Wiener Festwochen: Premiere von Fundament des Taumels

Am Mittwoch feierte das Stück "Fundament des Taumels" im Schauspielhaus Premiere.
Am Mittwoch feierte das Stück "Fundament des Taumels" im Schauspielhaus Premiere. ©Jean-Julien Kraemer
Am Mittwoch wurde im Schauspielhaus "Fundament des Taumels" (Le Socle des Vertiges) aufgeführt. Ein Stück über Wut und Kraft, das beim Publikum der Wiener Festwochen aber anscheinend wenig Eindruck hinterlassen hat.

Dieudonne Niangouna ist Autor, Regisseur und Schauspieler. Der 36-jährige Kongolese hat in seiner Heimat drei Bürgerkriege erlebt. Die Geschichte seines Landes und den Überlebenskampf auf der Straße hat er in einen Text voller Sprachgewalt und poetischer Bilder gefasst. Dieser wird von ihm und seinen Darstellern in Hochgeschwindigkeit deklamiert – als ein fremd wirkendes französisches Gedicht, das wie ein Rap dem Publikum ins Gesicht geschleudert wird. Eine Sprachwalze, die alles platt macht.

Das Stück zeigt sich sprachgewaltig und mit starken Bildern

Die Bilder, mit denen der wütende, wuchtige Text auf der Bühne untermalt wird, halten dem nicht stand. Ein Stacheldraht-Verhau wird aufgezogen, sinnloser militärischer Drill vorgeführt, immer wieder laufen Videos von Tierschlachtungen, während es sonst finster ist auf der Bühne und melancholische Musik-Untermalung eine Ahnung von der Möglichkeit einer anderen Welt bietet.

Es gibt eine trocken kommentierte Folterszene und eine direkte Konfrontation jener Teile des Publikums, die nicht bereits das Weite gesucht haben. Die Familientragödie zweier getrennt aufgewachsener Brüder, die das Handlungsgerüst bildet, vermittelt sich nur in Ansätzen.

Freundlicher Applaus für Fundament des Taumels

“‘Le Socle des Vertiges’ ist eine Partitur unter Hochspannung, ein Kurzschluss, der die Sicherung durchgehen lässt”, schreibt Dieudonne Niangouna, der 2013 “artiste associé” des Festivals von Avignon wird, in einem Begleittext, der erhellender ist als so mancher Bühnenvorgang. “Bedenken Sie also, meine Damen und Herren: Manche Szenen könnten Sie schockieren und Ihre Herzprobleme verstärken.” Herzrhythmusstörungen gab es am Ende der knapp zweistündigen Expedition auf ein fremdes Terrain keine, sondern freundlichen Applaus. Höfliche, europäische Distanziertheit für brennende Probleme Zentralafrikas, die mit Herzblut auf die Bühne gebracht wurden.

Weitere Vorstellungen finden am  24. und 25. Mai 2012 um 20 Uhr statt. (APA)

 

(B I L D A V I S O – Fotos der Vorstellung stehen im Pressebereich unter http://www.festwochen.at zum Download bereit.) (Schluss) whl/dae

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