Wien bereitet Sonntagsöffnung vor

Während der Fußball-EM im kommenden Jahr werden in Wien die Geschäfte aller Voraussicht nach am Sonntag aufsperren dürfen.

Laut der Wiener Wirtschaftskammerpräsidentin Brigitte Jank laufen dazu derzeit Gespräche zwischen den Sozialpartnern. Angestrebt ist eine Lösung auf Kollektivvertragsebene – sowie eine Regelung für ganz Wien. Eine spezielle Abgrenzung einzelner Zonen, in denen das Offenhalten erlaubt wird, soll es nicht geben.

Damit es tatsächlich zu einer EM-Sonntagsöffnung kommt, muss Landeshauptmann Michael Häupl (S) eine entsprechende Verordnung erlassen. Um alle Fristen einzuhalten, sei es notwendig, diese noch im Herbst zu erarbeiten, so Jank. Die Sozialpartnergespräche sollen in rund vier Wochen abgeschlossen werden.

Eine spezielle Regelung für Wochentage oder Samstag ist nicht angedacht. „Wir sprechen jetzt nur von der Möglichkeit, die vier Sonntage zu öffnen, bei den sonstigen Öffnungszeiten sehen wir keinerlei Bedarf“, betonte die Wiener Wirtschaftskammerpräsidentin. Das mit Jänner 2008 in Kraft tretenden Öffnungszeitengesetz reiche völlig aus: „Hier geht es lediglich um die Ausnahmesituation EM.“

Auch für die Zeit nach der Europameisterschaft sieht Jank keinen Bedarf für weitere Diskussionen: „Das ist kein Präjudiz für die Thematik Sonntagsöffnung an sich.“ Dass während des Fußball-Events wohl in ganz Wien die Sonntagsöffnung erlaubt wird, hat vor allem pragmatische Gründe: Die Abgrenzung spezieller Zonen nur für diesen kurzen Zeitraum wäre ein zu großer Aufwand, wie Jank betonte.

Die Wirtschaftskammerpräsidentin zeigte sich überzeugt, dass die Unternehmen in Wien gut auf die EM vorbereitet sind – zumindest jene, „die überlegen, aus diesem Ereignis einen wirtschaftlichen Erfolg zu generieren.“ Eine Kammer-Umfrage hat demnach gezeigt, dass ein Drittel der Unternehmen das vorhat. Ein weiteres Drittel sei noch „indifferent“, der Rest sage, dass die Europameisterschaft in Zusammenhang mit ihrer unternehmerischen Tätigkeit kein Thema sei.

Laut Jank ist von Seiten der Kammer schon ein Informationspaket geschnürt worden. Weitere Infos soll es vor allem für Geschäfte und Lokale geben, die sich in der Nähe von Public-Viewing-Bereichen oder in der Umgebung der Fanmeile befinden. Große Beeinträchtigungen seien für diese Unternehmen nicht zu befürchten, meinte Jank. Aber auch bei der Einschätzung eines unmittelbaren Nutzens sei die Wiener Wirtschaft „eher vorsichtig“ in den Erwartungen, so Jank.

Wenig begeistert zeigte sich die Wiener Wirtschaftskammerchefin vom neuen Stadion-Center, das am Donnerstag in unmittelbarer Nähe zum Happel-Stadion eröffnet wird: „Unsere Haltung war ja klar, wir verfolgen hier eine Linie, die heißt: Einkaufszentren dort, wo sie bestehende Einkaufsstrukturen unterstützen und keine Einkaufszentren auf der grünen Wiese, wo im Umfeld die Kaufkraft nicht ausreichend vorhanden ist.“

Das Stadion-Center sei so groß, dass es auch aus anderen Regionen Kaufkraft abziehen werde, vermutete Jank. Davon könnten etwa Geschäfte in der Taborstraße oder in der Praterstraße betroffen sein. „Ich wünsche natürlich dem Center, dass es funktionieren möge“, betonte Jank. Es sei jedoch möglich, dass es zu groß dimensioniert wurde.

  • VIENNA.AT
  • Wien
  • Wien bereitet Sonntagsöffnung vor
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen