Wien exportiert Verkehrs-Know-How nach Istanbul

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Wiens Expertise in Sachen Verkehr ist in der Türkei gefragt. Das hat sich bei einem Symposium zum Thema „Metropolenverkehr“ in Istanbul herausgestellt, bei dem die Bundeshauptstadt ihre Antworten auf Mobilitätsfragen präsentiert hat.

Auf großes Interesse stieß etwa die Wiener Lösung beim Handy-Parken, aber auch das geplante „Pavement Management System“.

Dabei geht es um ein auf Satellitennavigation basierendes Programm zur Erfassung des Zustandes der Straßenoberfläche. In Wien soll es im Sommer erstmals zum Einsatz kommen, und zwar in Mariahilf als Pilotbezirk. Schäden an der Fahrbahn oder den Gehsteigen können dann an Ort und Stelle in tragbare Computer eingegeben werden, wodurch Baustellen besser geplant werden können.

Istanbul bereitet Ähnliches vor, und eine Zusammenarbeit in diesem Bereich könnte beiden Seiten zu Gute kommen, zeigte sich Wiens Verkehrsstadtrat Rudolf Schicker (S) am Rande der Veranstaltung gegenüber der APA überzeugt: „Beide Städte ersparen sich dadurch Entwicklungskosten.“ Viele Fragen gab es zum Wiener Parkpickerl-System. Anders als die Bundeshauptstadt überlegt Istanbul für den innersten Bereich der Stadt auch die Einführung einer City-Maut.

Wien wiederum könnte sich von der Stadt am Bosporus bei der Nutzung der Wasserwege inspirieren lassen, so der Verkehrsstadtrat: „Man könnte überlegen, Wassertaxis einzuführen. Bisher waren wir dazu nicht mutig genug.“ Nicht nur am Donaukanal, sondern auch an der Donau zwischen den U-Bahn-Stationen hätte dies für Schicker „durchaus Charme“. Vor allem die „Waterfront“ am Handelskai könnte dadurch belebt werden.

Hilfestellung in Sachen Software und Technologieentwicklung, aber auch beim rollenden Material, könnte Wien dagegen beim Ausbau von U-Bahn und Straßenbahn leisten, so Schicker. In den kommenden Jahren will Istanbul seinem rudimentären Nahverkehrs-Schienensystem mit derzeit nur 54 Kilometern Länge weitere 88 hinzufügen.

„Wien hat in der Vergangenheit nicht den Fehler gemacht, sein Straßenbahnsystem aufzulösen“, lobte Rafet Bozdogan, Vizegeneralsekretär für Verkehr in Istanbul, die Verkehrsplanung in der Bundeshauptstadt. Schicker verwies auf die Verkehrsentwicklung als Faktor, um Wohlstand für breite Bevölkerungsschichten möglich zu machen.

Trotz der zur Schau gestellten Gemeinsamkeit sind die Verkehrssysteme der beiden Städte schon auf Grund des Größenunterschieds kaum vergleichbar: Istanbul verfügt inklusive Umland offiziell über zwölf Mio. Einwohner, laut Schätzungen sogar über 15 Mio. Jährlich kommen bis zu 400.000 Menschen hinzu. Dafür gibt es noch verhältnismäßig wenig Autos, nämlich 187 pro 1.000 Einwohner (Wien: 399). Doch täglich kommen 400 bis 600 hinzu, und der Stau gehört – nicht zuletzt wegen des unterentwickelten Öffi-Systems – zum Alltag.

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