Weninger: "Habe möglicherweise nicht so aufgepasst"

Im BAWAG-Prozess wird am Montag der damalige BAWAG-Aufsichtsratspräsident Günter Weninger einvernommen.

Nachdem er erstmals telefonisch vom BAWAG-Generaldirektor Helmut Elsner über den Verlust von 639 Mio. Dollar (467 Mio. Euro) erfahren hatte, nahm Weninger am 27. Oktober 1998 an einer dreistündigen Krisensitzung des BAWAG-Vorstands teil. Er habe dabei „sehr viele Fragen gestellt, über die Flöttl-Geschäfte, das Vermögen des Doktor Flöttl“, sagte Weninger heute am 13. Verhandlungstag im BAWAG-Prozess.

Der Vorstand habe ihn darauf hingewiesen, dass der Aufsichtsrat „hin und wieder“ über die Geschäfte mit Wolfgang Flöttl informiert worden sei, gab Weninger zu Protokoll: „Ich musste zur Kenntnis nehmen, dass es zumindest einen Bericht gegeben hat.“ Der ehemalige Aufsichtsratspräsident räumte im Nachhinein ein, diesem Bericht zunächst möglicherweise nicht hinreichende Bedeutung beigemessen zu haben: Er habe bei Antritt seines Amtes zwar immer darauf geachtet, „dass aufgepasst wird, aber möglicherweise habe ich nicht so aufgepasst oder ihn (den Bericht, Anm.) nicht so ernst genommen“.

Er habe sich am 27. Oktober vor allem die Frage gestellt, „wie Doktor Flöttl in so kurzer Zeit so viel Geld verlieren kann“, erinnerte sich Weninger. Er persönlich habe die behaupteten Verluste angezweifelt. Elsner habe diese jedoch „relativ plausibel“ erklärt, „die anderen Vorstände haben dabei gesessen und ab und zu genickt“. Es sei auch zugesichert worden, die Verluste von unabhängiger Seite nachprüfen zu lassen, so Weninger.

Flöttl sei von Seiten des Vorstands kein Vorwurf gemacht worden: „Die Stimmung war, er wollte das große Geld machen, ist aber so wie andere Investoren auch auf die Nase gefallen. Man hat nicht das Gefühl gehabt, dass Doktor Flöttl ein unvorsichtiger Mann war.“

Für ihn sei es „eine selbstverständliche Sache“ gewesen, dass Flöttl der BAWAG sein Vermögen zur Verfügung stellte, um die erlittenen Verluste auszugleichen und „Rechtsstreitigkeiten aus dem Weg zu gehen“, sagte Weninger. Er sei überzeugt gewesen, dass dieses Vermögen ausreiche, um die Verluste abzudecken. Elsner habe versichert, er kenne das Vermögen, habe Bilder von Flöttls Palais in London und seinen Liegenschaften in der Karibik („Eine ganze Halbinsel!“, schwärmte Weninger) hergezeigt. In Folge dessen habe man Flöttl einen Betriebsmittelkredit gewährt, um diesen weiter am Markt zu halten, und ein Neuinvestment getätigt.

Weninger ließ in seiner Einvernahme stellenweise deutliche Selbstkritik durchblicken. „Vielleicht sind von mir damals nicht alle Fragen so gestellt worden, wie ich sie heute stellen würde“, räumte er ein.

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