Wien: Arzt soll Patientinnen zu nahe gekommen sein

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Lüstling oder Mobbing-Opfer? Ein praktischer Arzt aus Wien soll bei acht Frauen Brust und Unterleib untersucht haben, ohne dass es dafür eine Notwendigkeit gegeben hätte. Nun steht er vor Gericht. Er bestreitet alle Vorwürfe und sieht sich "überhaupt nicht schuldig".

Gegen einen praktischen Arzt ist am Montag im Wiener Straflandesgericht ein Prozess wegen Missbrauchs eines Autoritätsverhältnisses eröffnet worden. Der Allgemeinmediziner soll bei acht Frauen Brust- und Unterleibsuntersuchungen durchgeführt haben, ohne dass es dafür eine Notwendigkeit gegeben hätte. Laut Strafantrag führte er darüber hinaus die Untersuchungen nicht fachgerecht durch. Der Angeklagte bestritt die wider ihn erhobenen Vorwürfe und bezeichnete sich als Mobbing-Opfer. Man habe ihn mit den konstruierten Anschuldigungen loswerden wollen. Er sei “überhaupt nicht schuldig”.

Projekt im Spital
Der Allgemeinmediziner war in einem Wiener Spital in ein Projekt eingebunden, das eine Interferon-Therapie für Hepatitis-Patienten anbot. Seinem zeugenschaftlich einvernommenen Vorgesetzten zufolge zählte es zu seinen Aufgaben, “einen allgemeinen ärztlichen Check wie bei einer Gesundenuntersuchung” und bei Frauen eine sogenannte Sexualanamnese vorzunehmen, wobei unter anderem Frauenarztbesuche und die Anzahl der Geburten abgefragt wurden. Er sei “nicht davon ausgegangen, dass auch gynäkologische Untersuchungen im engeren Sinn durchgeführt werden”, sagte der Oberarzt. Es habe auf der Station ja keine dafür geeigneten Vorrichtungen gegeben. Der Vorgesetzte musste allerdings einräumen, seinem Mitarbeiter “nicht dezidiert” gesagt zu haben, “dass er es nicht tun soll”.

Nur “Inspektion”, nicht Untersuchung
Der Angeklagte betonte, er habe niemals seine Grenzen überschritten. Frauen, die über Knoten in der Brust klagten, habe er mit deren Einverständnis “aus anamnestischer Notwendigkeit” abgetastet: “Einige hab’ ich geschult, wie man das macht.” Eine andere Patientin, die über Juckreiz im Intimbereich klagte, habe er “angeschaut”, zumal er ja auf dem Fachgebiet der Frauenheilkunde dissertiert habe. Aber nur im Sinne einer “Inspektion”, nicht im Rahmen einer Untersuchung. Er habe sie danach selbstverständlich an einen eingetragen Frauenarzt weiterverwiesen.

“Ich habe mehr als 500 Frauen behandelt”
“Ich habe nur das gemacht, was in meiner Kompetenz steht. Ich hab’ das auch in jeder ärztlichen Sitzung berichtet. Jeder hat das toll gefunden”, gab der Arzt zu Protokoll. Dass er sich vor Gericht zu verantworten hat, führte er darauf zurück, “dass man nicht wollte, dass mein Vertrag verlängert wird”. Die Kollegenschaft habe offenbar befürchtet, dass er sich mit seiner Arbeit zu sehr profilieren könne. Einen Teil der Frauen, denen er zu nahe gekommen sein soll, kenne er gar nicht: “Und ich habe mehr als 500 Frauen behandelt!”

Verhandlung vertagt
Sein unmittelbarer Vorgesetzter versicherte allerdings Richter Roland Weber: “Wenn die Geschichten nicht passiert wären, wäre er wahrscheinlich noch jetzt auf der Abteilung.” Die Sache war aufgeflogen, als in Ärztekreisen Gerüchte über angeblich nach Untersuchungen in Tränen aufgelöste Patientinnen des nunmehr angeklagten Mediziners die Runde machten. Die Verhandlung wurde auf den 13. September vertagt. Sollte der Angeklagte schuldig gesprochen werden, drohen ihm bis zu drei Jahre Haft und wohl das Ende seiner beruflichen Laufbahn.

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