Wiener Bande erbeutete mit Polizisten-Trick 4,5 Millionen Euro

Der Polizistentrick funktionierte bei den älteren Opfern mehrmals.
Der Polizistentrick funktionierte bei den älteren Opfern mehrmals. ©APA-FOTO: HERBERT P. OCZERET
Eine Familien-Bande soll sich in Wien als falsche Polizisten ausgegeben und so 4,5 Millionen Euro von Rentnern erbeutet haben. Sechs Verdächtige wurden festgenommen, der Hauptverdächtige befindet sich aber in der Türkei auf freiem Fuß.

Seit 2018 treibt eine Bande in Wien und andernorts ihr Unwesen, die betagte Leute mit der Masche hinters Licht führt, Polizisten müssten ihr Bargeld und Schmuck sicherstellen. Mindestens 4,5 Millionen Euro haben die Kriminellen damit erbeutet. Bisher sind am Wiener Landesgericht nur einige "Geldabholer" verurteilt worden, am 14. Jänner startet aber ein Prozess gegen mehrere mutmaßliche Drahtzieher, darunter die Mutter und die Schwester des Bandenchefs.

Dieser - ein Türke, der lange Zeit in Vorarlberg gelebt hat - soll vom Raum Istanbul aus das kriminelle Geschehen steuern. Mittels digital veränderten Rufnummern werden gezielt Senioren angerufen, deren Vornamen auf ein entsprechendes Alter hinweisen. Ihnen wird am Telefon erzählt, ihr Name befände sich auf einer von der Polizei sichergestellten Liste, die Einbrecher gerade "abarbeiten" würden. Um ihr Geld und ihre Wertsachen zu retten, komme in Kürze ein Kollege von der Polizei vorbei, um das Vermögen vor den Einbrechern in Sicherheit zu bringen. In Dutzenden Fällen haben Betroffene den falschen Polizisten, die wenige Minuten nach derartigen Telefonaten bei ihnen anklopfen, ihren Schmuck und ihre finanziellen Reserven auf Nimmerwiedersehen übergeben. Teilweise ließen sich Opfer von den Schwindlern sogar zur Bank chauffieren, wo sie ihre Schließfächer leerräumten und den Inhalt den vermeintlichen Polizisten überreichten.

Hauptverdächtiger in der Türkei

Der "Strippenzieher" kann von der heimischen Justiz vorerst nicht behelligt werden, da er es tunlichst vermeidet, türkischen Boden zu verlassen. Da es mit der Türkei kein rechtsverbindliches Übereinkommen hinsichtlich der Strafverfolgung der jeweiligen Staatsbürger gibt, ist der türkische Staatsbürger für die Wiener Behörden nicht greifbar. Allerdings konnten seine 55-jährige Mutter und seine 26 Jahre alte Schwester festgenommen werden, die Ende Februar 2020 nach Wien reisten, um Beutestücke zu übernehmen.

Die beiden hatten sich schon 2019 in einem Flieger nach Belgrad begeben, um dort eine "Großlieferung" der in Wien erbeuteten Preziosen entgegenzunehmen und diese weiter in die Türkei zu schaffen. Sie habe "die ganze Last" getragen, beschwerte sich die Schwester später beim Bandenchef per WhatsApp. Im heurigen Jahr kamen Schwester und Mutter über Budapest nach Wien, wobei sie offenbar die Beute diesmal per Luftfracht von Ungarn in die Türkei befördern lassen wollten. Nun drohen den angeklagten Frauen, die mit den Rechtsanwälten Christian Werner und Philipp Wolm prominente Verteidiger zur Seite haben, im Falle einer Verurteilung mehrjährige Haftstrafen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen kriminelle Vereinigung und Geldwäsche vor.

Vier weitere Angeklagte

Neben ihnen werden sich vier weitere Angeklagte - allesamt langjährige Bekannte der Familie - vor einem Schöffensenat zu verantworten haben. Einer von ihnen - ein 42 Jahre alter Familienvater - dürfte in der Bundeshauptstadt eine zentrale Rolle bei der Abwicklung der kriminellen Geschäfte der Bande gespielt haben. Die falschen Polizisten sollen im Regelfall ihm die Beute übergeben haben, die er dann - teils per Boten, teils per Post - in die Türkei geschickt haben soll. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 42-Jährige für den Transfer von zumindest 600.000 Euro verantwortlich ist. 200.000 Euro soll er unter seinem Bett "gebunkert" gehabt haben.

(APA/red)

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