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Weicher und harter Lockdown zeigen sich beim Mobilitätsverhalten

Die Mobilitätsdaten spiegeln den Lockdown wider.
Die Mobilitätsdaten spiegeln den Lockdown wider. ©APA/HANS PUNZ
Der weiche und der harte Lockdown spiegeln sich auch beim Mobilitätsverhalten der Österreicher wider. Jedoch ist auch eine Corona-"Müdigkeit" zu erkennen.

Der Weg der vergangenen Wochen vom weichen in den harten Lockdown und dann wieder in den de facto erneuten "Soft-Lockdown" lässt sich eindrücklich am Mobilitätsverhalten der Österreicher ablesen. In den vergangenen ersten Einkaufstagen zeigte sich nun zwar ein deutlicher, aber nicht überschießender Anstieg in den Mobilfunk-Bewegungsdaten. Von den Mobilitätsreduktionen im Frühjahr ist man im Herbst jedenfalls deutlich entfernt, erklärten Experten gegenüber der APA.

In den Analysen anonymisierter Daten zu den durchschnittlich in Österreich zurückgelegten Wegen im ersten Lockdown vor dem Sommer war ein regelrechtes Absacken bei der Mobilität österreichweit zu erkennen. Anhand der Informationen darüber, welche Mobiltelefone sich über die SIM-Karte über den Tag verteilt an welchen Handymasten einwählen, schrumpfte die Gruppe jener Bürger, die mehr als einen Kilometer am Tag zurücklegten, von um die 73 Prozent auf rund 45 Prozent. Das ergaben laufende Auswertungen auf Basis von Informationen des Telekomunternehmens A1 durch das Spin-off der Technischen Universität (TU) Graz, Invenium.

Sommer fast bei langjährigen Normalwerten

Nachdem sich dieses Bild im Sommer annähernd wieder den langjährigen Normalwerten annäherte, gab es mit dem weichen Lockdown ab 3. November einen merklichen Rückgang auf um die 63 Prozent und darüber bei dieser Mobilitätsgruppe. Dann ging es am ersten Tag des harten Lockdowns (17. November) auf rund 56 Prozent hinunter. Schon in den letzten Lockdown-Tagen verzeichnete man allerdings wieder "einen leichten Anstieg", so Mario Mayerthaler von A1 und Michael Cik von Invenium. Die Werte von Montag, Dienstag und Mittwoch dieser Woche entsprechen nun "fast der Soft-Lockdown-Zeit", mit über 65 Prozent in der Gruppe der "mobilen Personen", so die Experten, die seit Beginn der Coronakrise Informationen an Behörden liefern.

Corona-"Müdigkeit" in der Bevölkerung feststellbar

Bereits in den Phasen verstärkter Kontaktreduktion selbst sei anhand augenfälliger Mobilitätssteigerungen eine gewisse "Müdigkeit" in der Bevölkerung, sich über längere Zeiten sehr stark einzuschränken, zu erkennen, so Cik. Das dürfte sich auch jetzt wieder zeigen, denn am Mittwoch (9. Dezember) lag man mit 68 Prozent bereits etwas höher als im Soft-Lockdown-Schnitt, erklärte der Verkehrswissenschafter: "Ich bin auch gespannt, wie es jetzt in den weiteren Dezembertagen weiter geht."

Zumindest für die ersten, potenziell harten Weihnachtseinkaufstage lasse sich unter dem nunmehrigen Quasi-Soft-Lockdown erkennen, dass der befürchtete totale Ansturm auf einige Shoppingmeilen ausgeblieben ist - auch wenn sich das mit der subjektiven Wahrnehmung da und dort vielleicht nicht deckt, wie Mayerthaler einräumte. Auf der Wiener Mariahilfer Straße, am Stephansplatz und Graben bzw. den Innenstädten Innsbrucks oder Salzburgs verzeichnete man am Dienstag und Mittwoch zwar wieder reges Treiben, das Personenaufkommen lag aber lediglich bei etwa der Hälfte vergleichbarer Weihnachts-Einkaufstage im vergangenen Jahr.

Menschen fahren eher in Einkaufszentren

Das liegt auch daran, dass die Verweiloptionen an Punschständen und in der Gastronomie so nicht gegeben sind, gegen Abend die Ausgangsbeschränkungen ab 20.00 Uhr klar sichtbar werden und die Touristen fehlen. Der Peak liegt damit durchgehend um Mittag und frühen Nachmittag. Insgesamt könne man sagen, dass die Menschen weniger die Einkaufsstraßen, sondern eher Einkaufszentren stark frequentieren, so Cik.

Insgesamt orte man einen gewissen "Gewöhnungseffekt". Vom kompletten Herunterfahren des Landes sei man auch angesichts der Mobilitätsdaten weit entfernt. Das nun weniger große Einbremsen des Kontaktgeschehens spiegle sich eben auch in den weniger stark sinkenden Fallzahlen wieder. Der zeitversetzte Zusammenhang zwischen den Bewegungsdaten und den Infektionsdaten ist laut Cik insgesamt im Pandemie-Verlauf erstaunlich groß. "Die Frage wird sein, ob die aktuelle Mobilität ausreicht, um die Fallzahlen pro futuro zu drücken", so Mayerthaler auch mit Blick in Richtung der Weihnachtsfeiertage.

Kein Ansturm auf Wiener Einkaufsstraßen

Der Mobilfunkbetreiber Drei hat sich die anonymisierten Daten zu den Bewegungsströmen in Wien nach dem Ende des zweiten harten Lockdown angesehen und kommt zur Erkenntnis: "Der große Ansturm auf die Einkaufsstraßen ist ausgeblieben." Auf der Mariahilfer Straße tummelten sich in den ersten drei Tagen dieser Woche (7. bis 9.12.) zwischen 13 und 26 Prozent weniger Passanten, auf der Kärntner Straße um die Hälfte (49 Prozent) bis zwei Drittel (67 Prozent) weniger als im Vorjahr.

"Zwar war die Frequenz am ersten Tag des geöffneten Handels wieder auf dem Niveau des letzten Tages vor dem harten Lockdown (17.11.), lag Maria Empfängnis doch deutlich hinter dem Vorjahr. Der 8. Dezember 2020 war auf der Mariahilfer Straße sogar ruhiger als die Tage davor und danach. Auf der Kärntner Straße war am Feiertag sogar weniger Frequenz als im Vorjahr, obwohl der 8.12.2019 auf einen Sonntag fiel", so Drei-Chef Jan Trionow.

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(APA/Red)

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