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Wiener Ärztekammer prangert "untragbare Zustände" bei Spitalsärzten an

Eine Umfrage unter Spitalsärzten zeichnet ein schlechtes Bild der Arbeitsbedingungen.
Eine Umfrage unter Spitalsärzten zeichnet ein schlechtes Bild der Arbeitsbedingungen. ©APA/HELMUT FOHRINGER
Eine von der Wiener Ärztekammer beauftragte Umfrage unter Spitalsärzten bringt nun katastrophale Zustände ans Licht. Ein Krisengipfel wird angesichts der "untragbaren" Situation gefordert.

Zu lange Dienste, zu wenig Zeit für Patienten und die Ausbildung des Nachwuchses: Die Wiener Ärztekammer schlägt wieder Alarm – und dieses Mal besonders laut. Eine von ihr beauftragte Umfrage unter Spitalsärzten hat ein selbst für die Standesvertreter – laut Eigenangaben – überraschend schlechtes Bild der Situation gezeichnet. Nun fordert die Kammer einen Krisengipfel und droht mit Kampfmaßnahmen.

Wiener Ärztekammer mit “Hilferuf” und Drohung

Die Ärztekammer macht schon seit längerem auf die aus ihrer Sicht belastenden Arbeitsbedingungen der Spitalsärzte aufmerksam. Um zu erfahren, wie die Ärzteschaft die aktuelle Situation einschätzt, wurde eine Umfrage bei Pitters Trendexpert in Auftrag gegeben. Dafür wurden im April 1.612 Mediziner telefonisch und online befragt. Mit einem schlechten Ergebnis habe man gerechnet, sagte der Vizepräsident der Kammer und Obmann der Kurie der angestellten Ärzte, Wolfgang Weismüller, am Dienstag bei der Präsentation, die den Titel “Hilferuf der Ärzteschaft in Wiens Spitälern” trug – aber: “In dieser Ausprägung haben wir es nicht erwartet.”

Besonders verärgert zeigte sich Weismüller über die Tatsache, dass laut Umfrage fast zwei Drittel der Mediziner ihre Nachtdienste nicht zeitgerecht beenden können: “Da hört sich der Spaß auf.” Fast alle derjenigen, die länger nach Nachtdiensten bleiben müssen (98 Prozent), tun dies einmal pro Monat oder öfter, 57 Prozent mindestens einmal pro Woche. Großteils fallen dabei zwischen einer Stunde und drei Stunden mehr Zeitaufwand an. Die Hauptgründe dafür sind Dienstübergaben (62 Prozent) – wobei diese eigentlich schon in die Dienstzeit miteinberechnet sind -, administrative Tätigkeiten (50 Prozent) sowie die Patientenversorgung (40 Prozent). “Es ist schlicht und einfach verboten, länger zu bleiben”, kritisierte Weismüller.

Zu wenig Personal und keine Zeit für Ausbildung

Ebenfalls große Sorgen bereitet dem Standesvertreter, dass es viel zu wenig Personal gebe und die Ärzte immer mehr Arbeit in kürzerer Zeit erledigen müssten. 86 Prozent der Befragten beklagten sich darüber. “Die Kollegen sagen, sie arbeiten am Limit”, so Weismüller. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis Fehler passieren: “Das ist ein echtes Alarmsignal.” Auch das neue Krankenhaus Nord – es heißt künftig “Klinik Floridsdorf” – würde keine Entlastung bringen, da es dort viel zu wenig Personal gebe.

Für Weismüller “erschreckend” waren auch die Antworten, die seine Kollegen auf die Fragen in Sachen Ausbildung gaben. Zwei Drittel der ausbildenden Ärzte gaben an, eigentlich keine Zeit für die Ausbildung der Jungmediziner zu haben. Und auch umgekehrt gaben 70 Prozent der Jungen an, innerhalb der vorgesehenen Arbeitszeit neben den Routinetätigkeiten keine Zeit für die Ausbildung zu haben. Die Hauptgründe dafür sind, dass sie Patientenversorgung eingesetzt sind (43 Prozent) oder bürokratische Aufgaben erledigen müssen (51 Prozent). Überhaupt: Mehr als zwei Drittel der Nachwuchsmediziner müssen mehrmals pro Woche Tätigkeiten durchführen, die nicht ihrem Ausbildungsstatus entsprechen. Interessant ist auch, dass nur knapp die Hälfte der Befragten (47 Prozent) von einem Ausbildungskonzept am Arbeitsplatz weiß.

Situation mittlerweile “untragbar”

Für die Ärztekammer ist es nun Zeit zu handeln, da die Situation mittlerweile “untragbar” sei. In diesem Zusammenhang wiederholte Weismüller seine mittlerweile “mantraartige” Forderungen nach 300 zusätzlichen Spitalsärzten, nach höhere Grundgehälter um im Vergleich mit dem niedergelassenen Bereich konkurrenzfähig zu bleiben und nach einer Infrastrukturmilliarde für die Gemeindespitäler. Zusätzlich mahnte er die ehestmögliche Umsetzung der Zentralen Notaufnahmen ein, denn: Denn dort, wo es die bereits gebe, funktioniere die Erstversorgung relativ gut. Zentrale Notaufnahmen gibt es im AKH, im Krankenhaus Hietzing (Klinik Hietzing), im Wilhelminenspital (Klinik Ottakring) und seit heute in der Rudolfstiftung (Klinik Landstraße).

Da die Kammer-Forderungen schon länger am Tisch sind, aber die Kammer keine Bewegung seitens der Politik ortet, soll nun ein Krisengipfel mit Vertretern aus der Politik und der Krankenhausträger einberufen werden. In diesem Zusammenhang gebe es bereits einen Termin mit Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ), wo dies besprochen werden solle, so Weismüller. Die Ärztekammer hoffe nach wie vor, die Situation gemeinsam mit der Politik und den Spitalsträgern zu meistern. Aber: “Bevor wir zusehen, dass das Gesundheitssystem komplett den Bach runtergeht”, könnte es auch zu Kampfmaßnahmen kommen, warnte Weismüller.

(APA/Red)

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