Wiener Beschwerdechor: Weil das Glück ein Singvogerl ist ...

Seit es Menschen gibt, wird gesungen. In Wien hat das Singen eine lange Tradition. hier treffen sich Banker und Student regelmäßig, um gemeinsam lieder zu trällern. Spaß und Gemeinschaftsgefühl stehen dabei im Vordergrund.

Lachen – lachen – lachen – lachen: Kommt der Grasser raus aus der Bank – und es gilt natürlich die Unschuldsvermutung, Unschuld ha – ha – ha – ha.“ Der Wiener Beschwerdechor singt solche und ähnliche Textzeilen. Seit Jänner 2010 können Wiener ihrem Ärger dort auf humorvolle Art Luft machen. Die Inspiration für ihre Lieder liefern Politiker, Gackerl-Sackerln und Monatsblutungen. „In der Welthauptstadt des Raunzens ist es eine Notwendigkeit, dass es einen solchen Chor gibt“, sagt der organisatorische Leiter des Beschwerdechors, Oliver. „Wir werden täglich gefüttert mit neuen Themen. Dass sich Grasser auf Strasser reimt, ist für uns natürlich ein Geschenk.“

Zu den rund 60 ständigen Sängern gehören Studenten ebenso wie Betriebsräte und Pensionisten. Sie „raunzen“ auf musikalische Art. „Singen kann man in jeder Lebenslage“, sagt etwa Sonja, ein ehemaliges „Drahdiwaberl“-Mitglied. Beschwerdechor- Kollege Franz meint: „Singen ist die globale Sprache schlechthin. Man kann unter der Dusche singen oder im Auto, das macht einfach Spaß.“ Warum Menschen gerne singen, ist rasch erklärt: „Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass Singen möglicherweise glücklich machen kann, und zwar durch vermehrte Ausschüttung der sogenannten Glückshormone Dopamin und Serotonin“, erklärt die Klinische und Gesundheitspsychologin, Christina Bacher. „Außerdem ist beim Chorsingen soziale Kompetenz gefordert, und das ,Wir-Gefühl‘ wird gesteigert.“ Lilly vom Subterrarium-Chor, den es seit Februar 2010 gibt, sieht das so: „Es ist befreiend, nicht alleine zu singen, sondern im Kollektiv. Das ist wie bei einem Kuchen, der zusammengemischt wird.“

Spaß haben wichtiger als Perfektion

Menschen singen, seit sie sprechen. „Das ist etwas Naturgegebenes“, erklärt Beschwerdechor- Leiter Stefan. Vor allem in Wien, der Welthauptstadt der klassischen Musik, hat der Gesang eine lange Tradition. Die Wiener Sängerknaben etwa gibt es seit über 500 Jahren. Erst seit rund sechs Jahren besteht die Vokalwerkstatt, die Eva Königer als offenen Kurs anbietet. „Singen war früher Alltagskultur und ist im Verlorengehen begriffen.“ Etwa acht bis zehn Leute treffen sich dort regelmäßig, um gemeinsam Lieder zu trällern. Dreimal so viele junge Leute stimmen einmal in der Woche im Subterrarium gemeinsam ein Lied an. „Wir singen alles, was vorgeschlagen wird – von Funky Town bis Ghostbusters“, sagt Subterrarium- Mitglied Eva. „Es geht nicht primär um den perfekten Gesang, sondern um den Spaß an der Sache.“ Das sieht Beschwerdechor-Leiter Stefan genauso: „Bei uns geht es nicht um Perfektion, sondern um die Idee.“

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