Weninger überlegte, BAWAG-Vorstand "hinauszuschmeißen"

Im Dezember 2000 erfuhren nach Elsner auch die übrigen Vorstandsmitglieder von den neuerlichen Verlusten im Zusammenhang mit den von Wolfgang Flöttl vorgenommenen Uni-Bonds-Veranlagungen, die die BAWAG mit 430 Mio. US-Dollar gespeist hatte.

Bei einer Vorstandsbesprechung war auch BAWAG-Aufsichtsratspräsident Günter Weninger dabei, der seinen Angaben zufolge bei dieser Gelegenheit erstmals erfuhr, dass nicht der renommierte Londoner Portfolio-Manager Kaveh Alamouti, sondern wiederum Wolfgang Flöttl in diese Geschäfte eingebunden war und dieser somit Bankvermögen von über 1,4 Mrd. US-Dollar verspielt hatte.

„Ich habe von diesen neuen Einsätzen nichts gewusst. Ich war sehr aufgebracht, weil Herr Elsner mit der Tür ins Haus gefallen ist und gesagt hat, Flöttl habe sich vereinbarungswidrig verhalten und wieder alles verloren“, gab Weninger im Großen Schwurgerichtssaal heute zu Protokoll. Für ihn sei der Name Flöttl zu diesem Zeitpunkt „ein rotes Tuch gewesen, weil ich angenommen habe, man hat mit Flöttl nichts mehr zu tun“, betonte Weninger. Elsner habe jedoch „sehr plausibel erklärt“, den Vorstand treffe an den neuerlichen Verlusten keine Schuld: „Er hat berichtet, Flöttl habe vereinbarungswidrig zugegriffen, obwohl er das nicht durfte.“ Zunächst sei von verlorenen 350 Mio. US-Dollar die Rede gewesen, erinnerte sich der Ex-Aufsichtsratspräsident: „Dass es 430 Millionen waren, dürfte erst später in weiteren Gesprächen herausgekommen sein.“

Er habe in dieser Situation kurz überlegt, den gesamten Vorstand „hinauszuschmeißen“, verriet Weninger dem Schöffensenat. Im Hinblick auf Elsners überzeugende Darstellung, dieser sei von Flöttl hintergegangen worden, habe er davon Abstand genommen. Er habe damals „keine Verdachtsmomente gehabt, die ich heute habe“, wonach Elsners Schilderungen nicht der Wahrheit entsprechen könnten. Hätte er das gewusst, was er heute wisse, „wäre das für mich eine ganz andere Situation gewesen“, erläuterte Weninger.

Aus heutiger Sicht sei es „sicher ein Fehler“ gewesen, den Vorstand nicht abzulösen. „Aber man muss auch sagen, Herr Elsner war eine hoch angesehene Persönlichkeit. Er ist bei allen Politikern aus- und eingegangen. Heute wird er verteufelt, aber damals war er eine hoch angesehene Persönlichkeit“, betonte Elsner.

Elsner war mit diesen Aussagen Weningers nicht einverstanden. Der Ex-BAWAG-Chef kündigte die Vorlage von Unterlagen an, mit denen er beweisen will, dass der Aufsichtsratspräsident über das Investment in der Höhe von 430 Mio. US-Dollar Bescheid wusste. Es sei ihm „ein Anliegen“ gewesen, Weninger „so schnell wie möglich zu informieren“, als ihm Flöttl den neuerlichen Totalverlust beichtete, sagte Elsner.

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