Wiener Antiquariat hofft auf Einigung über Iffland-Akten

In Wien hofft man auf eine baldige Einigung darüber, wem die Akten gehören.
In Wien hofft man auf eine baldige Einigung darüber, wem die Akten gehören. ©APA/ Inlibris
Im Wiener Antiquariat "Inlibris" ist das 34 Bände und 6.000 Seiten umfassende Archiv August Wilhelm Ifflands (1759-1814), seines Zeichens Intendant des Berliner Nationaltheaters zu Goethes Zeiten, aufgetaucht. Verkauft vom 90-jährigen Theaterwissenschafter Hugo Fetting. Berlin erhebt Besitzansprüche, in Wien hofft man auf eine Einigung.
Aus dem Archiv von August Wilhelm Iffland

Die mediale Aufmerksamkeit rund um die “Iffland-Akten”, die derzeit bei der Wiener Anwältin Ingrid Schwarzinger verwahrt werden und vom Verkauf auf der Ludwigsburger Messe “Antiquaria” zurückgezogen wurden, ist seit wenigen Wochen groß. Den Wiener Antiquar Hugo Wetscherek, der das Konvolut für 450.000 Euro dort angeboten hatte, beschäftigt die Causa allerdings schon bald zwei Jahre: Im Frühjahr 2012 war Hugo Fetting, der jahrzehntelang an der Berliner Akademie der Künste gearbeitet und ein umfangreiches Privatarchiv aufgebaut hatte, an das Wiener Antiquariat herangetreten. Zahlreiche Institutionen – darunter auch die Berliner Akademie der Künste – hätten kein Interesse am Ankauf gezeigt, also überließ er sein Archiv Wetscherek. Für nicht bestätigte, aber medial kolportierte 50.000 Euro.

Tauziehen um die Iffland-Akten

Was folgte, war ein monatelanges Tauziehen von “Inlibris” mit der Berliner Akademie, deren Stempel sich laut Wetscherek lediglich auf ein paar der Schriftstücke fanden. Da es sich jedoch um einen ehemaligen Mitarbeiter handelte, der auch die für die Akademie geführte Korrespondenz seinem Privatarchiv einverleibte, hatte Wetscherek sich dort gemeldet und einen Vertreter nach Wien eingeladen, um etwaige Stücke aus der Sammlung zu retournieren. Im Endeffekt schickte man “eine LKW-Ladung” mit Unterlagen wie Korrespondenz, Bühnenbildskizzen, etc. nach Berlin – als Schenkung, wie Wetscherek gegenüber der APA sagte. Im Gegenzug erhielt der Wiener Antiquar ein einseitiges Provenienzgutachten zu den Iffland-Akten, erarbeitet von Stephan Dörschel vom Archiv Darstellender Kunst, das bescheinigt, dass die Akten zu keinem Zeitpunkt im Besitz der Akademie waren, deren Mitarbeiter Fetting seit März 1952 war.

Papiere und Bände lagen zwischen Trümmern

Exakt im selben Jahr – laut anderslautenden Medienberichten erst 1953 – will Fetting das Konvolut vor der ehemaligen Generalintendanz der Preußischen Staatstheater in Ost-Berlin gefunden haben. “Da waren auch Leute, die die Trümmer durchwühlten”, zitiert der “Spiegel” Fetting. “Zwischen den Steinhaufen lagen Papiere und einzelne alte Bände”, die er zusammen mit einem Freund abtransportierte. In Folge stand das Archiv gar über drei Jahrzehnte in seinem Büro der Akademie, wie eine ehemalige Mitarbeiterin in dem Provenienzgutachten zu Protokoll gab. Dort ist auch zu lesen, dass Fetting laut einem “Arbeitsbericht der Sektion Darstellende Kunst” für das 1. Quartal 1953 die “Vorbereitung der Herausgabe einer Auswahl der Schriften Ifflands” geplant habe.

Erst mehr als 30 Jahre später, 1978, schloss Fetting seine Dissertation mit dem Titel “Das Repertoire des Berliner Königlichen Nationaltheaters unter der Leitung von August Wilhelm Iffland (1796-1814) bei Berücksichtigung der künstlerischen Prinzipien und kulturpolitischen Wirkungsfaktoren seiner Gestaltung” an der Universität Greifswald ab.

Wien oder Berlin: Wem gehören die Unterlagen?

Zwar wird in den Unterlagen der Akademie 1954 die geplante “Übernahme des Archivs der Staatsoper” erwähnt – aus dem die Akten ursprünglich stammten – in späteren Unterlagen taucht dieses Archiv jedoch nicht mehr auf. Zudem konnte in den Verwaltungsakten kein Leihvorgang betreffend der Akten gefunden werden. Daher ging die Akademie davon aus, sich nie im Besitz der Akten befunden zu haben, was sie im Rahmen einer fünfseitigen “Vereinbarung” zwischen “Inlibris” und der Akademie der Künste am 16. Oktober 2013 dazu veranlasste, das “Eigentumsrecht von Inlibris an der Aktensammlung der Theaterdirektion unter Iffland am deutschen Nationaltheater Berlin” anzuerkennen. “Die Akademie der Künste verzichtet auf die Geltendmachung jedweder Rechte an der Aktensammlung”. In weiterer Folge habe er “80 bis 90 Prozent” der gesamten Sammlung Fetting an die Akademie übergeben, so Wetscherek.

Man hofft auf baldige Einigung

“Sehr überrascht” sei Wetscherek dann gewesen, als sich nach der Veröffentlichung des Kaufangebots auf der Ludwigsburger Messe, wo das Konvolut als “Die Geburt des deutschen Nationaltheaters: Das bislang verschollene Korrespondenzarchiv Ifflands” angeboten wurde, Ende November die Senatskanzlei für Kulturelle Angelegenheiten des Berliner Bürgermeisters meldete. Betreff: “Strafsache”. Die Berliner Verantwortlichen erwirkten die Rücknahme des Verkaufsangebots von der Antiquaria. “Die gegenständlichen ‘Iffland’-Akten’ wurden vom damaligen Archiv der Staatsoper Berlin an die damalige Akademie der Künste der DDR, insbesondere an Herrn Dr. Fetting, verliehen”, heißt es in dem der APA vorliegenden Schreiben, das auch auf die Iffland-Forschungen Fettings verweist. Da das Landesarchiv Berlin Eigentümerin der Akten sei, habe man nun Strafanzeige gegen Unbekannt sowie gegen Fetting “wegen aller in Betracht kommender Delikte” gestellt.

Seither wird der “Sachverhalt” geklärt, aus Berlin werden immer wieder Details an die Presse abgegeben. Wetscherek selbst will sich unterdessen an das Stillschweigeabkommen halten, hat die Akten anwaltlich hinterlegt und hofft, das Archiv nach Berlin verkaufen zu können, “wo es auch hingehört”, wie er sagte. (APA)

  • VIENNA.AT
  • Wien
  • Wiener Antiquariat hofft auf Einigung über Iffland-Akten
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen