Wiener Banker zweigte 1,4 Millionen Euro ab: Prozess

Der Banker soll über eine Mio. Euro abgezweigt haben.
Der Banker soll über eine Mio. Euro abgezweigt haben. ©APA
Weil er als Verwalter von Wertpapierdepots in einem Zeitraum von sieben Jahren 1,4 Millionen Euro abgezweigt und für eigene Zwecke verwendet haben soll, hatte sich der ehemalige Filialleiter einer Wiener Bank am Dienstag wegen Untreue im Straflandesgericht zu verantworten. Er kaufte sich unter anderem zwei Rennpferde und einen Audi Q5.

Die Ehefrau des 46-Jährigen war mitangeklagt. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft musste sie wissen, dass die Gelder, mit denen er ihr zwei Rennpferde und einen Audi Q5 kaufte, aus verbrecherischen Handlungen stammten, da ihre Leidenschaft für schnelle Autos und schnelle Pferde mit seinem regulären Gehalt nicht zu finanzieren gewesen wäre.

Während sich der Ex-Banker vor dem Schöffensenat (Vorsitz: Christian Böhm) grundsätzlich schuldig bekannte, stritt seine Frau jegliche Mittäter- bzw. Mitwisserschaft ab.

Banker baute Haus: “Schwierige Wohnsituation”

Der 46-Jährige erklärte seine Zugriffe auf fremdes Vermögen mit seiner “schwierigen Wohnsituation”: Er habe den Lärm in seiner an einer Ausfallstraße in Wien-Liesing gelegenen Bleibe nicht mehr ausgehalten und sich deshalb ein Haus in Wolfsgraben gebaut. Der zur Finanzierung erforderliche Verkauf seines Elternhauses habe allerdings weit weniger als erwartet eingebracht.

Um nicht in Schulden unterzugehen, kam der Mann daher Anfang 2006 auf die Idee, die Wertpapierdepots von betagten Kunden zu plündern, die kein Online-Banking betrieben und daher ausschließlich auf seine Dienste als Vermögensverwalter angewiesen waren. Gezielt verkaufte er Wertpapiere der durchwegs zwischen 1920 und 1930 Geborenen und leitete die Erlöse auf ein Zwischenkonto um, mit dem er nach seiner eigenen Darstellung seinen “Häuslbau” sowie seine Lebenshaltungskosten bestritt.

Ehefrau hat “nicht mitbekommen”

“Ich wollte irgendwohin hinziehen, wo Ruhe ist. Jetzt zahle ich für die Dummheit”, sinnierte der Angeklagte. Er versicherte dem Gericht und der Staatsanwältin, von den verschwundenen 1,4 Millionen sei nichts übrig geblieben.

Als im Vorjahr seine Betrügereien aufflogen, wollte der 46-Jährige seinem Leben im Zuge einer Reise nach Irland ein Ende setzen. Er plante, sich von den Cliffs of Moher – die bekanntesten irischen Steilklippen – zu stürzen. Doch ihn habe der Mut verlassen, berichtete er dem Schöffensenat. Die Ehefrau beteuerte, ihr Mann habe “alle Geldangelegenheiten gemacht”. Sie habe nichts von seinen Gaunereien gewusst oder mitbekommen. Die Verhandlung wurde zu weiteren Beweisaufnahmen vertagt.

(APA)

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