Warum Überlebenschancen gering sind

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Die Chancen einen der Opfer des Bootsunglückes lebend zu finden sind niedrig. Die Überlebenschancen nach einem Sturz ins Wasser - noch dazu eventuell mit schweren Verletzungen wie etwa nach einem Bootszusammenstoß- sind begrenzt.

Beim „klassischen“ Ertrinken sorgt der Atemreflex dafür, dass Wasser geschluckt wird, was weiteres Atmen unmöglich macht – der Tod tritt laut Unfallmedizinern im Normalfall nach drei bis fünf Minuten ein, in kälterem Wasser später (weil der Stoffwechsel sozusagen auf Eis liegt). Doch auch Unterkühlung ist auf Dauer fatal: In Wasser mit 15°C kann man maximal etwa 45 Minuten überleben – das Wasser in der Donau hat derzeit aber nur rund elf Grad.

Beim Untertauchen unter Wasser hält das Opfer natürlich zunächst den Atem an. Das schafft man aber nur etwa eine Minute. Danach sorgt ein Reflex für zwanghafte Atembewegungen. Dadurch wird Wasser in die Lunge aufgenommen. Nach zwei Minuten tritt ein Krampfstadium mit Zwerchfellzittern und Stimmritzenkrampf ein, atmen ist nicht mehr möglich – Tod nach drei bis fünf Minuten.

Gute Schwimmer – der Nichtschwimmer bzw. Verletzte mit Schwimmweste, der ohnmächtige Schwimmer mit ohnmacht-sicherer Schwimmweste – bleiben zwar zuerst an der Wasseroberfläche. Dabei droht aber laut Experten ebenfalls die Aufnahme von Wasser in die Lunge, und zwar durch Wellen. Verbindet sich die Atemluft mit dem Wasser, bildet sich Schaum in der Lunge. Die Lungenbläschen fallen zusammen, es entsteht akuter Sauerstoffmangel.

Je ausgeprägter dieser ist und je länger er andauert, desto mehr werden insbesondere Hirn, Herz und Lunge geschädigt. Schock und Tod sind die möglichen Folgen. Ein „sekundäres Ertrinken“ durch ein Lungenödem ist noch bis zu 48 Stunden nach dem Unfall möglich – Unfallopfer müssen also dringend auf eine Intensivstation. Normalerweise kommt das Gehirn maximal fünf Minuten ohne Sauerstoff aus – bei sehr rascher Abkühlung in eiskaltem Wasser verlängern sich diese Zeiten, erläutert Dr. Helmut Trimmel, leitender Notarzt des ÖAMTC-Hubschraubers „Christophorus 3“.

Doch die Kälte kann andererseits ebenfalls tödlich sein: durch Unterkühlung des Körpers. Liegt die Wassertemperatur unter 25 Grad, reicht die Wärmeproduktion des Organismus nicht aus, um die notwendige Körpertemperatur zu erhalten. Diese sinkt umso schneller, je niedriger die Wassertemperatur ist, und sie sinkt immer tiefer, je länger das Opfer im Wasser liegt. Fällt die Körpertemperatur unter 33 Grad, ist der Zustand bereits lebensbedrohlich. Ab 30 Grad Körpertemperatur wird das Opfer bewusstlos. Bei weiterer Unterkühlung folgen Schock und Tod.

Der Körper zieht durch Gefäßverengung das Blut aus der Peripherie in den Kern zurück. Dadurch werden die lebenswichtigen Organe warm gehalten und weitere Auskühlung wird verzögert. Dabei bilden sich zwei Bereiche: der warme Körperkern und die kalte „Schale“. Wichtig:
Das Blut aus den beiden Bereichen darf keinesfalls – z.B. durch Bewegung, Aufstehen, Massage etc. – vermischt werden, warnen Notfallmediziner. Denn sonst tritt sofortiger Tod ein.

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