Weitere Verzögerung bei Mahnmal für homosexuelle NS-Opfer

Der Künstler Hans Kupelwieser hat einen neuen Entwurf vorgelegt. Nun droht er mit dem Ausstieg, falls nicht bald eine Entscheidung gefällt wird. Das Mahnmal sollte bereits 2007 eröffnet werden.

Im Jahr 2007 hätte ein Mahnmal für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus in Wien eröffnet werden sollen – und noch immer zeigt sich der projektierte Standort Morzinplatz als Wüstenei. Nachdem der prämierte Entwurf “Rosa Platz” von Hans Kupelwieser wegen technischer Schwierigkeiten gekippt wurde, hat der Künstler nun ein neues Projekt vorgelegt. Sollte dessen Überprüfung durch die Techniker nicht bald abgeschlossen sein, will Kupelwieser jedoch endgültig aussteigen.

So müssten bald nach Ostern die Ergebnisse vorliegen, hoffte der Künstler im APA-Gespräch: “Es zieht sich schon ziemlich.” Er behalte sich allerdings vor, ganz aus dem Projekt auszusteigen, sollten vonseiten des Magistrats wieder zu viele Auflagen gemacht werden: “Wenn das dann formal nicht passt, dann würde ich es gar nicht mehr machen.”

Der 1948 geborene Niederösterreicher hatte 2006 den Wettbewerb für ein Mahnmal der homosexuellen und transgender NS-Opfer mit einem 20 mal 20 Meter großen Bassin für sich entschieden, das mit rosa Wasser gefüllt werden sollte. Durch das Becken sollte sich der Schriftzug “Que(e)r” ziehen, der an den Begriff “Queer” für von der heterosexuellen Norm abweichende Spielarten der Liebe gemahnte. Trotz Versuchsbeckens im Prater konnte jedoch keine alltagstaugliche Farbe gefunden werden, hieß es im Büro von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S), weshalb Kupelwieser zu einem neuen Entwurf überredet wurde.

Dieser habe nun nichts mehr mit Wasser zu tun, betont der Künstler: “Es geht aber auch wieder um einen Platz.” Dieser sei ähnlich wie das vorherige Projekt dimensioniert und solle ebenso auf dem Morzinplatz nahe dem Standort der einstigen Gestapo-Zentrale errichtet werden.

“Es wird jetzt auf Herz und Nieren geprüft”, heißt es aus dem Büro Mailath-Pokorny. In der technischen Vorprüfung werde vor allem auf die Statik ein Augenmerk gelegt, da sich unter dem geplanten Standort eine Tiefgarage befindet. Zu einem möglichen Zeitplan für Präsentation oder Baubeginn könne man jedoch noch gar nichts sagen.

Enttäuschung über die Verzögerungen herrscht in der homosexuellen Community. “Ich finde es sehr bedauerlich, dass es das immer noch nicht gibt. Es gibt doch noch einige Überlebende, und die hätten es gerne noch verwirklicht gesehen”, meinte der Sprecher der Hosi (Homosexuelle Initiative), Christian Högl, gegenüber der APA. Es gehe schließlich auch um ein Signal, und da sei notfalls ein kleiner Gedenkstein besser als ein Monumentalprojekt, das nicht zu realisieren sei.

Marco Schreuder (G), einzig offen schwuler Wiener Landtagsabgeordneter, bedauerte, dass es zum neuen Kupelwieser-Projekt offensichtlich keine Diskussion gebe – im Gegensatz zum Erstvorschlag. So müssten sich die Lesben und Schwulen Wiens mit dem Mahnmal identifizieren können: “Friss-Vogel-oder-stirb geht nicht.” Schließlich habe es zum ersten Entwurf ein sogenanntes Community-Board gegeben, an dem sich Vertreter aller Gruppierungen beteiligen konnten: “Da sollte auf jeden Fall die Community eingebunden werden.”

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