Wieder Festnahme im Zusammenhang mit Neonazi-Mordserie in Deutschland

Der frühere NPD-Funktionär Ralf Wohlleben (M.) aufgenommen während einer NPD-Demonstration im Jahr 2007.
Der frühere NPD-Funktionär Ralf Wohlleben (M.) aufgenommen während einer NPD-Demonstration im Jahr 2007. ©dpa
Spezialeinheiten der deutschen Polizei haben am Dienstag in Jena (Thüringen) den langjährigen NPD-Funktionär Ralf W. als weiteren Verdächtigen bei den Ermittlungen gegen ein Neonazi-Trio festgenommen. Der 36-Jährige sei dringend verdächtig, die Gruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) unterstützt zu haben, teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit. Ihm wird Beihilfe zu sechs Morden und einem versuchten Mord vorgeworfen.

W. soll seit 1995 in rechtsextremistischen Kreisen in Thüringen aktiv gewesen sein. Seit den 90er Jahren soll er in engem Kontakt mit den drei NSU-Mitgliedern gestanden haben. Dem Thüringer Verfassungsschutz ist er seit langem bekannt. Den Verfassungsschützern zufolge trat er 1999, kurz nach dem Untertauchen des Neonazi-Trios, in die NPD ein. Mit Unterbrechungen war er von 1999 bis Mitte 2008 Vorstandsmitglied der NPD – von Juli 2006 bis Mai 2008 sogar stellvertretender Landesvorsitzender in Thüringen. Bis etwa Anfang 2010 leitete W. außerdem mit Unterbrechungen den Kreisverband in Jena.

 Ralf W. soll Schusswaffe besorgt haben

Die Karlsruher Anklagebehörde wirft dem Ex-NPD-Funktionär unter anderem vor, der Neonazi-Gruppe 2001 oder 2002 eine Schusswaffe und Munition besorgt zu haben. Außerdem soll er ihnen den Kontakt zum mutmaßlichen Helfer des Neonazi-Trios Holger G. vermittelt haben.

Erst vor einer Woche war W.s Wohnung durchsucht worden. Damals hatte er noch in einer Zeitung behauptet, die drei Neonazis Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe nicht unterstützt und seit 1998 keinen Kontakt zu ihnen mehr gehabt zu haben.

Bisher vier Festnahmen

Der 36-Jährige soll noch am Dienstag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden, hieß es. Er ist neben der Hauptverdächtigen Zschäpe und dem mutmaßlichen Helfer Holger G. aus dem Raum Hannover und dem in Brandenburg gefassten André E. der vierte mutmaßliche Neonazi, der im Zusammenhang mit einer Mordserie von 2000 bis 2006 festgenommen wurde.

Dem Trio werden Morde an neun türkisch- und griechischstämmigen Kleinunternehmern und an einer Polizistin in den Jahren 2000 bis 2007 vorgeworfen. Erst Anfang November waren die Ermittler darauf gekommen, dass dieses Trio hinter der schon etliche Jahre zurückliegenden Mordserie steckt.

(APA)

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