Wiederauferstehung in Violett

Versöhnlicher Heimausklang für die Vikings
Versöhnlicher Heimausklang für die Vikings ©expa/Haumer
Mit einem 31:17-Erfolg gegen die Graz Giants meldeten sich die Raiffeisen Vikings im letzten Heimspiel der Saison eindrucksvoll zurück.
Wiederauferstehung in Violett
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Sportlich bedeutungslose Spiele haben in der Regel den Ruf besonders unterhaltsam zu werden. Dieses ungeschriebene Gesetz des Sports wurde auch das letzte Heimspiel der Raiffeisen Vikings befolgt. In einem nicht immer hochklassigen Footballspiel setzten sich am Ende die Vikings deutlich mit 31:17 gegen den amtierenden österreichischen Meister durch. Eine deutliche Steigerung der Vikings in Halbzeit zwei sorgte für einen versöhnlichen Heimspiel-Saisonausklang.

Fehlerfestival im ersten Viertel
Auf dem Spielfeld waren die Wikinger im ersten Viertel überlegen. Mit Quarterback Philipp Jobstmann kam wieder im Ansatz eine Art Spielwitz auf. Der über weite Strecken des Grunddurchgangs erschreckend harmlose Angriff der Wikinger bewegte den Ball wie schon fast in alten (erfolgreichen) Zeiten quer über das Spielfeld. Die Gäste aus der Steiermark wirkten zu Spielbeginn einigermaßen überrascht und mussten den Vikings fast tatenlos zusehen. Dennoch gelang den Grazern die Führung.

Bei einem missglückten Spielzug verlor Vikings-Spielmacher Jobstmann in einer kuriosen Szene den Ball. Cico Cleveland nahm das Geschenk dankend an und erzielte die ersten sieben Punkte des Spiels. Noch im ersten Viertel gelang den Wienern die prompte Antwort. Ryan Maher krönte einen herrlichen Drive mit einem sehenswerten Passfang zum Touchdown abschließen.

Giants schwach und undiszipliniert – Trainer nimmt Timeout
Die Stadionuhr zeigte noch 8:10 Minuten im zweiten Viertel. Der Zwischenstand war noch immer 7:7. Die Überlegenheit der Wikinger war jedoch auf dem Spielfeld allgegenwärtig. Auf beiden Seiten des Balles wirkten die Vikings spritziger. Dem Trainer der Giants stieß die Leistung der eigenen Mannschaft jedoch sichtlich säuerlich auf. Er nahm ein Timeout und versammelte seinen kompletten Kader um sich. Seine deutlichen Worte fanden jedoch nur wenig Wirkung.

Giants stellen Spielverlauf auf den Kopf
Im zweiten Viertel bekamen die Zuschauer auch endlich Punkte zu sehen. Zuerst gingen die Vikings nach einem sehenswerten Lauf des fliegenden Hawaiianers Josiah Cravalho in Führung, die vom Spielmacher der Giants, Chris Gunn, ausgeglichen wurde.

Für den letzten Höhepunkt der ersten Halbzeit sorgten erneut die Vikings – aus negativer Sicht: Ein Pass von Jobstmann wurde an der Anspiellinie berührt und fiel in die Arme von Manuel Schneeweiss. Kicker Christoph Kipperer erzielte mit dem Pausenpfiff die doch überraschende 14:17-Pausenführung für die Steirer!

Vikings emotional aufgestachelt
Wer in der zweiten Halbzeit den in dieser Saison traditionellen Vikings Rückfall erwartete, wurde im Duell gegen die Giants „enttäuscht“. Emotional wie selten zuvor in den letzten eineinhalb Saisonen präsentierten sich die Wikinger. Der Defense gelang es großen Druck auf den Spielmacher der Grazer aufzubauen. Die Lücken für den Star-Runningback der Grazer, Mo Muheize, hielten sich in überschaubaren Grenzen. Bestes Bespiel für die schwache Leistung des hoch gelobten Grazer Angriffs war ein Pass auf den Hinterkopf eines Schiedsrichters, der k.o. ging, allerdings nach kurzer Behandlung weiterspielen konnte.

Den Vikings gelang nach einem sehenswerten Passspielzug über Ryan Maher noch im dritten Viertel die erneute Führung. Der diesmal überragende Spielmacher Jobstmann fand seinen Wide Receiver und dieser lief in die Endzone der Grazer.

Wiener spielen Führung heim – welchen Stellenwert hat der Sieg?
Nach der erneuten Führung der Vikings war das Spiel spürbar gelaufen. Den Wienern gelang es über die Emotionen wieder ihre alte Klasse abzurufen. Die Graz Giants agierten zu fehleranfällig und waren sichtlich überrascht von groß aufspielenden Wikingern. Zum Spielende stand ein überraschend klarer (auch in der Höhe völlig verdienter) 31:17-Sieg der Wiener. Aber was war dieser Sieg wert?

