Wieder US-Kritik an Schweiz wegen Umgang mit Jugend-Prostitution

Die USA haben die Schweiz erneut wegen ihrer Politik zur Verhinderung von Menschenhandel gerügt. Wieder war das in der Schweiz geltende Schutzalter von 16 Jahren für Prostitution Anlass der Kritik Washingtons.

Im schweizerischen Recht gebe es kein umfassendes Gesetz, das Prostitution bei 16- und 17-Jährigen unter Strafe stelle. Dies steht in dem am Montag veröffentlichten Jahresbericht des US-Außenministeriums über die weltweiten Bemühungen zur Beseitigung von Menschenhandel und sexueller Ausbeutung.

USA: 23 Länder erfüllen Mindeststandards nicht

In seinem Bericht zum Menschenhandel nannte das US-Außenministerium am Montag von den insgesamt 184 untersuchten Ländern 23, die internationale Mindeststandards nicht erfüllt hätten, zehn mehr als im Vorjahr. Und 41 Nationen wurden auf eine Kontrollliste gesetzt. Somit drohen ihnen Sanktionen, falls sie keine effektiveren Methoden im Kampf gegen Menschenhandel ergreifen. Österreich gehört für die USA zu den Ländern, die die Mindeststandards erfüllen.

Die Schweiz war im vergangenen Jahr in der von den USA erstellten Liste der Staaten mit mangelhafter politischer Handhabe gegen Menschenhandel zurückgestuft worden. Im jüngsten Bericht hieß es weiter, dass die Schweiz zwar wichtige rechtliche Maßnahmen zur Behebung des Problems ergriffen habe, jedoch noch mehr unternehmen müsse. Dem Land wurde zudem empfohlen, das Strafmaß für verurteilte Menschenhändler anzuheben. Die Schweiz sei in erster Linie ein Zielland und weniger ein Durchgangsland für Frauen und Minderjährige, die zu Arbeit im Sexgewerbe, zu Bettelei oder Diebstahl gezwungen würden. Das US-Außenministerium schätzt die Zahl der in der Schweiz betroffenen Personen auf 1500 bis 3000.

Die Schweizer Justizministerin Simonetta Sommaruga hatte Anfang Juni im Ständerat angekündigt, die auch von den USA geforderte Gesetzesänderung in Kürze in die Begutachtung zu schicken. Demnach sollte sich künftig in der Schweiz strafbar machen, wer gegen Bezahlung sexuelle Dienste von unter 18-Jährigen beansprucht.

“Alle Länder können und müssen mehr tun”, sagte US-Außenministerin Hillary Clinton bei der Vorstellung des Berichts. “Heute werden mehr Menschen ausgebeutete als jemals zuvor.” Nach Schätzungen des US-Außenministeriums haben weltweit rund 27 Millionen Männer, Frauen und Kinder unter der Geißel des Menschenhandels zu leiden. (APA)

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