Größte Bruegel-Ausstellung eröffnet im KHM

Die Ausstellung im KHM Wien eröffnet am 2. Oktober.
Die Ausstellung im KHM Wien eröffnet am 2. Oktober. ©APA (Themenbild)
Ab dem 2. Oktober 2018 eröffnet das Kunsthistorische Museum Wien (KHM) die größte Ausstellung des flämischen Meisters Pieter Bruegel des Älteren. Fast 30 Gemälde des wichtigsten Vertreters der flämischen Malerei werden  bis 13. Jänner 2019 ausgestellt.

Der belgische König Philippe hat am Montagabend die große Bruegel-Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien (KHM) eröffnet. Zuvor hatten er und seine Gemahlin Mathilde sich bei der Führung durch KHM-Generaldirektorin Sabine Haag ungewöhnlich viel Zeit genommen. Kein Wunder, handelt es sich doch laut Museum um eine “One in a lifetime”-Schau, eine noch nie dagewesene Gelegenheit.

Haag nannte die Eröffnung denn auch “eine Sternstunde in der Ausstellungsgeschichte unseres Hauses”. Diese erste monografische Präsentation von Pieter Bruegel dem Älteren (um 1525/1530-1569) sei “ein ambitioniertes Projekt der Superlative”, das so nur in Wien zu realisieren gewesen sei, wo mit 12 gesicherten Gemälden des flämischen Meisters beinahe ein Drittel seiner erhaltenen Bilder aufbewahrt werde. Eine “wahrhaft sensationelle Anzahl von Leihgaben” sowie ein enger Forschungsaustausch mache die Ausstellung zu einem “wahrhaft europäischen Ausstellungsprojekt”. Und Sabine Pénot versicherte namens des Kuratorenteams: “Es war wahrhaftig jede Mühe wert!”

Belgisches Königspaar besucht Bruegel-Ausstellung im KHM

“Wir haben nicht zu hoffen gewagt, beinahe 30 Gemälde und fast die Hälfte der Zeichnungen und Druckgrafiken ausstellen zu können”, sagte KHM-Generaldirektorin Sabine Haag am Montag vor Journalisten in Wien. Bruegel (um 1525/1530-1569) ist der wohl wichtigste Vertreter der flämischen Malerei des 16. Jahrhunderts und ist vor allem für seine Darstellungen des bäuerlichen Lebens bekannt. Unter dem Titel “Bruegel” wird dem flämischen Meister anlässlich seines 450. Todestages die “weltweit erste monumentale Schau” gewidmet.

Das KHM bietet sich als Ausstellungsort an, da es mit zwölf Bruegel-Gemälden die größte Sammlung des Malers besitzt. Dass “Bruegel” unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Alexander van der Bellen und dem belgischen Königspaar steht, die am Abend die Werkschau eröffnen werden, ist für Haag eine “große Auszeichnung für unser Haus und das Projekt”.

Internationale Leihgeber tragen zur Bruegel-Ausstellung im KHM bei

Ohne die zahlreichen internationalen Leihgeber wäre die Ausstellung “niemals möglich gewesen”, unterstrich Haag. Zu den präsentierten Werken gehören “Der Triumph des Todes” aus dem Prado in Madrid, “Die Heuernte” aus dem Palais Lobkowicz in Prag und “Die Anbetung der Könige im Schnee” aus der Sammlung Oskar Reinhart in Winterthur. Damit letzteres dem KHM ausgeliehen werden konnte, sei in der Schweiz sogar ein Gesetz geändert worden. Die Ausstellung zeigt auch das Gemälde “Die Bucht von Neapel” von 1563, das erst nach der kürzlich abgeschlossenen Restaurierung eindeutig Bruegel zugeordnet werden konnte.

Die Werkschau sei ein “ganz besonderes Highlight, denn nie wieder werden so viele Originale an einem Ort versammelt sein können”, erklärte Haag. Die Werke seien nämlich sehr fragil und ihr Transport riskant. So konnten beispielsweise die drei weltweit erhaltenen auf “Tüchlein” gemalten Werke nicht ausgeliehen werden. “Es ist uns wichtig, dass die Besucher ein möglichst unmittelbares Erlebnis haben können und die Originale nicht aus der zehnten Reihe betrachten müssen”, sagte sie. Darum habe das KHM zum ersten Mal ein Timeslotsystem eingeführt.

Der kreative Prozess steht bei Ausstellung im KHM Wien im Mittelpunkt

Aufgrund der Einmaligkeit der Ausstellung sei es Haag besonders wichtig gewesen, mit den “Besten der Besten” als Kuratoren zu arbeiten. Die Werkschau gehe auf ein sechsjähriges internationales Forschungsprojekt zu Bruegel zurück, dessen Ergebnisse nun im KHM gezeigt werden sollen. Dies sei für die Kuratorin Sabine Pernot auch “der Schlüssel zum Erfolg” für die Ausstellung.

Der Schwerpunkt der Präsentation liegt laut Kurator Manfred Sellink nicht so sehr auf der Ikonografie. Vielmehr wolle man anhand der Techniken den Schaffensprozess und die Arbeitsweise Bruegels verdeutlichen. “Der kreative Prozess steht im Mittelpunkt”, sagte er. Dieser ziehe sich als “roter Faden” durch die Ausstellung, erklärte auch Penot. Um die “materiellen Aspekte des Werks” aufzuzeigen, werde beispielsweise “Die Kreuztragung Christi” von vorne und hinten sichtbar und ohne Rahmen präsentiert.

Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen rühmte die enge Zusammenarbeit von vielen internationalen Institutionen. “Es wäre wunderbar, wenn Kooperationen in anderen Bereichen so erfolgreich wären wie bei Kunst und Kultur.” Er versuchte sich in mehreren verschiedenen Aussprachen des Künstlernamens und versicherte, eine Stunde sei bei weitem nicht genug für den Besuch der Ausstellung: “Wir sind nicht nur beeindruckt, wir sind fasziniert. Wir kommen wieder!”

Fotoprojekt “Inside Bruegel” zeigt Gemälde in neuem Licht

“Wir wollen in der Ausstellung auch die seit der Entstehung vergangenen 450 Jahre verdeutlichen und vermitteln, welches Wunder es ist, dass die Gemälde noch erhalten sind”, erklärte Kuratorin Elke Oberthaler. In den Kabinetten werden darum anhand von Ausschnitten die unterschiedliche Techniken Bruegels gezeigt. Die Arbeitsmethodik sei durch die Untersuchung der Gemälde mit Infrarot, UV und Röntgen, die jeweils unterschiedliche Schichten der Werke zeigen, offenbart worden.

Parallel zur Schau sei zudem das Fotoprojekt “Inside Bruegel” entstanden. “Damit können die zwölf Bruegel-Gemälde des KHM völlig neu erlebt werden”, erläuterte Projektleiter Frederik Temmermans. So könne jeder online die Bilder untersuchen und die Details ausgiebig vergrößern, um alle Einzelheiten des Bildes zu erforschen. “Als Begleitung zur Ausstellung kann man so mit der Webseite auf alle Besonderheiten achten”, sagte er. “Das sind Details, die man normalerweise als Ausstellungsbesucher nicht wahrnehmen kann”, sagte er. “Die digitale Welt hat uns ungeahnte Möglichkeiten gegeben, tief in das Werk einzudringen”, fügte Haag hinzu.

(APA/Red)

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