Wien mit wenig Glück bei längster totaler Mondfinsternis

Am Freitagabend kam es zu einer Mondfinsternis - der Finsternis des Jahrhunderts.
Am Freitagabend kam es zu einer Mondfinsternis - der Finsternis des Jahrhunderts. ©APA
Wolken und Gewitter verwehrten am Freitagabend zahlreichen interessierten Wienern die Sicht auf die längste totale Mondfinsternis des Jahrhunderts mit gleichzeitiger Marsopposition. Mehr Glück hatten Schaulustige in den südlichen Bundesländern Österreichs.
Die Mondfinsternis

Von etwa 21.30 Uhr bis gegen 23.15 Uhr war die Scheibe des Vollmonds in Mitteleuropa in ein rötliches Licht getaucht. Mit einer Gesamtdauer von 103 Minuten war die Phase der totalen Verfinsterung des Monds außergewöhnlich lang. Als Zusatzattraktion gab es noch einen wegen seiner derzeitigen Nähe zur Erde besonders hellen und großen Nachbarplaneten Mars zu sehen.

Mondfinsternis: Positive vs. negative Energie

In Indien wurden am Freitag Hindu-Tempel geschlossen, um die angeblich von verdunkelten Himmelskörpern ausgehende negative Energie zu bannen. Ganz anders der Kenianer Teddy Muthusi, der das Schauspiel in der Hauptstadt Nairobi beobachtete. “Genau darum geht es im Leben: Magische Momente wie dieser. Es ist einfach wunderschön”, sprach er vielen anderen Erdbewohnern aus der Seele. Auch in den sozialen Medien beschäftigte viele das Himmelsspektakel. “Ich finde den Gedanken irgendwie wunderschön, dass die ganze Welt heute gemeinsam zum Mond aufschaut”, schrieb ein deutscher Twitter-Nutzer.

In Österreich hatten vor allem die Bewohner der südlichen Bundesländer freie Sicht auf den verfinsterten Mond, wie etwa Bilder von Sternwarte Steinberg bei Graz zeigten. Im ganzen Land gab es zahlreiche organisierte oder spontane “Public Viewings” der Mondfinsternis und des “Riesen-Mars”.

Gut besuchte “Public Viewings” in Wien

Am Cobenzl in Wien-Döbling fanden sich auf Einladung der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie (WAA) Hunderte Schaulustige ein, um dem Naturschauspiel zu folgen. “Für uns ist das natürlich das astronomische Ereignis des Jahres”, sagte WAA-Chef Alexander Pikhard vor Beginn der maximalen Mond-Verfinsterung der APA. In der Folge lugte der Mond allerdings nur schemenhaft aus den Wolken hervor, um in der Folge bis zum Ende der maximalen Verfinsterung um 23.14 Uhr zur Enttäuschung der Anwesenden von einem nahen Gewitter völlig verdeckt zu werden.

Ähnliche Szenen spielten sich am Schafberg in Wien-Hernals ab, wo gegen 22.00 Uhr Dutzende Menschen, viele davon mit Rucksäcken und Picknickkörben, die Wiese bei der Ladenburghöhe bevölkerten. Doch außer rotstichigen Wolken, Blitzen und den Lichtern der Großstadt war auch dort nichts zu sehen. Der ausgelassenen Freitagsfac was der ausgelassenen Stimmung unter den Ausflüglern keinen Abbruch tat.

Ein kleines Trostpflaster gibt es allerdings, denn auch wenn der Blick auf die Mondfinsternis über der Bundeshauptstadt verwehrt blieb, befindet sich der Mars auch in den nächsten Tagen und Wochen weiter in besonderer Nähe zu unserem Heimatplaneten. Dementsprechend viele Chancen bieten sich noch, um mit relativ bescheidenen optischen Hilfsmitteln sogar einen Blick auf die Oberfläche des Mars zu werfen, erklärte Pikhard.

Europa im Bann des Mondes

In Deutschland versuchten zahlreiche Menschen bei hochsommerlichen Temperaturen von bis zu 30 Grad, dem Himmelsschauspiel mit bloßem Auge, Fernglas oder Teleskop zu folgen. “Für die derzeit lebenden Menschen ist das ein einmaliges Ereignis”, sagte der Chef der Vereinigung der Sternfreunde in Heppenheim, Sven Melchert. Im Norden, Westen und Süden Deutschlands war die Sicht auf die beiden rötlich leuchtenden Himmelskörper vielerorts recht gut, in Berlin und den östlichen Bundesländern schoben sich Gewitterwolken vor den finsteren Mond. Auch am Alpenrand war das Himmelsspektakel nicht überall zu sehen.

Hunderte Menschen verfolgten es am Strand von Norderney an der Nordsee. “Viele Hundert Menschen” zählte auch Stefan Krause von der Volkssternwarte Bonn beim Beobachten auf dem Alten Zoll am Rheinufer. “Das Wetter ist gut und es ist Wochenende”, begründete er das große Interesse. Zudem sei die Mondfinsternis an einem Abend zu sehen und nicht in den Nachtstunden. Rost-rot sei der Mond, schilderte Krause.

Ende einer Jahrhundertfinsternis

In der Schweiz hatten vor allem die Mondbeobachter in Luzern Glück. Der Präsident der dortigen Astronomischen Gesellschaft, Marc Eichenberger, berichtete von einer lockeren Atmosphäre. Es passe alles: das Ereignis falle auf einen Freitagabend, das Wetter sei warm, die Sicht gut. In der Hauptstadt Bern und in Lausanne trübte hingegen der bewölkte Himmel das Erlebnis, berichteten Fotografen.

Wer hierzulande eine Mondfinsternis sehen möchte, muss sich gedulden: Zwar wird am 21. Jänner 2019 eine totale Mondfinsternis von Wien aus teilweise zu sehen sein, aber erst zu Silvester 2028 hat man in Mitteleuropa wieder die Chance eine solche in ihrem vollen Verlauf zu sehen sein – dann allerdings eher nicht bei derart lauen Temperaturen. Erst am 9. Juni 2123 wird es eine drei Minuten längere Mondfinsternis geben.

(APA/Red)

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