Wenn einer eine Reise tut...

Die unermüdliche Jagd nach Geld hat uns nach Meinung der Experten die Finanzkrise eingebrockt. Doch es geht auch anders: die User von eurobilltracker.com rennen zwar auch dem Geld hinterher, doch Schaden nimmt dabei gottlob niemand.

Es gibt kaum etwas Alltäglicheres als Banknoten. Wir verwenden sie jeden Tag, reichen sie weiter, tauschen sie gegen Waren ein und ärgern uns dann darüber, dass schon wieder keine davon im Portemonnaie sind. Doch haben sie sich schon mal gefragt woher der 5-Euro-Schein eigentlich kommt, mit dem Sie heute Morgen ihr Kipferl bezahlt haben? Wo ist er davor gewesen? Welche Geschichte könnte er wohl erzählen? Ein Euroschein ist nämlich mitunter ziemlich reiselustig und sofern sie nicht ihr Dasein als eiserne Reserve unter Omas Matratze fristet, kommt so eine Banknote ganz schön in der Welt herum. Die landesspezifischen Prägungen von Münzen machen die Bestimmung der Herkunft noch relativ einfach. Bei Banknoten ist die Sache jedoch schon anders, denn die sehen alle gleich aus – bis auf zwei Details: Seriennummer und Druckereicode.

Die stets wachsende Community der völlig kostenlosen Seite www.eurobilltracker.com ist voll und ganz der Faszination verfallen die Herkunft und die Reiseroute von Euro-Banknoten zu dokumentieren und somit rückverfolgbar zu machen. Was klein begann hat sich innerhalb von wenigen Jahren zu einer gewaltigen, weltumspannenden Schnitzeljagd emporgeschraubt. Mittlerweile beteiligen sich tausende von Scheinjägern aus Europa und der ganzen Welt an dem Projekt und haben dabei schon knapp 56 Millionen Scheine registriert. Mitmachen kann dabei jeder und es ist noch dazu ganz simpel: Man muss einfach die Seriennummer seiner Geldscheine in die zentrale Datenbank von EuroBillTracker eingeben. Somit kann festgehalten werden, wo ein spezieller Schein zu einem bestimmten Zeitpunkt war. Wenn nun ein anderer Benutzer die Nummer dieses Scheins erneut eingibt kann man sehen wie weit und wie schnell der Schein gereist ist. Je mehr Menschen dabei mitmachen, desto mehr Scheine und desto genauer werden die Informationen über die Wege, welche die Scheine zurücklegen.

In Österreich scheint das Hobby der virtuellen Geldscheinjagd besonders beliebt zu sein. Mittlerweile ist Wien die Stadt mit den meisten registrierten Geldscheinen und auch im Länder-Ranking liegt das kleine Österreich an 2. Stelle hinter Deutschland. Die Faszination liegt dabei aber nicht nur dabei, die mitunter erstaunlichen Reiserouten von Banknoten zurückzuverfolgen, sondern auch in den Statistiken, die sich aus der Dokumentation ablesen lassen. Dadurch, dass man anhand des Buchstabens erkennen kann, aus welchem Land der Geldschein stammt (“N” ist z.B. Österreich oder “X” ist Deutschland) lassen sich durchaus interessante Aussagen treffen: So sind 42 % aller Scheine, die in Österreich im November 2008 registriert wurden, auch N-Scheine – der Rest ist sozusagen zugewandert. Das Positive dabei: Auch die ausländischen Euros scheinen sich problemlos in österreichische Geldbörsen integriert zu haben. Ausländerfeindlichkeit scheint hierbei also kein Thema zu sein.

Wollen sie auch Geldscheinjäger werden?
www.eurobilltracker.com

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