Wiener Ärztekammer: Österreicher sind Trinker, Raucher, psychisch krank

Die Wiener Ärztekammer stellt der Gesundheit der Bevölkerung kein gutes Zeugnis aus.
Die Wiener Ärztekammer stellt der Gesundheit der Bevölkerung kein gutes Zeugnis aus. ©APA-FOTO: BARBARA GINDL
Die Wiener Ärztekammer alarmiert auf Grundlage einer OECD-Studie über den Gesundheitszustand der Österreicher. Europaweit sei man gesundheitlich unter Durchschnitt.

Am vergangenen Donnerstag hat die OECD ihren neuen “Health at a Glance“-Bericht zur Situation im Gesundheitswesen und in Sachen Gesundheit selbst für die europäischen Länder veröffentlicht. Österreich ist überrepräsentiert bei psychischen Erkrankungen. Die Wiener Ärztekammer hob am Montag die Spitzenposition beim Alkoholmissbrauch, Rauchen und schlechter Ernährung hervor.

Kein Rauchverbot in der Gastronomie

“Für Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres sind die Studienergebnisse ein besorgniserregendes Indiz dafür, dass die Gesundheitspolitik in Österreich auch weiterhin zu wenige Akzente hinsichtlich gesunder Lebensführung und Prävention setzt und diese zum Teil sogar konterkariert – Stichwort: Rücknahme eines generellen Rauchverbots in der Gastronomie”, hieß es in einer Aussendung der Wiener Ärztekammer am Montag. Szekeres forderte einen österreichweiten Schulterschluss aller Gesundheitsplayer, um Österreich zumindest an die Durchschnittswerte innerhalb der EU heranzubringen, insbesondere beim Rauchen und Alkoholkonsum.

Österreich deutlich über dem EU-Schnitt

Bei den Erwachsenen liegt Österreich mit 25 Prozent regelmäßigen Rauchern deutlich über dem EU-Schnitt (20 Prozent). Damit ist Österreich Spitzenreiter unter den west- und mitteleuropäischen Staaten. Die geringste Raucherquote hat Schweden mit elf Prozent, die höchste Bulgarien mit 28 Prozent, gefolgt von Griechenland mit 27 Prozent und Ungarn mit 26 Prozent. Die signifikantesten Rückgänge bei den Rauchern seien in Dänemark, in Irland und in Deutschland zu registrieren.

Für Szekeres ist es daher unverständlich, dass ungeachtet der dramatischen Zahlen die österreichische Regierung weiterhin daran festhält, das Rauchen in Österreichs Lokalen zu gestatten. Hier werde wissentlich die Gesundheit der Österreicher gefährdet, und insbesondere der in der Gastronomie Tätigen. Szekeres: “Unsere Position als Schlusslicht und Aschenbecher Europas wird damit für die nächsten Jahre einzementiert.”

Wein- und Bierland Österreich

Auch in Sachen Alkoholkonsum ist Österreich nach wie vor eines der Spitzenländer europaweit, 11,4 Liter Alkohol konsumieren die Österreicher im Durchschnitt pro Jahr. Im “Weinland” Frankreich sind es zum Vergleich 11,7 Liter. Die geringste Alkoholmenge konsumiert man – entgegen aller Klischees – in Griechenland mit sieben sowie in Italien mit 7,1 Liter.

Wenigstens beim Drogenkonsum liege Österreich, was die Jugendlichen betrifft, im positiven oberen Drittel, hieß es in der Aussendung der Wiener Ärztekammer: Sechs Prozent der EU-Jugendlichen zwischen 15 und 16 Jahren haben illegale Drogen – Cannabis wurde nicht dazu gezählt – konsumiert, in Österreich sind es “nur” fünf Prozent, in Bulgarien elf Prozent, in Frankreich und Italien sieben Prozent.

Buben eher übergewichtig als Mädchen

Im EU-Schnitt sind zwölf Prozent der Sieben- bis Achtjährigen übergewichtig (EU-23, fünf Staaten ohne Angabe). Österreich liegt mit neun Prozent gerade noch unter dem EU-Schnitt. Die Fettleibigkeit ist bei den Buben stärker ausgeprägt als bei den Mädchen. In Österreich sind 13 Prozent der Buben fettsüchtig, aber nur 6,2 Prozent der Mädchen.

Bei den Erwachsenen ist die Situation dramatischer. Im EU-Schnitt fühlen sich 16 Prozent der Bevölkerung als zu dick beziehungsweise fettsuchtgefährdet, in Österreich sind es 14 Prozent. Die gesündesten und am wenigsten übergewichtigen Menschen sind in Rumänien mit neun Prozent sowie in Italien mit zehn Prozent zu finden. Generell lässt sich sagen, dass, je ärmer und ungebildeter die Menschen sind, desto übergewichtiger sind sie auch. Menschen mit niedrigem Bildungshorizont fühlen sich demnach zu 20 Prozent europaweit als übergewichtig (Österreich: 21 Prozent, Deutschland 22 Prozent).

Psychische Belastung über dem Durchschnitt

Und nicht nur körperlich, sondern auch psychisch sind die Österreicher überdurchschnittlich belastet. Die Zahl der Selbstmorde liegt so etwa über den EU-Schnitt, wobei deutlich mehr Männer als Frauen betroffen sind. Und auch bei Chronischen Depressionen schneidet Österreich überdurchschnittlich schlecht ab, hier sind mehrheitlich Frauen betroffen.

(APA/red)

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