Wieder ein Elfer-Krimi

Die Niederlande setzten sich am Samstagabend im Estadio Algarve in Faro im dritten Viertelfinal-Spiel der Fußball-Europameisterschaft gegen Schweden erst im Elfmeterschießen mit 5:4 durch.

Das Oranje-Team hat am Samstag den Fluch des Elfmeterschießens abgelegt. Drei Mal mussten die Niederlande bei Fußball-Europameisterschaften zuletzt ins Elfmeterschießen – und scheiterten jedes Mal. Bei der EURO 2004 in Portugal hielten die Nerven. Die Niederlande setzten sich im Viertelfinale vor 27.000 Zuschauern im Estadio Algarve in Faro/Loule gegen Schweden nach torlosen zwei Stunden im Elfmeterschießen mit 5:4 durch. Die Advocaat-Elf trifft nun im Halbfinale am Mittwoch im Alvalade-Stadion von Lissabon im Halbfinale auf EM-Gastgeber Portugal.

Bei den vergangenen drei Europameisterschaften schieden die Niederländer jeweils nach Elferschießen aus: 2000 bei der Heim-EM im Halbfinale gegen Italien mit 1:3, nachdem schon im Spiel zwei Strafstöße vergeben worden waren. 1996 in England im Viertelfinale mit 4:5 gegen Frankreich und 1992 in Schweden im Halbfinale mit 4:5 gegen den späteren Europameister Dänemark.

Diesmal durften van Nistelrooy und Co. einen verdienten Sieg feiern. Zunächst vergaben Ibrahimovic für Schweden und Cocu für die Niederlande, beim elften Elfer war erstmals der Torhüter siegreich, van der Sar parierte den Schuss von Schwedens Kapitän Mellberg, der 20-jährige Eindhoven-Jungstar Arjen Robben behielt die Nerven und schoss die Niederlande ins Halbfinale.

Davor hatte lange Vorsicht die Partie zwischen zwei Mannschaften geprägt, die in der Vorrunde mit erfrischendem Offensiv-Fußball begeistert hatten. Doch davon war diesmal wenig zu sehen. Schweden setzte auf Defensive und machte die Räume eng, den Niederländern fiel trotz des nominell stark besetzten Mittelfelds mit Seedorf, Davids und Cocu nichts ein. Die Angriffe des Oranje-Teams wurden zu unpräzise und langsam vorgetragen, also versuchten sie es mit Weitschüssen. Doch Robben (10.), van Nistelrooy (18.) oder Reiziger (27.) fanden ihr Ziel nicht.

Außenseiter Schweden hatte sogar die größte Chance in der ersten Hälfte. Jonson legte in der 42. Minute ideal für Svensson auf, der Mittelfeldspieler kam am Sechzehner frei zum Schuss, traf aber nur Bouma. Der Verteidiger war für Rekord-Teamspieler Frank de Boer eingewechselt worden, der sich bei einem Foul selbst verletzt hatte.

Nach der Pause gewann das Spiel an Rasse und guten Szenen. Zunächst waren die Schweden am Zug. Nach einem schweren Stam-Fehler am eigenen Fünfer kam Ibrahimovic zum Schuss, doch Cocu rettete vor der Linie (56.). In der 62. Minute hatte der vierfache EM-Torschütze van Nistelrooy die große Chance auf die Führung. Der Torjäger von Manchester United nahm sich einen Seedorf-Pass mit der Brust mit, scheiterte aber an Torhüter Isaksson, der Abpraller sprang von van Nistelrooy in den Corner.

In der Schlussphase verstärkten die Niederländer, die bei einem großen Turnier sieben Mal in der Verlängerung waren, aber kein einziges Mal gewonnen haben, den Druck und drängten auf den Siegestreffer. Doch van Nistelrooy und der eingewechselte Makaay scheiterten in der Nachspielzeit.

Auch in der Verlängerung nach Silver Goal-Regel machte die Mannschaft von Dick Advocaat Tempo, hatte aber auch Pech. Bei einem Robben-Schuss sah Isaksson schlecht aus, der Ball sprang vom Torhüter an die Stange, ehe ein Verteidiger klären konnte. Seedorf scheiterte mit einem Freistoß an Isaksson (107.), Cocu verfehlte per Kopf (108.). Nur selten kamen die Schweden vor das Tor, waren da aber brandgefährlich – und glücklos. Larsson traf nur die Latte (112.), Ljungberg die Stange (116.).

Elfmeterschießen:

1:0 Källström
1:1 van Nistelrooy
2:1 Larsson
2:2 Heitinga
2:2 Ibrahimovic – über das Tor
2:3 Reiziger
3:3 Ljungberg
3:3 Cocu – Stange
4:3 Wilhelmsson
4:4 Makaay
4:4 Mellberg – van der Sar hält
4:5 Robben

Die Niederlande treffen am Mittwoch (30. Juni, 20:45 Uhr) im Alvalade-Stadion von Lissabon auf Gastgeber Portugal, der sich ebenfalls erst im Elferschießen über England durchgesetzt hatte.

Lars Lagerbäck (Teamchef Schweden): „Im Elfmeterschießen zu verlieren ist sehr bitter. Ich glaube, wir haben sehr gut gespielt und waren den Niederländern ein ebenbürtiger Gegner. Das Spiel hätte auch anders ausgehen können.“

Arjen Robben (Spieler Niederlande): „Es ist fantastisch, unglaublich. Wir können tatsächlich Elfmeter schießen. Wir durften selbst entscheiden, wer schießt. Ich habe gesagt, ich mache das und den Verstand auf Null gestellt.“

Ruud van Nistelrooy (Spieler Niederlande): „Ein Unentschieden wäre wohl ein gerechtes Ergebnis gewesen. Wir waren am Ende die aktivere Mannschaft, deswegen haben wir glücklich, aber verdient gewonnen.“

Dick Advocaat (Teamchef Niederlande): „Es ist eine enorme Erleichterung. Es war ein schwieriges Match. Elfmeterschießen ist immer eine Lotterie und du brauchst Glück. Es war nicht unser bestes Spiel, aber mit harter Arbeit haben wir uns durchgekämpft.“

Schweden: Isaksson – Östlund, Mellberg, Jakobsson, Nilsson – Jonson (65. Wilhelmsson), Linderoth, Svensson (81. Källström), Ljungberg – Ibrahimovic, Larsson

Niederlande: van der Sar – Reiziger, Stam, F. de Boer (35. Bouma), van Bronckhorst – Cocu, Seedorf, Davids (61. Heitinga) – van der Meyde (87. Makaay), van Nistelrooy, Robben Gelbe Karten: Ibrahimovic, Östlund bzw. F. de Boer, van der Meyde.

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