Wien-Tokio: diplomatische Beziehungen bestehen seit 150 Jahren

Bereits seit 150 Jahren besteht die Beziehung zu Wien.
Bereits seit 150 Jahren besteht die Beziehung zu Wien. ©pixabay.com (Themenbild)
Die diplomatischen Beziehungen zwischen Wien und Tokio bestehen bereits seit 150 Jahren. Anlässlich des Jubiläums, gab es ein Konzert der Wiener Philharmoniker.

Vor 150 Jahren wurde von den damaligen Kaiserreichen Österreich-Ungarn und Japan der Grundstein für diplomatische Beziehungen gelegt. Das bietet heuer Anlass zum Feiern. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) besucht derzeit an der Spitze einer Regierungs- und Wirtschaftsdelegation Tokio, anlässlich des Jubiläums spielen dort am Samstag die Wiener Philharmoniker auf.

Kontakte zwischen der Habsburger-Monarchie und dem Reich der aufgehenden Sonne gab es ab dem 18. Jahrhundert durch Österreichs Seehandel mit Ostasien. 1869, elf Jahre nachdem die Fregatte “Novara” auf ihrer Weltumseglung nach Japan gekommen war, unterzeichneten die beiden Kaiser Mutsuhito und Franz Joseph I. einen Freundschaftsvertrag.

1869, nach japanischer Zeitrechnung im zweiten Jahr der Meiji-Ära und 15 Jahre nach der durch die amerikanische Flotte erzwungenen Öffnung Japans für die Außenwelt, liefen die österreichisch-ungarische Fregatte “Donau” und der Dampfer “Erzherzog Friedrich” unter Konteradmiral Anton Freiherr von Petz in Yokohama ein. Petz hatte den Auftrag, einen Freundschafts- und Handelsvertrag abzuschließen. Nach nur zehntägigen Verhandlungen war der Vertrag unterschriftsreif.

Bundeskanzler Kurz befindet sich derzeit auf seiner Ostasien-Reise

Als Gastgeschenke, die bei Vertragsabschluss Tenno Mutsuhito (Meiji) übergeben wurden, brachte der Emissär aus Österreich neben einer Porzellanstatue Kaiser Franz Josephs einen Konzertflügel der Wiener Firma Bösendorfer mit. Ein junger österreichischer Diplomat durfte dem jungen Kaiser in seinem Palast auf dem Flügel vorspielen. Der hinter einer Schiebetür verborgene Tenno hörte so erstmals westliche Musik. Wie populär die klassische Musik bei seinen Landsleuten werden sollte, ahnte er wohl nicht.

Mutsuhito war der Urgroßvater des heutigen Kaisers Akihito. Nach 30 Jahren auf dem Chrysanthementhron dankt der 85-jährige Monarch, der erste japanische Kaiser, der sein Amt nicht mehr als Gott antrat, am 30. April ab. Akihito ist zugleich der erste Kaiser der ältesten Erbmonarchie der Welt seit rund 200 Jahren, der zu Lebzeiten den Thron für seinen Nachfolger freimacht. Am Tag nach der Abdankung (1. Mai) folgt ihm sein Sohn Naruhito (58) als Tenno nach. Naruhito wird Kanzler Kurz bei dessen Tokio-Besuch empfangen.

Die Akkreditierungsurkunde wurde seinerzeit Tenno Mutsuhito im Rahmen einer Audienz überreicht, und am 18. Oktober 1869 wurde der Freundschaftsvertrag unterzeichnet. Dieser Vertrag, der Handel und Schifffahrt einschloss, enthielt eine Meistbegünstigungsklausel mit niedrigen Zöllen für die Einfuhren in Japan. Da auch andere Staaten durch eigene Verträge in den Genuss der von Österreich ausgehandelten Rechte kamen, wurde so der Weg frei für eine Öffnung des japanischen Marktes.

Bald wurden offiziell musikalische Bande geknüpft. 1888 wurde der Musikprofessor und Komponist Rudolf Dittrich vom Wiener Konservatorium nach Japan geholt. Sechs Jahre lang war er als künstlerischer Leiter der Musikhochschule in Tokio tätig und erntete mit seinem Orchester im Ballhaus “Rokumeikan”, damals Treffpunkt der vornehmen Welt Tokios, Begeisterungsstürme. Der Plan, Johann Strauß Sohn als Musikdirektor für mehrere Jahre nach Japan einzuladen, wurde hingegen nicht verwirklicht. Heutzutage verfügt Japan nicht nur über eine Johann-Strauß-Gesellschaft, sondern auch andere Organisationen, die sich mit dem Kulturerbe österreichischer Komponisten befassen.

Hochrangige Besuche verstärken die Beziehungen zwischen Tokio und Wien

Die Teilnahme Japans an der Wiener Weltausstellung 1873 in Wien sowie die große Sammlung von Kunstgegenständen, die der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand während seines Japan-Besuchs 1893 angelegt hatte, trugen dazu bei, Japan in der österreichischen Öffentlichkeit bekannt zu machen. Besonderen Einfluss übte die japanische Kunst auf die Mitglieder der Wiener Sezession (Gustav Klimt, Koloman Moser, Josef Hoffmann, u.a.) aus, die von den Holzschnittkunst Japans schwärmten und diese neuen Impulse in ihren Werken verarbeiteten.

Auch die Anfänge des mittlerweile sehr populären Skisports in Japan gehen auf einen Österreicher zurück, den k.u.k.-Offizier Major Theodor von Lerch. Er führte 1911 als Austauschoffizier bei der japanischen Armee junge Offiziere in die Kunst des Stemmbogenfahrens ein. Von da an trat der Skisport in Japan einen Siegeszug an. Kurze Zeit nach Lerchs Vorführung wurde der erste japanische Skiklub gegründet, der 1912 bereits 6.000 Mitglieder zählte. Lerch hielt nicht nur Kurse für Militärs, sondern auch für Zivilisten ab. Ihm wurde in Takada ein Denkmal gesetzt. Später wurde Toni Sailer, Dreifach-Olympia-Sieger von Cortina d’Ampezzo 1956, in Japan zur Skilegende.

Doch erst in den letzten Jahrzehnt erfuhren die ausgezeichneten bilateralen Beziehungen, die geprägt waren durch Wirtschaftsaustausch, Kultur und Sport, eine Krönung durch hochrangige Besuche. 1999, anlässlich des 130-jährigen Bestehens diplomatischer Beziehungen, reiste Bundespräsident Thomas Klestil erstmals zu einem Staatsbesuch nach Japan. Drei Jahre danach, 2002, stattete das nun abtretende japanische Kaiserpaar Akihito und Michiko Österreich eine Staatsvisite ab. Vor zehn Jahren besuchte der damalige Bundespräsident Heinz Fischer zu 140 Jahren bilaterale Beziehungen Japan. Akihito wiederum entsandte damals seinen Sohn, Prinz Akishino, und dessen Gemahlin, Prinzessin Kiko, nach Österreich. Hinter China bildet Japan mit seinen 126 Millionen Einwohnern den zweitgrößten Markt für Exportgüter und -dienstleistungen österreichischer Firmen in Asien.

(APA/Red)

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