Wenn plötzlich die Speicherkarte nicht mehr will

Speicherkarte streikt? Wir haben passende Tipps und Tricks.
Speicherkarte streikt? Wir haben passende Tipps und Tricks. ©Canon
Die Speicherkarte streikt, was nun? Wir haben passende Tipps und Tricks für diese verzwickte Situation.

Vor allem bei der Verwendung billiger Speicherkarten kommt es mitunter vor, dass die Kamera während des Fotografierens plötzlich abstürzt, und nach dem obligatorischen Aus- und wieder Einschalten alle bisher geschossenen Aufnahmen verschwunden sind. Auch teurere Marken-Produkte sind vor solchen Aussetzern nicht gefeit. Verzweiflung und Panik sind in einer solchen Situation nur allzu verständlich, sind doch scheinbar mit einem Schlag hunderte einmalige Erinnerungen für immer zerstört. Allerdings stehen die Chancen gar nicht so schlecht, die Bilder daheim am PC wieder zu retten – vorausgesetzt, man nimmt die Karte sofort nach dem fatalen Absturz aus der Kamera und rührt bis man zuhause ist, bzw. Zugang zu einem Computer hat, nicht mehr an.

Warum die Speicherkarte streikt

Die Ursachen, die zu einem Absturz der Kamera führen können, sind vielfältig. Eine defekte Speicherzelle kann daran ebenso die Schuld tragen wie ein plötzlicher Stromverlust – ein Risiko, das unter anderem mit dem Kauf billiger Nachbau-Akkus einhergeht. Aber auch wenn der Fotograf in der Hektik den Akkus aus der Kamera nimmt, während das Gerät noch arbeitet, kann dies dazu führen, dass die Speicherkarte nach dem nächsten Einschalten von der Kamera nicht mehr richtig erkannt wird.

Glücklicherweise sind nur in den seltensten Fällen die Bilder wirklich zerstört – meist ist es nur ein einziges Foto, das unwiderruflich zu Schaden gekommen ist, sowie das Dateisystem, das Inhaltsverzeichnis der Speicherkarte. Letzteres lässt sich mit entsprechenden Software-Tools meistens wieder herstellen – vorausgesetzt, es wurden nach dem Absturz keine neuen Aufnahmen mehr geschossen. Dann wird nämlich, je nach Kamera automatisch oder erst nach einer Neuformatierung der Speicherkarte – ein neues Verzeichnis angelegt, und die Fotos, die sich ursprünglich darauf befanden, werden überschrieben, womit sie nun wirklich endgültig verloren wären. Aus diesem Grund sollte man immer ausreichend Reserve-Speicherkarten mit sich führen – fällt eine aus, packt man sie weg (sicherheitshalber auch noch den Schieber auf Schreibschutz setzen!) und fotografiert mit der nächsten weiter.

Da das Problem häufiger auftritt, als man glauben möchte, haben sich jede Menge Softwarehersteller der Rettung korrupter Speicherkarten gewidmet. Da die Entwickler mit unterschiedlichen Algorithmen arbeiten, kann es durchaus vorkommen, dass ein Programm die Daten als irreparabel einstuft, während ein anderes sehr wohl noch imstande ist, aus den in den Speicherzellen erhaltenen Bits und Bytes die Fotos wieder in ihrer Originalpracht zu neuem Leben zu erwecken.

Tipps zur Datenrettung

Ein sehr beliebtes Tool zur Datenrettung ist Piriform Recuva – in der Standard-Version ohne Support ist das Programm kostenlos, die Professional-Variante kostet knapp 20 Euro.

Das einstmals weit verbreitete PC Inspector Smart Recovery zählt zwar noch immer zu den leistungsfähigsten Programmen seiner Art, wird aber schon Jahren nicht mehr weiterentwickelt und ist unter Windows 7 oder 8 nur noch schwer zum Laufen bringen.

Auch die knapp 40 Euro teure Software Card Recovery Pro ist darauf spezialisiert, verloren geglaubte Fotos wiederherzustellen.

Langsam, dafür aber sehr hartnäckig, arbeitet sich Zero Assumption Recovery (ZAR) ans Ziel vor und liefert auch dort, wo die meisten anderen Programme aussteigen, noch ein gutes Ergebnis. Zur Rettung von Fotos ist ZAR kostenlos, für etwa 50 Euro gibt es eine Vollversion, die auch andere schadhafte Dateien wiederherstellen kann.

Für all diese Programme gelten ein paar grundsätzliche Regeln:

  • Einen externen Kartenleser am PC anschließen, und nicht die Kamera als solchen benutzen!
  • Niemals versuchen, die Dateien direkt auf der Karte zu reparieren, sondern immer als Zielordner die Festplatte des Computers angeben!
  • Sicherheitshalber mit dem kleinen Schieber den Schreibschutz auf der Speicherkarte aktivieren, um die Daten vor einer versehentlichen, weiteren Beschädigung zu schützen!

Sollten alle eigenen Versuche nicht klappen, gibt es noch immer die Möglichkeiten, einen professionellen Datenrettungsdienst einzuschalten, was allerdings ziemlich teuer werden kann, wenn die traditionellen Techniken nichts mehr helfen und forensische Methoden eingesetzt werden müssen.

(Text: Uwe Fischer)

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