Für die Vikings war es ein wichtiger Sieg. Besonders die Vorstellung in der zweiten Halbzeit machte Lust auf mehr. Spieler, Coaches aber auch die Zuschauer lieferten eine Performance ab welche an sprichwörtlich bessere Zeiten erinnerten. Den Graz Giants wurden von den Vikings einige Schwachpunkte aufgezeigt. Auch wenn die Grazer in einigen Spielzügen durchaus experimentierten, wirkten sie den Wikingern deutlich unterlegen. War es ein kurzes Aufflackern der alten Klasse oder weckten die Giants einen schlafenden Riesen? Die Wahrheit wird wohl erst die Wildcard-Runde bringen. In dieser Runde treten die Wikinger den langen Weg nach Hohenems zu den Blue Devils an.

Raiffeisen Vikings vs. Turek Graz Giants 31:17 (14:17)
Stadion Hohe Warte Wien, 2.500 Zuschauer

Die Stimmen zum Spiel:
Chris Calaycay (Vikings-Headcoach): “Das Team hat heute das beste Spiel der Saison gezeigt. Nach den vielen Niederlagen haben die Spieler begonnen, an sich zu zweifeln. Aber fest steht: Wir sind ein gutes Footballteam. Wir haben zwei Wochen, um uns auf die Blue Devils vorzubereiten, werden auch dort unser Bestes geben. Die Devils haben sich von Spiel zu Spiel verbessert, werden ein harter Gegner sein. Auswärtsspiele sind immer schwierig. Wenn wir so auftreten wie heute, können wir dort gewinnen.”

Roman Meklau (Vikings): “Das war heute toll. Besonders in der zweiten Halbzeit. Für das Selbstvertrauen war dieser Sieg unheimlich wichtig. Heute haben wir zum ersten Mal als Team gespielt. Auch an der Seitenlinie war Feuer im Spiel. Das war Football und ehrlich gesagt war das geil. Nächste Woche würde ich mir sehr einen Giants-Sieg (Anm.: spielen auswärts im Europacup bei Paris Flash) wünschen. Dafür drücke ich ihnen die Daumen!”

Roman Seybold (Vikings): “Endlich haben wir gezeigt, was wir können. Ich stolz darauf was wir in der zweiten Halbzeit spielen konnten. So könnte es nach meinem Geschmack weitergehen.”

Philipp Jobstmann (Vikings): “Großes Kompliment an die Mannschaft! Ich bin sehr stolz auf meine Jungs. Heute hat einfach alles gepasst. Die Wide Receiver haben einfach alles gefangen. Die Runningbacks sind durch die kleinsten Lücken gekommen. Dazu kommt die tolle Performance der Line. Ich musste keinen Sack einstecken. Dann fällt es einen als Quarterback leicht zu glänzen!”

Gregor Pachmann (Vikings): “Es war ein legendäres Spiel. Wir Defensive Backs haben uns vor dem Spiel ausgemacht, dass wir gegen die starke Grazer Offense um Chris Gunn keinen Passing-Touchdown kassieren. Ich kann selber kaum glauben, dass wir das geschafft haben. Respekt an die Kollegen.”

Josiah Cravalho (Vikings): “Die Line hat hervorragend geblockt, auch Quarterback Jobstmann hat ein sehr gutes Spiel gemacht. Das ganze Team hat gut gespielt. So sollten wir immer spielen. In Vorarlberg (Wild Card Game der Vikings gegen die Blue Devils, Anm.) wird es hart, die Devils haben sich die Saison über stark verbessert. Ich hoffe, wir kommen mit einem Sieg von dort zurück.”

Rick Rhoades (Giants): “Gratulation an die Vikings. Sie haben heute gezeigt was sie für ein tolles Team sind. Wir haben heute nicht gut gespielt. Uns sind zu viele Fehler unterlaufen. Aber wir hätten auch in einem perfekten Spiel heute große Probleme gehabt. Die Wiener waren heute in allen Belangen besser.”

Chris Gunn (Giants): “Wir sind nach Wien gekommen um das Spiel zu gewinnen aber es sollte nicht sein. Die Vikings haben sensationell gut gespielt und verdient gewonnen.”

Angelo Brasulgia (Giants): “Wir haben die Vikings nicht so stark erwartet. Sie haben sich bärenstark präsentiert und haben verdient gewonnen. Über den Rest der Saison werden wir wohl besser die Favoritenrolle jedes Mal freiwillig ablehnen. Denn sind wir Favorit spielen wir einfach nur schlecht. Wir Spieler müssen auch selbst an die Nase fassen.”

Thomas Muck
In Kooperation mit sportreport.at

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