Widerstand gegen Wohnbau bei ehemaligem KZ Gusen

Ehemaliger KZ-Stollen in Gusen
Ehemaliger KZ-Stollen in Gusen
In St. Georgen an der Gusen (Bezirk Perg) stoßen Pläne der Gemeinde, in der Nähe des ehemaligen KZ-Stollens "Bergkristall" eine Wohnsiedlung zu errichten, auf heftigen Widerstand. Wie die "Bezirksrundschau" am Dienstag online berichtete, wurde eine entsprechende Petition binnen Tagen von mehr als 500 Personen unterzeichnet.


Laut dem Artikel hat die Gemeinde Gründe nahe dem ehemaligen Nazi-Stollen in Bauland umgewidmet. Dort sollen 136 Wohnungen entstehen. Der Baubeginn ist für den Frühling geplant. “Keine Wohnungen an den Pforten zur Hölle” lautet der Titel der Online-Petition, die sich dagegen wendet. Die Initiatoren argumentieren, man solle das historische Areal nicht einfach verbauen, das sei nicht gut für das Ansehen der Gemeinde.

Die Vorsitzende des Gusen-Gedenkkomitees, Martha Gammer, weist zudem auf “viele neue Fakten” hin, die im Zuge von Recherchen des Filmemachers Andreas Sulzer aufgetaucht seien. Er geht Gerüchten um Atomversuche der Nazis in den Stollen des ehemaligen KZ nach und sucht nach Beweisen für die Existenz unbekannter Gänge des einst größten unterirdischen NS-Rüstungsprojektes “Bergkristall”. Gammer verlangt eine Untersuchung des Bodens.

Sulzer will im kommenden Jahr zwei Filme mit Bezug zu Gusen herausbringen. In dem KZ, einem Außenlager von Mauthausen, waren mindestens 71.000 Menschen aus 27 Nationen interniert, mehr als die Hälfte kam zu Tode. Allein das Projekt “Bergkristall” – der Bau einer acht Kilometer langen Stollenanlage zur unterirdischen Flugzeugproduktion – kostete mehr als 8.600 Häftlingen das Leben. Ein Großteil der Gänge wurde mittlerweile aus Sicherheitsgründen verfüllt.

“1968 gab es eine Begehung mit dem damaligen Bürgermeister. Es wurden Räume tief unter der Erde begangen, die wir nicht kennen und von denen die Eingänge unbekannt sind”, berichtete Gammer der Zeitung. Zudem sollen 1983 bei Wasserbohrungen neben den geplanten Wohnbauten in einer Tiefe von 19,5 Metern riesige Eisenplatten gefunden worden sein, die ein weiteres Vordringen hemmten. Bürgermeister Erich Wahl (SP) widerspricht diesen Behauptungen aber vehement: “Das mit den großen Metallplatten stimmt nicht. Auch dass es 1968 eine Begehung gab, ist frei erfunden”, ist der Ortschef überzeugt.

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