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Washington Post: "Ein weit größerer Künstler"

Als Luciano Pavarotti an der Met in New York seinen Abschied ausfallen ließ, strahlte der andere Superstar am Opernhimmel, Placido Domingo, besonders hell.

„Als das drittklassige Melodrama in der Metropolitan Opera ablief, gestaltete der wahre Profi unter den Tenören an der Washingtoner Oper die Hauptrolle in Pique Dame“, schrieb die „New York Times“. Und die „Washington Post“ beobachtete, wie „ein weit größerer Künstler – smarter, vielseitiger und bedeutend gewissenhafter – sich schlicht an die Arbeit machte.“

Fachwelt und Publikum entdeckten, dass zwischen dem 66-jährigen exzentrischen Italiener Pavarotti und dem fünf Jahre jüngeren bescheiden auftretenden Spanier Domingo Welten liegen. Dabei hat auch Domingo als einer der „drei Tenöre“ (neben Pavarotti und Jose Carreras) Geld gescheffelt und die einst heiligen Grenzen zwischen „ernster Oper“ und Show längst überschritten. Operetten-, Zarzuela- und Mariachi-Weisen gehören zu seinem Programm.

Dass nun der schwergewichtige Pavarotti ans endgültige Aufhören denkt und Domingos Stimme weiter über jede Kritik erhaben ist, mag an den Genen liegen. Doch ein Schuss kluger Vorausplanung habe sicher auch etwas damit zu tun, meinen die Kenner. Domingo habe sein aus einem natürlichen Bariton zu einem strahlenden und schönen Tenor gewachsene Stimmkapital sorgfältig eingesetzt. Richard Wagner gehörte etwa zu den Komponisten, die ihn früh interessierten, doch wandte er ihm erst relativ spät seine Aufmerksamkeit zu. In Bayreuth gab er 1992 sein Debüt als Parsifal, den er dann noch 1993 und 1995 verkörperte. 2000 kam er noch einmal als Siegmund auf den „Hügel“.

Vom Alter her an der Schwelle der Pensionierung, erweitert der Tenor noch sein Repertoire, das mittlerweile 118 Rollen umspannt. In „Pique Dame“ von Peter Tschaikowsky können sich die Washingtoner Zuschauer derzeit davon überzeugen, dass Domingo inzwischen auch zu einem sehr guten Schauspieler geworden ist. Das ist in dieser Branche keine Selbstverständlichkeit.

Nicht nur das: Er ist seit 1996 Künstlerischer Direktor der Washingtoner Oper, seit dem Sommer 2000 auch Künstlerischer Leiter der Oper von Los Angeles. Außerdem versucht er sich als Dirigent. So wird er an diesem Samstag in Washington bei der Premiere von Bizets „Carmen“ den Taktstock führen. Als Sänger und in seinen „Nebenrollen“ reist er so rastlos durch die Welt, dass er schon mit dem Fliegenden Holländer verglichen worden ist.

Wie er das macht und wie lange noch – das fragen sich Leute, die ihn gut kennen, schon geraume Zeit. „Ich bin daran gewöhnt, viele Dinge zu tun“, hat er einmal gesagt. Auf der Premierenfeier für „Pique Dame“ unterstrich er, dass zu seinen besonderen Talenten auch das Werben um Geld und Wohlwollen gehört. Unter den Ehrengästen war Jordaniens Ex-Königin Noor, die Witwe König Husseins. Von dem Mäzen Alberto Vilar — „mein Freund“ – erhielt Domingo fünf Millionen Dollar für ein Opernstudio für junge Künstler in Washington. Dem Nachwuchs hilft er auch mit seinem „Operalia“-Wettbewerb.

Aber selbst Superstar Domingo ist nicht über jeden Tadel erhaben. Als Dirigent bekommt er in der US-Presse regelmäßig schlechte Kritiken. Als Förderer seiner Frau Marta, die in seinem Schatten Opern inszeniert, muss er ein sehr gedämpftes Echo mithören. Und als Künstlerischer Direktor begleiten ihn von Anfang an Mäkeleien an seiner Spielplangestaltung, seiner häufigen Abwesenheit und seinem Umgang mit dem Geld.

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