Weltsozialforum: Rekordteilnehmerzahl

Zum Abschluss des größten Weltsozialforums haben Globalisierungskritiker zu Protesten gegen die Besetzung des Irak am ersten Jahrestag des US-Angriffs am 20. März aufgerufen.

Die Organisatoren des Treffens in der indischen Großstadt Bombay (Mumbai) übten am Mittwoch massive Kritik an der Rede zur Lage der Nation von US-Präsident George W. Bush, wonach die USA keine Erlaubnis bräuchten, um Krieg zu führen. Solche Aussagen könne nur ein Diktator machen, hieß es.

Nach Angaben der Organisatoren kamen bis zu 120.000 Globalisierungskritiker aus 151 Ländern zum vierten Weltsozialforum. Damit wurde die bisherige Rekordteilnehmerzahl von 100.000 Teilnehmern vom WSF 2003 im brasilianischen Porto Alegre übertroffen. Das WSF versteht sich als Gegenpol zum Weltwirtschaftsforum, das am Mittwoch im schweizerischen Davos begann. Zur Abschlusskundgebung in Bombay marschierten zehntausende Globalisierungskritiker durch die Innenstadt der Finanzmetropole. Der Protestzug vereinte ein letztes Mal die unterschiedlichsten Interessengruppen: Angehörige der Kastenlosen Indiens (Dalit), tibetische Mönche, palästinensische Gruppen und Kriegsgegner sangen und tanzten auf der Straße.

Unter dem Motto „Eine andere Welt ist möglich” hatten sie sechs Tage auf rund 1200 Veranstaltungen Strategien unter anderem gegen globale Armut, Unterdrückung, Fundamentalismus, Krieg und ungerechten Welthandel diskutiert. Das Weltsozialforum selbst kann keine Beschlüsse fassen oder Kampagnen starten – was seine Kritiker bemängeln. Es versteht sich seit Anbeginn als offenes Treffen, wo jeder zu Wort kommen kann und sich niemand Abstimmungen unterordnen muss.

Ein Schwerpunkt lag in diesem Jahr auf den Folgen von Rassen- und Kastendiskriminierung in Indien und den Entwicklungsländern. Die Teilnehmer der Abschlussdemonstration zogen ein unterschiedliches Resümee: „Es war eine großartige Erfahrung”, sagte Luciano Pitzais, Rechtsberater einer niederländischen Firma. „Die großen Redner waren nicht so hilfreich”, befand Troy David aus Straßburg: „Sie haben sich über alles beschwert, ohne Lösungen aufzuzeigen.”

Das globalisierungskritische Netzwerk Attac zog eine positive Bilanz. „Hier herrschte die gleiche Stimmung von Pluralität und Entschlossenheit, die wir aus Porto Alegre kannten”, sagte Sven Giegold vom Koordinationskreis von Attac Deutschland. Die globalisierungskritische Bewegung sei durch die asiatischen Akteure und Themen sehr bereichert worden, schrieb Attac Österreich am Mittwoch in einer Aussendung.

Eine Radikalisierung des Forums, wie sie von einigen Medien offenbar konstatiert werde, sei nicht festzustellen, heißt es weiter. „Es überrascht aber nicht, dass Betreiber der neoliberalen Globalisierung ihre Kritiker als radikal darstellen oder spalten wollen”, sagte die österreichische WSF-Teilnehmerin Pia Lichtblau von Attac laut der Aussendung. Was sich dramatisch radikalisiert habe, seien die globalen Ungleichheiten.

Drei Jahre nach dem ersten Treffen im brasilianischen Porto Alegre fand das Weltsozialforum heuer erstmals in Asien statt. Nach Angaben eines der Mitbegründer des Weltsozialforums, Chico Whitaker, wollen sich die Globalisierungskritiker im kommenden Jahr wieder in Porto Alegre treffen. 2006 solle das Forum dann in Afrika organisiert werden. Ein bestimmtes Land nannte er nicht.

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