Weniger Feuerwerk bringt weniger schwere Verletzungen

Feuerwerkskörper: Schön aber gefährlich.
Feuerwerkskörper: Schön aber gefährlich. ©APA/HANS PUNZ
In Deutschland und den Niederlanden wurde heuer ein generelles Verkaufs- bzw. Gebrauchsverbot für Böller, Raketen & Co. verhängt. Das sorgt dafür, dass auch die schweren Verletzungen rückläufig sind.

Auch Covid-19-bedingt wurde in Deutschland und den Niederlanden für den Silvester 2020 ein generelles Verkaufs- bzw. Gebrauchsverbot für Böller, Raketen & Co. verhängt. In Österreich konnte man sich dazu nicht entschließen. Auf jeden Fall würden Restriktionen die Zahl der Verletzungen durch Pyrotechnik deutlich verringern. Darauf deuten Erfahrungen und wissenschaftliche Studien hin.

500 Verletzungen an den Augen können vermieden werden

Eindeutig positiv zu dem Pyrotechnik-Verkaufsverbot im Jahreswechsel-Lockdown äußerte sich die Fachgesellschaft der deutschen Augenärzte. "Es hilft, 500 Verletzungen an den Augen zu vermeiden, die sich alljährlich durch Feuerwerk über den Jahreswechsel ereignen", betonte der Präsident der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) Hagen Thieme vor einigen Tagen.

Zur Gefährlichkeit der Knallerei gibt es aus Deutschland harte Daten. Seit dem Jahreswechsel 2016/2017 führt die DOG jedes Jahr zu Silvester eine Umfrage bei deutschen Augenkliniken zu Augenverletzungen durch Feuerwerkskörper durch. An der Umfrage zum Jahreswechsel 2019/2020 beteiligten sich 59 Augenkliniken und meldeten insgesamt 523 Verletzte. "Leider bestätigte sich 2019/2020 erneut, dass mit 60 Prozent mehrheitlich unbeteiligte Zuschauer oder Passanten Opfer von Verletzungen werden", erläuterte Studienautorin Ameli Gabel-Pfisterer, Augenärztin am Ernst von Bergmann-Klinikum in Potsdam. "Zugleich hat der Anteil der Verletzten in der Altersgruppe der unter 18-Jährigen zuletzt mit 40 Prozent einen traurigen Rekordwert erreicht."

25 Prozent werden schwer an den Augen verletzt

Pyrotechnik ist vor allem gefährlich. Über alle vier Erhebungszeiträume hinweg zeigte sich in Deutschland ein gleiches Verteilungsmuster. "Drei Viertel der Patienten kommen mit vergleichsweise leichten Verletzungen an Augenlid, Hornhaut oder Bindehaut davon, die ambulant behandelt werden können", berichtete Daniel Böhringer von der Universitäts-Augenklinik Freiburg, der ebenfalls an den Erhebungen mitgearbeitet hat. An die 25 Prozent der Patienten erleiden hingegen eine schwere Verletzung, die stationär oder sogar in einer Notoperation versorgt werden muss.

"Dazu zählen Prellungen oder Risse im Augapfel, oft in Verbindung mit Verletzungen am Lid und der Augenoberfläche", so Böhringer. Teilweise kam es zusätzlich zu Trommelfellschäden oder Verletzungen an der Lunge, im Gesicht oder an Händen, die im Extremfall sogar eine Amputation erforderlich machten.

Burschen und junge Männer besonders gefährdet

Die betroffene Risikogruppe ist klar. "Insgesamt weisen Burschen und junge Männer ein deutlich höheres Risiko für schwere Verletzungen auf", erläuterte Ameli Gabel-Pfisterer. Schätzungsweise 40 Prozent der schwer Verletzten werden vermutlich unter dauerhaften Folgen wie Sehverschlechterung oder Narbenbildung leiden. "Kinder verletzen sich vor allem an Knallkörpern, die sie zum Beispiel vom Boden aufsammeln oder nach dem Zünden zu lange in der Hand halten. Erwachsene hingegen ziehen sich Verletzungen zumeist durch Raketen zu.

Schwere der Verletzungen nahm bei weniger Unfällen zu

Die deutsche Wissenschafterin hat gemeinsam mit Jan Tjeerd de Faber von der Augenklinik Rotterdam landesweite Register speziell zu Verletzungen durch Pyrotechnik in Finnland über 20 Jahre hinweg und in den Niederlanden über zehn Jahre hinweg ausgewertet. Dabei zeigte sich ein großer Effekt von Beschränkungen beim Zeitraum, in dem Knallkörper, Raketen etc. verwendet werden dürfen. Gute Wirkung hatte auch die Verpflichtung, Schutzbrillen zu tragen.

"In den beiden Ländern ging die Häufigkeit von Verletzungen durch Unfälle mit Pyrotechnik innerhalb von zehn Jahren auf die Hälfte zurück", schrieben die Fachleute in ihrer Übersichtsarbeit. Allerdings wurde auch ein negative Trend beobachtet: Die Schwere der Verletzungen nahm bei weniger Unfällen zu. Das dürfte mit immer "potenteren" Pyrotechnik-Artikeln zu tun haben.

(APA/Red)

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