Wenig Wiener Charme am 64. Opernball in New York

Am Freitag fand der Viennese Opera Ball in New York statt.
Am Freitag fand der Viennese Opera Ball in New York statt. ©APA/Erwin Scheriau (Themenbild)
Am Freitag fand in New York der 64. Opernball (Viennese Opera Ball) statt. Dieser konnte allerdings nicht ganz mit seinem Wiener Charme überzeugen.

“Alles Walzer!” hieß es gestern, Freitagabend, zum 64. Mal in Manhattan beim New Yorker Opernball (“Viennese Opera Ball”) als Ball-Präsidentin Silvia Frieser und künstlerischer Direktor Daniel Serafin zum Tanz im Nobelrestaurant Cipriani, baten. Wiener Charme lag allerdings nicht in der Luft. Aber Ferruccio Furlanetto begeisterte mit Sängern der Metropolitan Opera – mit Opernhits versteht sich.

Der New Yorker Opernball ist seit 1955 ein Vertreter des kulturellen Erbes Österreichs im Big Apple. Hier soll ein Hauch der k.u.k-Monarchie in New York versprüht werden. In einem Bezirk wie Manhattan wirkt das Ganze aber eher altbacken. Er ist das amerikanische Gegenstück zum weltberühmten Wiener Opernball, der in seinen Grundzügen auf 1814 zurückgeht. Ein Vergleich mit dem Original, das in diesem Jahr am 28. Februar stattfindet, ist allerdings mehr als müßig.

Eröffnung des Viennese Opera Ball zum traditionellen Kaiserwalzer

Nach einem kurzen “VIP”-Empfang, dauerte es nicht lange, und einige Kadetten einer amerikanischen Militärakademie, der West Point Cadet Color Guard, marschieren samt Fahnen in den mit roten Rosen geschmückten Saal ein, bevor die österreichische und amerikanische Nationalhymnen gespielt wurden. Daniel Serafin begrüßte und dankte den Debütantinnen, Künstlern und Gästen.

Dann waren die achtzehn Debütanten und Debütantinnen an der Reihe, darunter Siena Rumbough (Enkelin von Hollywood-Schauspielerin Dina Merrill und Urenkelin von E.F. Hutton und Marjorie Merriweather Post). Sie zogen zum Jubelmarsch für Kaiser Franz Josef in den Saal ein und eröffneten den Ball zum traditionellen Kaiserwalzer von Johann Strauß, gespielt vom Salonorchester Divertimento Viennese, das extra aus Wien eingeflogen wurde. Die Eröffnung gestaltete die Tanzschule von Roman E. Svabek, unter der Leitung von Sandra Stockmayer, die auch für den Wiener Opernball verantwortlich zeichnet.

Ball in New York stand unter Zeichen von Joseph Haydn

Klassische Bälle, mit Frackpflicht, “white tie”, und langem Abendkleid bis zum Boden, gibt es in New York City kaum. Der Besuch eines solchen Events ist für Amerikaner deshalb eine exotische Angelegenheit, genauso wie der Walzer. “Ich wollte einfach lernen, wie man Walzer tanzt”, erzählt Blair Kennedy, eine junge amerikanische Debütantin, der APA. “Ich habe noch nie zuvor Walzer getanzt”, sagt eine andere junge Dame.

Künstlerisch stand die Ballnacht heuer im Zeichen von Joseph Haydn, dessen 210. Todestages 2019 gedacht wird. Ihm war auch ein eigenes Blaufränkisch-Merlot-Cuvee vom Weingut Esterhazy gewidmet, das an die Ballgäste ausgeschenkt wurde. Nicht sehr österreichisch fiel im Gegensatz zur Musik aber das Essen aus. Als Appetizer gab es Mozzarella und Kirschtomaten, im Anschluss daran Pilzrisotto, dann Rinderfilet, und als Dessert Tiramisu und Windgebäckkuchen.

Ball vor 64 Jahren von Exilösterreicherin gegründet

Vor 64 Jahren wurde der Ball von Exilösterreichern gegründet. Heute trifft sich hier das Who’s who der österreichischen Kultur und Wirtschaft mit ihren amerikanischen Freunden und Geschäftspartnern, von denen man erhofft, dass sie nicht nur ihre Herzen für Musik, sondern auch ihre Geldbörsen öffnen. Schließlich wird mit den Einnahmen des Balls die Musiktherapie am Memorial Sloan Kettering Cancer Center in Zusammenarbeit mit der Gabrielle’s Angel Foundation for Cancer Research unterstützt.

Und so werden am Ball auch österreichische Marken etwas skurril in Szene gesetzt, wenn eine junge Dame den ganzen Abend mit einem Tutu aus Palmers-Münzen herumläuft. Dementsprechend üppig fiel dann auch die Damenspende aus mit Geschenken von Sponsoren, Sekt von Schlumberger, Kaffee von Bieder & Maier, Schorle aus dem Haus Kendlbacher und ähnlichen rot-weiß-roten Preziosen.

An der Veranstaltung nahmen fast 400 Gäste teil, darunter Wolfgang Binder, Fachgruppenobmann der Wiener Kaffeesieder in der Wirtschaftskammer, Franz Patay als Geschäftsführer der Vereinigten Bühnen Wien, Donatella Ceccarelli von der Flick Privatstiftung, sowie Lisa und Lucas Wieser von Palmers. Die New Yorker Society-Lady Jean Shafiroff, Vorsitzende des Ballkomitees, bedankte sich bei Österreich für die “großartige Freundschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika”. Dann fügte sie hinzu: “God bless you, Gott segne euch, und let’s party!”

Wiener Flair kam am Ball in Manhatten leider nicht auf

Die “Party” ließ dann aber etwas zu wünschen übrig. Eine amerikanische Dame erkundigte sich, warum die Gäste so gelangweilt aussehen. Vielleicht weil die Dichte von Politikern und Diplomaten sehr hoch war, was angesichts des Gastgebers, der Österreichischen Wirtschaftskammer in den USA, nicht überrascht. Erschienen waren unter anderen Generalkonsul Helmut Böck, Wiens FPÖ-Vizebürgermeister Dominik Nepp, ÖVP-Stadtrat Markus Wölbitsch, Landtagspräsident Ernst Woller (SPÖ) und die amerikanische Kongressabgeordnete der Demokraten, Carolyn Maloney.

Einen Stimmungsaufheller gab es dann aber doch, und zwar die Opernsänger der Metropolitan Opera of New York, allen voran der italienische Doyen Ferruccio Furlanetto. Für den Viennese Opera Ball konnte Serafin auch die Met-Stars Nadine Sierra, Tenor Javier Camarena, Rihab Chaieb und Grammy-Gewinner Lucas Meachem gewinnen, der ein Lied aus Rossinis “Barbier von Sevilla” sang.

Und dennoch: Richtiges Wiener Flair kam nicht auf beim 64. Viennese Opera Ball. Andererseits ist Granteln ja auch ziemlich Wienerisch.

(APA/Red)

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