Wiener Forscher: Kinder mit wenig Freunden und mehr Testosteron teilen eher

Kinder teilen eher, wenn sie weniger Freunde haben, sagen Forscher. / Symbolbild
Kinder teilen eher, wenn sie weniger Freunde haben, sagen Forscher. / Symbolbild ©APA/HARALD SCHNEIDER
Forscher aus Wien fanden heraus, dass Volksschulkinder, die nicht so beliebt sind und wenig Freunde haben, anderen Mitschülern eher etwas zukommen lassen, als die Klassenlieblinge.

Ein hoher vorgeburtlicher Testosteronspiegel, der Buben wie Mädel ein wenig “vermännlicht”, verringert die Teilfreude der Kinder. Freundschaften spielen dabei keine Rolle, berichten die Forscher im Fachblatt “Scientific Reports”.

Die Wissenschafter um Lisa Horn vom Department für Kognitionsbiologie der Universität Wien setzten insgesamt 48 Schüler und Schülerinnen aus den ersten und zweiten Klassen einer Wiener Volksschule vor einen Apparat mit zwei Kistchen, der Glitzersticker freigab, wenn sie einen Jeton einwarfen. Im linken Kistchen waren zwei Sticker, im rechten nur einer. Wählte das Versuchskind die linke Seite, erhielt es einen der Sticker und ein zweites, gegenüber sitzendes Kind den anderen. Warf es den Jeton bei der rechten Kiste ein, durfte es zugreifen, während das zusehende Kind nichts bekam.

Die Schüler konnten also ihren Klassenkameraden etwas zukommen lassen, ohne dass es sie etwas kostete (prosoziales Verhalten), oder diese leer ausgehen lassen (egoistisches Verhalten). Sie zeigten sich durchaus spendabel: In durchschnittlich acht von zehn Durchgängen wählten die Kinder die prosoziale Variante, und nur zweimal die egoistische, erklärte Horn.

Feldforschung in Klassenverbänden

Vor dem eigentlichen Versuch hatten die Forscher die Kinder beim Spielen im Klassenverband beobachtet und nach ihren besten Freunden befragt. Außerdem berechneten sie aus Bildern der Kinderhände, die sie mit einem Flachbildscanner angefertigt haben, das Längenverhältnis ihrer Ring- und Zeigefinger. Je länger der Ringfinger im Verhältnis zum Zeigefinger ist, umso größer war bei Menschen der vorgeburtliche Testosteronspiegel, der bei beiden Geschlechtern zu einer “Maskulinisierung” (Vermännlichung) führt. Die drei Kinder mit Fingerrelationen, die das meiste vorgeburtliche Testosteron anzeigten, wählten besonders oft die egoistische Variante, so Horn. Kinder mit viel vorgeburtlichem Testosteron teilen also offensichtlich ungern. Das Zurückhalten von Ressourcen sei als männliches, konkurrenzbetonte Strategie anzusehen, Teilen als kooperatives, feminines Verhalten, erklären die Forscher.

Kinder die beim Spiel wenig Interaktionspartner und demnach keinen besonders hohen Status in der Gruppe hatten, zeigten sich hingegen besonders gebefreudig und prosozial. Sie wollten offensichtlich eher etwas tun, um die Aufmerksamkeit und das Wohlwollen der anderen zu erwerben. Ob auf der anderen Seite ein Freund saß oder ein Mitschüler, den die Kinder nicht als Freund nominiert hatten, spielte zur Überraschung der Forscher generell keine Rolle beim Teilverhalten.

APA/red

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