA/red)

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