Wer ist Hanna?

Ein goldlockiger Todesengel in einem Initiationsroadmovie: Das krude Werk von Regisseur Joe Wright zeigt Cate Blanchett mit Laura-Bush-Frisur und schwule Killer in Jogginganzügen. Ab 27. Mai im Kino.
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Was soll man machen, wenn man alleine mit seinem Vater in der finnischen Wildnis aufwächst, ohne Kontakt zur Außenwelt? Eine Killermaschine werden. Zumindest ist das die Karriere der 16-jährigen Hanna (Saoirse Ronan), die vom väterlichen Ex-CIA-Agenten Erik (Eric Bana) zur Kampfmaschine ausgebildet wurde. Im Jungmädchenalter angekommen, aktiviert das ätherische Wesen das Funkgerät in der nordischen Blockhütte und hetzt damit den US-Geheimdienst, allen voran dessen bösartige Agentin Marissa Wiegler (Cate Blanchett), sowie einen schwulen deutschen Killer mit zwei Skinheads im Schlepptau auf sich. Was wie eine skurrile Gangsterkomödie klingt, ist jedoch ernst gemeint, und so beginnt eine Verfolgungsjagd von Finnland nach Marokko bis zum Showdown in Berlin. Ab Freitag (27.5.) im Kino.

Während Tochter Hanna in ein Hochsicherheitsgefängnis gebracht wird, hat sich Waldkauz Erik rasiert und ist geflohen. Die 16-Jährige tut es ihm gleich (die Flucht, nicht das Rasieren) und bricht aus dem Sicherheitstrakt aus. Ihre Mission: Sie soll Wiegler töten, was die vice versa mit ihrer Widersacherin ebenfalls vorhat. In diesem Stadium verschränkt sich die Spionagegeschichte allerdings mit einer Coming-of-Age-Fabel, in welcher der aus der ruralen Blockhütte in die Welt geworfene blonde Todesengel die Wunder der Zivilisation kennenlernt.

Hannas Herkunft birgt dabei natürlich ein dunkles Geheimnis. “Who the fuck is Hanna?” ist also in Paraphrasierung des Filmtitels eine der zentralen Fragen des Plots. Zugleich schreitet Ronan, bereits 2008 für ihre Nebenrolle in “Atonement” Oscar-nominiert, mit kaltblauen Augen durch die Welt und genießt es, mit einer britischen Familie und ihren pubertierenden Kindern ein Stück des Weges gemeinsam zu gehen.

In diesem märchenhaften Goldlockenplot der wehrhaften Gretel gibt Blanchett die Antagonistin als böse Hexe mit einer adretten Betonfrisur a la Laura Bush. Das Zauberensemble komplettiert mit einem kurzlebigen Auftritt von deutscher Seite Martin Wuttke als ungepflegter Zauberhausbewohner in einem stillgelegten Vergnügungspark. Ihn bringt die peinliche Figur Tom Hollaenders zur Strecke, der den schwulen Killer Isaacs im Designerjogginganzug als schlechte Kopie des damals schon grenzwertigen schwulen Killerpaares aus “James Bond. Diamantenfieber” gibt. Dass dem brutalen Mörder noch zwei plumpe Glatzköpfe in Springerstiefeln als potenzielle Schläger beiseite gestellt sind, komplettiert das Bild.

Alles in allem inszeniert Regisseur Joe Wright ein krudes Werk, das verschiedene Genres ebenso mischt wie die Stile. Mal sind Verfolgungsjagden im atemlosen Rhythmus eines Videoclips geschnitten, dann wiederum wechseln die kalten Farben mit weichzeichnerischem Kleinmädchenglück. Zugleich gelingen dem Werk immer wieder großartige Momente, wenn etwa Attentäterin Wiegler auf ein fahrendes Auto schießt, dieses aber im Off verunglückt und der Zuschauer mithin den Unfall lediglich akustisch vernimmt. (Martin Fichter/APA)

www.wer-ist-hanna.de

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