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Wien kooperiert mit östlichen Nachbarn

Sucht und Prävention: Wien sucht Kooperation mit östlichen Nachbarn - Einheitliche Standards bei der Behandlung Drogenabhängiger angestrebt.

Ein knappes halbes Jahr vor der EU-Erweiterung tagen Experten in der Basisarbeit aus Österreich und den Beitrittsländern Tschechien, Slowakei und Ungarn am Donnerstag und Freitag in Wien, um ein gemeinsames Konzept in der Drogen-Prävention und der Behandlung Abhängiger zu suchen. Ziel ist es, möglichst einheitliche Standards für den Umgang mit Drogenkranken zu definieren, sagte der Wiener Drogenbeauftragte Dr. Alexander David, ärztlicher Leiter der Beratungs- und Betreuungseinrichtung Dialog, welche die Tagung organisierte.

Grenzüberschreitende Drogenproblematik
„Wir können einiges an Know-How anbieten, wir haben ein funktionierendes Netzwerk in der Wiener Drogenhilfe“, sagte der Drogenkoordinator der Bundeshauptstadt, Michael Dressel, bei einer Pressekonferenz. Zugleich könne man von Beitrittsländern lernen. Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann (S): „Die Drogenproblematik ist grenzüberschreitend, aber jedes Land hat seine eigenen Probleme.“

Laut Alexander David ist allen Regionen eines gemeinsam: Durch verstärkte Repression wird ein bestehendes Drogenproblem exportiert, dorthin, wo mehr Augenmerk auf Therapie gelegt wird. „Es gilt, das zu verbinden und einen Ausgleich zu schaffen“, erklärte der Mediziner. Probleme sollten dort gelöst werden, wo sie entstehen.

Cannabis auf dem Weg zur “akzeptierten Droge”
Der Meinungsforscher Ernst Gehmacher wies darauf hin, dass die Trends in der EU und weltweit zu Repression gehen. „Man muss aufpassen, dass diese Tendenzen nicht überhand nehmen“, warnte Gehmacher, der Ergebnisse einer Umfrage präsentierte, wonach Drogen 80 Prozent der österreichischen Bevölkerung über 15 Jahren als bedeutendes Problem sehen. Nur fünf Prozent meinen, das sei kein wirkliches Problem. Die Leute unterscheiden dabei zwischen „harten“ Drogen wie Heroin, Kokain, Amphetaminen und Ecstasy und den legalen Suchtmitteln Alkohol und Nikotin, die erst im Fall von massivem Konsum als gefährlich angesehen werden. Dazwischen liegt Haschisch. „Cannabis ist auf dem Wege, zu einer akzeptierten Droge zu werden“, sagte Gehmacher.

Dass Staat und öffentliche Einrichtungen mehr gegen das Suchtproblem unternehmen sollten, ist fast die einhellige Meinung. Bei der Frage „Was?“ scheiden sich zwar die Geister: Die „Harten“ plädieren für Konsumverbot und strenge Strafen, die „Sanften“ sind für Vorbeugung und Therapie. Eine starke Mehrheit befürwortet aber eine Balance zwischen repressiven und liberalen Maßnahmen.

Therapie wäre billiger als einsperren
Bei den Ausgaben für Repression bzw. Therapie stand in vielen Ländern das Verhältnis nach den Worten Davids lange 90:10 oder 80:20. „Langsam beginnt man, ein ausgewogenes Verhältnis der Mittel anzustreben“, sagte der Wiener Drogenbeauftragte. „In Österreich findet leider das Gegenteil statt“, bemängelte der Fachmann. Viele Jugendliche, für die Diversion in Frage käme, würden in Haft genommen. „Am teuersten ist es, Drogenabhängige einzusperren. Wenn es um Geld geht, ist Therapie das beste Mittel.“

Redaktion: Claus Kramsl

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