Weiter Debatte um den Nikolo

Das aus pädagogischen Gründen für Wiens Kindergärten verhängte Hausverbot für den Nikolaus hat eine vorweihnachtliche Debatte in Österreich ausgelöst.

Während die Katholische Jungschar die Diskussion „mit Besorgnis“ verfolgt und um die Existenz der Tradition fürchtet, sprachen sich die übrigen Bundesländer gegen ein Nikolo-Verbot aus. Auch die Kinderpsychologin Theresia Herbst beruhigte im APA-Gespräch: „Besucht er Kinder als freundlicher, humorvoller Papa-Typ und nicht mit Drohungen und einem finsteren Blick, sollten sich keine Ängste einstellen.“

„Ich glaube nicht, dass ein freundlicher Nikolo mit Süßigkeiten etwas anrichten kann“, meinte sie. Von verkleideten Männer, die mit pädagogischem Feingefühl auf Kinder eingehen, und in kindgerechter Sprache erklären, wer sie sind, gehe keine Gefahr aus. Im Gegenteil: der Besuch des Nikolos könne somit zu einem Erlebnis für die Kleinen werden, auf das sie sich jedes Jahr freuen.

Der Nikolaus sei eine sehr wichtige Figur, gerade für die Kinder, hieß es seitens der Katholischen Jungschar. Die Organisation mache seit vielen Jahren auf den Missbrauch der Person des Heiligen als Erziehungsmittel oder Angst erregende Person aufmerksam. Gerade diese Funktion sei ein vollkommen falscher Weg und gehöre durchbrochen. Dies könne „allerdings sicher nicht mit einem Verbot“ des Nikolaus erreicht werden.

Politiker aus den Bundesländern haben sich am Mittwoch indes für einen Erhalt der Tradition ausgesprochen. Kindergartenpädagoginnen würden die Kleinen bestens auf den Nikolo-Besuch vorbereiten, so der einhellige Tenor. Weiterhin gern gesehen ist der Geselle mit der Bischofsmütze etwa in Niederösterreich. Die zuständige Landesrätin Johanna Mikl-Leitner (V) erteilte einer „Nikolaus-Verbannung“ eine klare Absage und bezeichnete die Vorgangsweise in der Bundeshauptstadt als völlig unverständlich. Der Nikolaus gehöre zu unserer Kultur und sei eine lieb gewordene Tradition.

Auch die oberösterreichischen Freiheitlichen und die ÖVP Linz treten dafür ein, dass Nikolo-Besuche erhalten bleiben. „Gut präsentiertes Brauchtum kann die kindliche Seele gewissermaßen impfen und mit gutem Rüstzeug für das künftige Leben ausstatten“, betonte FPÖ-Landesparteichef Lutz Weinzinger. Auch der Linzer ÖVP-Klubobmann Thomas Stelzer erklärte, dass Kindern das Verständnis und Gefühl für Werte und Tradition nicht genommen werden dürfe.

Vorarlberger Kindergärten werden in Zukunft auch nicht auf den vorweihnachtlichen Besucher verzichten. „Der Nikolaus ist in unseren Kindergärten selbstverständlich herzlich willkommen“, betonte der zuständige Landesrat Siegi Stemer (V) auf APA-Anfrage. „Die Person des Heiligen Nikolaus ist bei uns sehr positiv besetzt. Angst einflößende Krampus-Geschichten finden bei uns nicht statt“, sagte er.

In der Steiermark muss niemand von Amts wegen auf den Besuch des Nikolo verzichten. Die zuständigen Jugendressort-Chefinnen in Land und Stadt – Bettina Vollath und Tatjana Kaltenbeck-Michl (beide S) – sprachen sich für den Heiligen aus. In die Besuchsfrage für Kindergärten wolle man sich aber nicht einmischen: Eltern und Pädagogen sollten selbst entscheiden, ob sie gelebtes Brauchtum haben wollten.

Im Burgenland ist ein generelles „Hausverbot“ für den Nikolaus in Kindergärten derzeit kein Thema. Landesrätin Michaela Resetar (V) sprach sich für eine Beibehaltung der Tradition aus. Wenig debattiert wird darüber in Salzburg und Tirol. „Der Nikolaus kommt, der Krampus bleibt ohnedies daheim“, sagte Ulrike Kendlbacher im Büro der zuständigen Salzburger Landesrätin Doraja Eberle (V) auf APA-Anfrage. Die Kinder hätten vielleicht Ehrfurcht, aber keine Angst.

Der heilige Nikolaus, Bischof von Myra, wurde Ende des dritten Jahrhunderts in der Türkei geboren und Mitte des vierten Jahrhunderts in Süditalien bestattet. Seine Figur ist in der gesamten westlichen Welt essenzieller Bestandteil des Brauchtums: Das Christentum gedenkt ihm am 6. Dezember. Als Sohn reicher Eltern soll er sein geerbtes Vermögen unter den Armen verteilt haben. Auch Wunder soll er vollbracht haben: etwa die Vermehrung von Korn oder die Hilfe im Seesturm. Er gilt als Schutzpatron der Ministranten, Kinder, Apotheker, Salzsieder und Gefängniswärter.

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