"Wien Modern" in Wien feierte die Eröffnung eher düster

"Wien Modern" in Wien feierte die Eröffnung eher düster
"Wien Modern" in Wien feierte die Eröffnung eher düster ©Lukas Beck
Zur Eröffnung des Festivals für Neue Musik standen am Donnerstagabend im Konzerthaus drei Werke auf dem Programm, die alles andere als eine fröhliche Einstimmung auf die kommenden drei Festspielwochen boten.

Düstere Seen, Adlerschwingen und allen voran Luigi Nonos monumentales Chorwerk “Il canto sospeso” in Gedenken an die ermordeten Widerstandskämpfer stimmten eher nachdenklich. “Eine gelungene neue Begegnung macht uns reich – und damit meine ich nicht das Budget von Wien Modern”, hatte noch der neue Konzerthaus-Chef Matthias Naske die Zuhörer eingestimmt, während Festredner Jürg Stenzl die “Wien Modern”-Familie pries.

Wien Modern startet düster

Diese Familie gedachte dann 75 Jahre nach dem “Anschluss” an Nazi-Deutschland mit Nonos berührendem, 1955 entstandenem Werk gegen Totalitarismus dem Widerstand im Zweiten Weltkrieg. Mit der hochkomplexen Rezitation von Abschiedszitaten europäischer Freiheitskämpfer kurz vor ihrer Hinrichtung vollbrachte nicht zuletzt der Wiener Kammerchor eine wahre Meisterleistung angesichts der Komplexität des seriellen Meisterwerks, der das RSO unter Cornelius Meister in nichts nachstand.

Der erste Ton von “Wien Modern” 2013 hatte allerdings Peter Eötvös gehört, dem heurigen Schwerpunktkomponisten. Die österreichische Erstaufführung seines “The Gliding of the Eagle in the Skies” setzte ungeachtet eines enormen Streicherapparats stark auf Percussion und stellte das bei weitem optimistischste Werk des Abends dar. Eötvös lässt entfernt baskische Volksmusik anklingen und schafft ein Werk zwischen nervösem Flirren und Kontemplation, das beinahe den Charakter einer Tondichtung hat, lässt es doch deutlich Bilder vor den Augen der Zuhörer entstehen.

Wien Modern tanzt sich durch die Eröffnung

Im harten Kontrast dazu war Salvatore Sciarrinos “Giorno velato presso il lago nero” (Verhüllter Tag beim schwarzen See) positioniert. Im ungeleiteten Übergang zwischen Bewegung und Stillstand setzt der Italiener die Sologeige in Dialog mit den ebenfalls solistisch geführten Orchesterinstrumenten, lässt die Violinistin Carolin Widmann aber über weite Strecken im Flageolettton herumfisteln.

Weniger melancholisch endete der Eröffnungsabend in der Partylocation Grelle Forelle am Donaukanal. Hier ließ das Klangforum Wien bei der Wien Modern Klubnacht die Grenzen zwischen zeitgenössischer Musik und elektronischer Tanzmusik verschwimmen. Schließlich ist das Tanzen neben Eötvös ein weiterer Schwerpunkt des Festivals in den kommenden drei Wochen.

(APA)

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